In den sauren Apfel beißen
Kurz gesagt
Etwas Unangenehmes tun oder hinnehmen, weil es sich nicht vermeiden lässt oder weil es notwendig ist.
- Auf Englisch
- to bite the bullet
- to grin and bear it
- Auch gesagt
- In einen sauren Apfel beißen
Was bedeutet „In den sauren Apfel beißen“?
„In den sauren Apfel beißen“ heißt: etwas Unangenehmes auf sich nehmen, weil es keinen besseren Weg gibt. Das DWDS umschreibt es mit „etwas Unangenehmes, aber oft Unabwendbares oder Notwendiges tun; sich mit etwas Unerfreulichem abfinden“. Typisch sind die teure Autoreparatur, ohne die man nicht zur Arbeit kommt, die Nachtschicht, die jemand übernehmen muss, die Steuererklärung am letzten Abend oder ein Gemeinderat, der die Mehrkosten für die Sporthalle widerwillig genehmigt. Meist steht ein „müssen“ dabei: „Da muss ich wohl in den sauren Apfel beißen.“
Der Ton ist umgangssprachlich und eher resigniert als verzweifelt. Meist geht dem Biss ein Zögern voraus: Man hat abgewogen, nach einem Ausweg gesucht und keinen gefunden. Oft schwingt mit, dass es sich am Ende lohnt, weil ein Problem danach erledigt ist. Bedeutungsnah sind „die bittere Pille schlucken“ und „eine Kröte schlucken“. Wer nur klagt und die Entscheidung immer weiter vertagt, beißt dagegen gerade nicht in den sauren Apfel.
Woher kommt „In den sauren Apfel beißen“?
Das Bild ist schlicht: Ein unreifer, saurer Apfel schmeckt unangenehm, man beißt nur hinein, wenn es sein muss. Die Wendung ist seit dem 16. Jahrhundert belegt. Das Grimmsche Wörterbuch nennt Martin Luther, der einem hochgestellten Adressaten bescheinigt, er habe „ein wenig müssen wermut essen und in einen sawren apfel beiszen“. Wermut, die bittere Heilpflanze, und der saure Apfel stehen hier nebeneinander für Unangenehmes, das man schlucken muss. Auch der schlesische Ritter Hans von Schweinichen schreibt in seinen Lebenserinnerungen: „habe ich doch in einen sauren apfel beiszen müssen“. Der Humanist Eberhard Tappius nahm sie im selben Jahrhundert in niederdeutscher Form in seine Sprichwörtersammlung auf: „Vp ein suyren appel beissen“.
Grimm erklärt die Wendung mit „wol oder übel sich in etwas widriges fügen müssen“. In älteren Belegen, noch bei Lessing, steht meist „in einen sauren Apfel“. Heute ist der bestimmte Artikel fest, das DWDS kennzeichnet die Form mit „einen“ als ungewöhnlich. Eine verwandte Abwandlung findet Grimm bei dem Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz: Man müsse bisweilen „in die saure schale beiszen, um auf den kern zu kommen“.
Beispiele aus dem Alltag
Die Waschmaschine ist kaputt, die Reparatur kostet fast so viel wie eine neue. Finn seufzt: „Dann beiße ich eben in den sauren Apfel und kaufe gleich eine.“
Keiner will die Weihnachtsschicht im Krankenhaus übernehmen. Schließlich beißt Hanna in den sauren Apfel: „Dafür habe ich Silvester frei.“
Der Kreistag hätte das marode Hallenbad gern noch ein paar Jahre betrieben. Nach dem Gutachten musste er in den sauren Apfel beißen und die Sanierung beschließen.
Häufige Fragen
Woher kommt „in den sauren Apfel beißen“?
„In den sauren Apfel beißen“ beruht auf dem einfachen Bild eines unreifen Apfels, in den man nur ungern beißt. Die Wendung ist seit dem 16. Jahrhundert belegt, unter anderem bei Martin Luther.
Heißt es „in den sauren Apfel“ oder „in einen sauren Apfel beißen“?
Heute sagt man „in den sauren Apfel beißen“. Die Form „in einen sauren Apfel“ war früher üblich und steht etwa bei Luther und Lessing, wirkt heute aber ungewöhnlich.
Wie sagt man „in den sauren Apfel beißen“ auf Englisch?
Am nächsten kommt „to bite the bullet“. Wenn es mehr um das Ertragen geht, passt auch „to grin and bear it“.
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