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Jemanden durch den Kakao ziehen

Kurz gesagt

Sich über jemanden lustig machen und ihn verspotten, meist gutmütig, manchmal aber auch boshaft hinter seinem Rücken.

Auf Englisch
to poke fun at someone
to take the mickey out of someone

Was bedeutet „Jemanden durch den Kakao ziehen“?

„Jemanden durch den Kakao ziehen“ heißt: sich über jemanden lustig machen, ihn verspotten oder veralbern. Der Duden betont die gutmütige, lustige Spielart: Freunde, die das Geburtstagskind in einer Rede auf die Schippe nehmen, oder das Team, das beim Abschied die Marotten der Chefin nachspielt. Kabarett, Satire und Karneval leben davon, Politiker, Prominente und Behörden durch den Kakao zu ziehen; das bayerische „Derblecken“ am Münchner Nockherberg ist das bekannteste Beispiel. Die Wendung ist umgangssprachlich und steht oft im Passiv: „Da wurde ich ordentlich durch den Kakao gezogen.“

Die Grenze zum Bösartigen ist fließend. Röhrich umschreibt die Wendung auch mit „über jemanden lästern“, also abfällig über jemanden reden, der nicht dabei ist. Ob es freundlich oder verletzend gemeint ist, entscheidet der Ton und die Frage, ob der Verspottete mitlachen kann. Durch den Kakao ziehen lassen sich auch Dinge: eine Werbekampagne, ein Filmgenre, ein Modetrend. „Jemanden auf den Arm nehmen“ ist verwandt, meint aber eher den einzelnen Scherz, mit dem man jemanden hereinlegt.

Woher kommt „Jemanden durch den Kakao ziehen“?

Belegt ist die Wendung seit dem frühen 20. Jahrhundert. Röhrich setzt ihr Aufkommen um die Jahrhundertwende an, Küppers Wörterbuch der deutschen Umgangssprache verzeichnet sie in der Soldatensprache ab 1914. Der Kakao ist dabei ein Deckwort: Nach Duden und Röhrich steht er verhüllend für das gleich anlautende derbe „Kacke“. Küpper kennt „Kakao“ im Sinn von Kot schon um 1910.

Das Verb „ziehen“ stammt nach Röhrich aus älteren Wendungen wie „jemanden durch die Hechel ziehen“ und „durch den Dreck ziehen“. Die Hechel ist ein Kamm mit spitzen Metallzinken, durch den man Flachs und Hanf zog, um die Fasern zu reinigen; wer durchgehechelt wurde, über den wurde scharf geredet. Küpper nennt die Kakao-Wendung eine derbere Variante davon. Aus dem Dreck wurde so ein harmlos klingendes Getränk.

Oft liest man, Erich Kästner habe die Wendung erfunden. Das stimmt nicht. Kästner spielte in seinem Gedichtband „Gesang zwischen den Stühlen“ (1932) mit einer längst bekannten Redensart: „Nie dürft ihr so tief sinken, / von dem Kakao, durch den man euch zieht, / auch noch zu trinken!“ Die Pointe funktioniert nur, weil die Leser die Wendung schon kannten.

Beispiele aus dem Alltag

  • Bei Opas 80. Geburtstag hält Enkelin Mia eine Rede und zieht ihn liebevoll durch den Kakao: seine Schlagerplatten, seinen alten Kombi, seine heilige Grillzange.

  • In der Büttenrede wird der Bürgermeister wegen der ewigen Baustelle am Rathaus durch den Kakao gezogen. Er lacht in der ersten Reihe tapfer mit.

  • „Hört auf, Jonas durch den Kakao zu ziehen, nur weil er sich im Referat versprochen hat“, schreibt Aylin in die Klassengruppe.

Häufige Fragen

Woher kommt „jemanden durch den Kakao ziehen“?

Die Wendung kam um 1900 auf. „Kakao“ steht nach Duden und Röhrich verhüllend für „Kacke“; gemeint war also ursprünglich, jemanden durch den Dreck zu ziehen, nach dem Muster älterer Wendungen wie „jemanden durch die Hechel ziehen“.

Hat Erich Kästner „durch den Kakao ziehen“ erfunden?

Nein. Kästner spielte 1932 in einem Gedicht mit der Wendung: Man solle „von dem Kakao, durch den man euch zieht, / auch noch zu trinken“ nie so tief sinken. „Jemanden durch den Kakao ziehen“ war da schon seit Jahrzehnten in Gebrauch.

Ist „jemanden durch den Kakao ziehen“ böse gemeint?

Nicht unbedingt. Meist meint „jemanden durch den Kakao ziehen“ gutmütigen Spott unter Freunden oder auf der Bühne, es kann aber auch boshaftes Lästern über Abwesende bedeuten. Entscheidend ist der Ton und ob der Verspottete mitlachen kann.

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