Jemanden im Stich lassen
Kurz gesagt
Jemanden in einer schwierigen Lage allein lassen und ihm die Hilfe verweigern, mit der er gerechnet hat.
- Auf Englisch
- To leave someone in the lurch
- To let someone down
- Auch gesagt
- Etwas im Stich lassen
Was bedeutet „Jemanden im Stich lassen“?
„Jemanden im Stich lassen“ heißt: jemanden in einer schwierigen Lage allein lassen und ihm die Hilfe verweigern, mit der er gerechnet hat. Duden nennt zwei Spielarten: sich um jemanden, der in Not geraten ist, nicht mehr kümmern, und jemanden verlassen, mit dem man verbunden war. Typisch sind der Freund, der am Umzugstag nicht auftaucht, der Handwerker, der eine halb fertige Baustelle zurücklässt, oder der Partner, der sich in der Krise davonmacht. Die Wendung ist ein deutlicher Vorwurf: Wer sie benutzt, sagt, dass der andere eine Pflicht oder ein Versprechen gebrochen hat.
Duden kennt außerdem einen umgangssprachlichen Gebrauch für Dinge und Fähigkeiten: „sein Gedächtnis ließ ihn im Stich“. Ebenso lassen einen die Nerven, das Auto oder das Wetter im Stich. Hier ist niemand schuld, es versagt nur etwas im entscheidenden Moment. „Etwas im Stich lassen“ heißt schließlich, etwas aufgeben oder zurücklassen, etwa Haus und Hof auf der Flucht. Allen Gebrauchsweisen gemeinsam ist, dass die Hilfe gerade dann fehlt, wenn sie gebraucht wird.
Woher kommt „Jemanden im Stich lassen“?
Die Wendung ist alt. Grimms Wörterbuch findet sie vereinzelt schon am Ende des 15. Jahrhunderts, häufiger erst im 17. Jahrhundert; Pfeifers Etymologisches Wörterbuch nennt sie seit dem 17. Jahrhundert geläufig. Frühe Belege sind die „Große Postille“ des Johannes Pomarius (1590) mit „unnd seine arme wehrlose schefflein im stiche lasse“ und Stumpfs „Schweizerchronik“ (1606), in der einer einen Hauptmann „mit vilen redlichen kriegsleuten im stich“ lässt.
Woher das Bild stammt, ist nicht sicher geklärt. Die Wörterbücher bevorzugen eine Erklärung aus dem Kampf: Duden deutet die Wendung als „wohl eigentlich = jemanden [im Kampf] den Stichen des Gegners ausgeliefert lassen“, Pfeifer denkt an das ritterliche Turnier, und Grimm stellt sich ein Massenturnier vor, in dem einer seine Gefährten verlässt, die nun allein „im stich“ des Feindes bleiben. Eine andere Deutung beruft sich auf die Biene, die ihren Stachel in der Wunde zurücklässt und dabei stirbt. Das Bild findet sich in Steinhöwels „Äsop“ (1477) und bei Luther, Grimm hält solche Einzelstellen aber für einen kaum glaubhaften Ausgangspunkt einer so verbreiteten Redensart.
Beispiele aus dem Alltag
Für den Umzug hatten fünf Freunde zugesagt, gekommen sind zwei. „Ihr habt mich ganz schön im Stich gelassen“, schreibt Murat am Abend in die Gruppe.
Kurz vor der Abgabe der Hausarbeit meldet sich Jonas’ Lerngruppe nicht mehr. Er sitzt allein bis drei Uhr nachts am Schreibtisch und fühlt sich im Stich gelassen.
Bei der Geburtstagsrede für ihre Oma bleibt Lena mitten im Satz stecken. „Tut mir leid, mein Gedächtnis lässt mich gerade im Stich“, sagt sie und lacht.
Häufige Fragen
Woher kommt „jemanden im Stich lassen“?
Die Herkunft von „jemanden im Stich lassen“ ist nicht sicher geklärt. Duden, Pfeifer und Grimm führen die Wendung auf den Kampf oder das ritterliche Turnier zurück: Wer seine Gefährten verlässt, lässt sie den Stichen des Gegners ausgeliefert zurück.
Hat „im Stich lassen“ etwas mit der Biene zu tun?
Manche führen „im Stich lassen“ auf die Biene zurück, die ihren Stachel in der Wunde zurücklässt, und das Bild kommt bei Luther tatsächlich vor. Grimms Wörterbuch hält solche Einzelstellen aber für einen unwahrscheinlichen Ausgangspunkt und bevorzugt die Erklärung aus dem Kampf.
Wie sagt man „jemanden im Stich lassen“ auf Englisch?
Die übliche Entsprechung ist „to leave someone in the lurch“, schlichter „to let someone down“. Wenn das Gedächtnis versagt, sagt man „my memory failed me“.
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