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Sprichwörter über Glück und Liebe: Bedeutung und Herkunft

Vom Glückesschmied bis zum Topf mit Deckel: was die bekanntesten deutschen Sprichwörter über Glück und Liebe meinen, woher sie kommen und wo sie sich widersprechen.

5 Minuten Lesezeit

Die bekanntesten deutschen Sprichwörter über Glück sind Jeder ist seines Glückes Schmied, Scherben bringen Glück und Geld allein macht nicht glücklich. Über die Liebe sagt man vor allem Alte Liebe rostet nicht, Jeder Topf findet seinen Deckel und Gleich und Gleich gesellt sich gern. Hier steht, was diese und weitere Sprüche genau meinen, woher sie stammen und wo sie einander widersprechen.

Zwei Arten von Glück

Das deutsche Wort „Glück“ hat zwei Bedeutungen, die andere Sprachen trennen. Das Englische unterscheidet „luck“ und „happiness“, das Lateinische „fortuna“ und „felicitas“. Im Deutschen ist beides Glück: der Zufall, der einem etwas in den Schoß wirft, und der Zustand, in dem man zufrieden ist. Die Sprichwörter teilen sich entsprechend auf. Die einen handeln vom glücklichen Zufall, die anderen davon, was einen Menschen glücklich macht.

Glück als Zufall

Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn beschreibt Erfolg ohne Verdienst. Wer es sagt, gratuliert selten von Herzen, meist schwingt mit: Das war Zufall, nicht Können. Noch spitzer ist Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln, halb neidisch, halb amüsiert gesagt.

„Scherben bringen Glück“ sagt man, wenn etwas zu Bruch geht, als Trost und um die Peinlichkeit zu überspielen. Am deutlichsten lebt der Gedanke im Polterabend, bei dem Gäste vor der Hochzeit Geschirr zerschlagen. Der Brauch ist seit dem 16. Jahrhundert bezeugt. Geworfen werden Porzellan, Steingut und Keramik, aber kein Glas, denn Glas steht für das Glück, das gerade nicht zerbrechen soll. Spiegel sind ebenfalls tabu, weil ein zerbrochener Spiegel sieben Jahre Pech bringen soll. Die häufigste Deutung des Lärms ist die Abwehr böser Geister. Eine zweite setzt beim Wort an: „Scherben“ hieß früher auch ein ganzes Tongefäß, in Süddeutschland und Österreich ist „der Scherben“ noch heute ein Blumentopf. Belegt ist keine der beiden Erklärungen.

Wie zerbrechlich Glück ist, sagt ein anderes Sprichwort: „Glück und Glas, wie leicht bricht das.“ Der Gedanke ist antik. Beim römischen Spruchdichter Publilius Syrus aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. heißt es, das Glück sei aus Glas und zerbreche gerade dann, wenn es glänzt. Und wer gerade Pech hat, fühlt sich oft von Ein Unglück kommt selten allein bestätigt.

Glück, das man selbst schmiedet

„Jeder ist seines Glückes Schmied“ sagt das Gegenteil vom blinden Huhn: Glück ist kein Zufall, sondern Arbeit. Der Satz ist über zweitausend Jahre alt. Zugeschrieben wird er dem Römer Appius Claudius Caecus, Konsul in den Jahren 307 und 296 v. Chr. Überliefert ist seine Formulierung „fabrum esse suae quemque fortunae“ in einem Brief, der dem Geschichtsschreiber Sallust zugeschrieben wird.

Als Ermutigung taugt das Sprichwort gut, als Urteil über andere weniger. Wer es Menschen in einer Notlage entgegenhält, unterstellt, sie seien selbst schuld, und übergeht Herkunft, Krankheit oder schlichtes Pech. Der Glückesschmied taugt deshalb am besten als Satz, den man sich selbst sagt, etwa zusammen mit Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Glück als Zufriedenheit

„Geld allein macht nicht glücklich“ ist fast nie allein zu hören. Meist folgt ein Nachsatz wie „aber es beruhigt“. Das Sprichwort sagt nicht, Geld sei egal, sondern nur, dass es nicht reicht. Die Glücksforschung gibt ihm ungefähr recht: Mehr Einkommen geht im Schnitt mit mehr Zufriedenheit einher, aber jeder zusätzliche Euro bringt weniger, je mehr man schon hat.

