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Ein ungläubiger Thomas

Kurz gesagt

Jemand, der etwas erst glaubt, wenn er es mit eigenen Augen gesehen hat, oder der grundsätzlich an allem zweifelt.

Auf Englisch
a doubting Thomas

Was bedeutet „Ein ungläubiger Thomas“?

„Ein ungläubiger Thomas“ ist jemand, der einer Behauptung erst traut, wenn er den Beweis selbst gesehen oder angefasst hat. Der Duden umschreibt ihn als jemanden, „der an allem zweifelt“. Man nennt so den Freund, der einem Gerücht erst traut, wenn er das Foto dazu gesehen hat, den Kollegen, der jede Erfolgsmeldung mit „Zeig mal die Zahlen“ beantwortet, oder den Fan, der dem Comeback seiner Mannschaft nicht traut. Viele sagen es auch über sich selbst: „Da bin ich ein ungläubiger Thomas“ heißt so viel wie: Das muss ich sehen.

Der Ton ist umgangssprachlich und meist gutmütig spöttisch, ein ernster Vorwurf ist es selten. „Ungläubig“ bedeutet hier zweifelnd, nicht gottlos: Wer einen Atheisten meint, liegt mit der Wendung falsch. Oft schwingt sogar Anerkennung mit, denn wer Beweise verlangt, lässt sich nicht so leicht hereinlegen. Spöttisch wird es vor allem, wenn sich die Zweifel als unbegründet erweisen und der ungläubige Thomas am Ende doch zugeben muss, dass die anderen recht hatten.

Woher kommt „Ein ungläubiger Thomas“?

Die Wendung stammt aus dem Johannesevangelium. Thomas, einer der Zwölf, ist nicht dabei, als der Auferstandene den Jüngern erscheint, und sagt: „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich’s nicht glauben“ (Johannes 20,25, Lutherbibel 2017). Acht Tage später fordert Jesus ihn auf, die Wunden zu berühren, „und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ (20,27). Aus diesem Satz stammt das Beiwort.

Dass Thomas die Wunden tatsächlich berührt, sagt der Text nicht. Er antwortet nur: „Mein Herr und mein Gott!“ (20,28), und Jesus schließt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (20,29). Der Finger in der Wunde ist ein Motiv der Kunst, am bekanntesten in Caravaggios Gemälde „Der ungläubige Thomas“ (um 1601/1602) in der Bildergalerie von Sanssouci.

Als Redensart verzeichnet Wander „Es ist ein ungläubiger Thomas“ nach Eiselein und Simrock (1846), mit Verweis auf Johannes 20,24–29 und Entsprechungen im Tschechischen und Niederländischen.

Beispiele aus dem Alltag

  • Leonie erzählt, dass ihr kleiner Bruder freiwillig sein Zimmer aufgeräumt hat. Ihre Mutter glaubt es erst, als sie selbst nachsieht. „Du bist echt ein ungläubiger Thomas, Mama“, sagt Leonie.

  • Jonas hat im Vereinschat gewettet, dass der Aufsteiger nie die Klasse hält. Nach dem letzten Spieltag schreibt Aylin: „Na, unser ungläubiger Thomas? Glaubst du’s jetzt?“

  • Frau Albers liest die Meldung über einen Akku mit zehnfacher Laufzeit und schüttelt den Kopf: „Da bin ich ein ungläubiger Thomas. Das will ich erst im Labor sehen.“

Häufige Fragen

Wo steht die Geschichte vom ungläubigen Thomas in der Bibel?

Die Geschichte vom ungläubigen Thomas steht im Johannesevangelium, Kapitel 20, Vers 24 bis 29. Thomas will erst glauben, wenn er die Wunden des Auferstandenen sieht und berührt.

Hat Thomas die Wunden Jesu wirklich berührt?

Das sagt das Johannesevangelium nicht. Jesus fordert Thomas dazu auf, doch der Text berichtet nur seine Antwort „Mein Herr und mein Gott!“. Den Finger in der Wunde zeigen vor allem Gemälde wie Caravaggios „Der ungläubige Thomas“.

Wie sagt man „ungläubiger Thomas“ auf Englisch?

Auf Englisch heißt der ungläubige Thomas „a doubting Thomas“. Gemeint ist ebenfalls ein Mensch, der nur glaubt, was er selbst gesehen hat.

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