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Fünf gerade sein lassen

Kurz gesagt

Es nicht so genau nehmen und großzügig über kleine Fehler oder Regelverstöße hinwegsehen; auch: sich entspannen und alles ruhen lassen.

Auf Englisch
to cut someone some slack
to let things slide
Auch gesagt
Fünfe gerade sein lassen
Alle fünfe gerade sein lassen
Eine Fünf gerade sein lassen

Was bedeutet „Fünf gerade sein lassen“?

Wer fünf gerade sein lässt, nimmt es nicht allzu genau: mit Regeln, mit Ordnung, mit kleinen Fehlern anderer oder mit sich selbst. Die Lehrerin, die bei der letzten Hausaufgabe vor den Ferien nicht jeden Kommafehler anstreicht, lässt fünf gerade sein, ebenso der Vater, der am Geburtstag zwei Stunden länger Fernsehen erlaubt. Die Wendung ist umgangssprachlich und meist wohlwollend gemeint. Häufige Formen sind „fünfe gerade sein lassen“, „alle fünfe gerade sein lassen“ oder „eine Fünf gerade sein lassen“.

Der Ton hängt von der Lage ab. Als Rat („Lass doch mal fünf gerade sein!“) ermuntert die Wendung zu Gelassenheit. Über einen Beamten, Prüfer oder Politiker gesagt, kann sie dagegen andeuten, dass jemand Vorschriften großzügig zum eigenen oder fremden Vorteil auslegt. Das DWDS verzeichnet außerdem eine zweite Bedeutung: abschalten, sich entspannen, sich um nichts kümmern, etwa „über Weihnachten die Fünf gerade sein lassen“. Für schwere Verstöße passt die Wendung nicht. Sie meint Kleinigkeiten, bei denen man ein Auge zudrücken kann.

Woher kommt „Fünf gerade sein lassen“?

Das Bild ist rechnerisch: Fünf ist eine ungerade Zahl. Wer sie trotzdem als gerade gelten lässt, rechnet ungenau und nimmt es mit der Ordnung nicht so streng. Die Wendung ist alt. Grimms Deutsches Wörterbuch belegt sie bei Johannes Agricola, dessen Sprichwortsammlung im 16. Jahrhundert erschien: „man musz etwan fünf gerad lassen sein“. Kaspar Stieler verzeichnet im 17. Jahrhundert „bei groszen herren musz man fünfe gerade sein lassen“, und bei Christoph Martin Wieland heißt es, „fünf für gerade gelten zu lassen“.

Früher funktionierte das Bild auch mit anderen ungeraden Zahlen. In Grimmelshausens „Simplicissimus“ (1668) lässt der Erzähler „siebene grad sein“, und ein lateinisch-deutsches Wörterbuch kennt „dreizehn gerade sein lassen“. Durchgesetzt hat sich die Fünf. Eine verbreitete Deutung bezieht die Zahl auf die fünf Finger, die man gerade ausstreckt, statt zuzupacken. Belegt ist diese Erklärung nicht.

Beispiele aus dem Alltag

  • Beim Probetraining kommt Emil zehn Minuten zu spät. Der Trainer winkt ab: „Heute lass ich mal fünf gerade sein, nächste Woche nicht mehr.“

  • Die Steuerberaterin schüttelt den Kopf über die Quittungen in der Schuhschachtel. „Beim Finanzamt lässt niemand fünfe gerade sein, Herr Lorenz.“

  • Am letzten Urlaubstag gibt es Eis zum Frühstück. „Heute lassen wir alle fünfe gerade sein“, sagt Mama und holt die Löffel.

Häufige Fragen

Warum sagt man „fünf gerade sein lassen“?

Fünf ist eine ungerade Zahl. Wer sie als gerade gelten lässt, nimmt es nicht genau, und genau das meint die Redewendung: großzügig über Kleinigkeiten hinwegsehen.

Heißt es „fünf“ oder „fünfe gerade sein lassen“?

Beides ist richtig. „Fünfe“ ist eine ältere, umgangssprachliche Form des Zahlworts, die in dieser Wendung besonders oft vorkommt. Auch „alle fünfe gerade sein lassen“ ist verbreitet.

Wie alt ist die Redewendung „fünf gerade sein lassen“?

Sehr alt. Grimms Wörterbuch belegt „fünf gerad lassen sein“ schon in der Sprichwortsammlung von Johannes Agricola aus dem 16. Jahrhundert.

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