Dem Glücklichen schlägt keine Stunde beschreibt das Gefühl, dass die Zeit verfliegt, wenn man glücklich ist. Der Satz geht auf Schiller zurück. In seinem Drama „Die Piccolomini“ (1799) sagt der junge Max Piccolomini: „Die Uhr schlägt keinem Glücklichen.“ Er schwärmt dabei von der Reise mit Thekla, in die er sich verliebt hat. Das Sprichwort über das Glück ist also ursprünglich ein Satz über die Liebe.

Liebe: Wer passt zu wem?

„Gleich und Gleich gesellt sich gern“ ist eines der ältesten Sprichwörter überhaupt. Schon Cicero nannte es 44 v. Chr. in seiner Schrift über das Alter ein „altes Sprichwort“: Gleiche gesellten sich am leichtesten zu Gleichen. Heute wird es oft spöttisch gebraucht, wenn zwei Menschen einander in ihren Schwächen ähneln. Sein Gegenspieler ist „Gegensätze ziehen sich an“. Die Paarforschung spricht eher für das ältere Sprichwort: Paare ähneln sich im Schnitt stärker in Bildung, Werten und Alter, als der Zufall erwarten ließe.

„Jeder Topf findet seinen Deckel“ ist das tröstlichste Liebes-Sprichwort. Es sagt Singles, dass es für jeden ein passendes Gegenüber gibt, auch wenn es dauert. Das Bild ist alt, war ursprünglich aber spöttisch gemeint. Der lateinische Spruch „dignum patella operculum“, der Schüssel ihr passender Deckel, zielte auf zwei, die gleich schlecht waren; Erasmus von Rotterdam nahm ihn in seine Sprichwortsammlung „Adagia“ auf. Aus dem Spott ist ein Trost geworden. Wanders Sprichwörter-Lexikon verzeichnet im 19. Jahrhundert die ausführliche Form „Es ist kein Topf so schief, er findet seinen Deckel“, ehrlich und trotzdem freundlich. Das Französische kennt eine ähnliche Form: Kein Topf sei so hässlich, dass er nicht seinen Deckel finde.

Liebe, Zeit und Entfernung

„Alte Liebe rostet nicht“ arbeitet mit dem Bild von Eisen, das rostet, wenn man es liegen lässt. Die alte Liebe tut das nicht: Sie kann nach Jahren wieder aufflammen. Man sagt es über Ex-Paare, die sich wiederfinden, aber genauso über den Lieblingsverein, die Heimatstadt oder ein altes Hobby. Das Rostbild teilen viele Sprachen, etwa das Niederländische („oude liefde roest niet“), das Schwedische und das Russische. Das Französische sagt es anders: Man kehre immer zu seiner ersten Liebe zurück.

Aus den Augen, aus dem Sinn behauptet das Gegenteil: Wen man nicht mehr sieht, vergisst man. Eine frühe Fassung steht in der „Nachfolge Christi“ des Thomas von Kempen (um 1420), dort über Verstorbene, die schnell vergessen werden. Das Englische sagt fast wörtlich „out of sight, out of mind“, das Französische macht es romantischer und spricht vom Herzen statt vom Sinn: „loin des yeux, loin du cœur“. Wer an Fernbeziehungen glaubt, hält es dagegen mit dem englischen „Absence makes the heart grow fonder“: Abwesenheit lässt die Zuneigung wachsen.

Weitere Sprüche über die Liebe

  • „Glück im Spiel, Pech in der Liebe“, und umgekehrt „Pech im Spiel, Glück in der Liebe“: der klassische Trost am Kartentisch.
  • „Was sich liebt, das neckt sich“: Wer sich ständig gegenseitig aufzieht, mag sich vermutlich mehr, als er zugibt.
  • „Liebe geht durch den Magen“: Gutes Essen ist der kürzeste Weg zum Herzen.
  • „Liebe macht blind“: Verliebte übersehen die Fehler des anderen.
  • Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft: gilt für Liebe und Freundschaft gleichermaßen.

Warum sich die Sprichwörter widersprechen

„Gleich und Gleich gesellt sich gern“ steht gegen „Gegensätze ziehen sich an“, „Alte Liebe rostet nicht“ gegen „Aus den Augen, aus dem Sinn“, der Glückesschmied gegen das blinde Huhn. Das ist kein Fehler der Sprichwörter, sondern ihr Prinzip. Sie sind keine Naturgesetze, sondern fertige Sätze für bestimmte Situationen: Wer sich nach einer Trennung trösten will, greift zu „Aus den Augen, aus dem Sinn“, wer zehn Jahre später seine erste Liebe wiedertrifft, zu „Alte Liebe rostet nicht“. Beide haben recht, nur nicht gleichzeitig.

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