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Etwas ausbaden müssen

Kurz gesagt

Die unangenehmen Folgen von etwas tragen müssen, das meist ein anderer verschuldet hat.

Auf Englisch
To carry the can
To take the fall for someone

Was bedeutet „Etwas ausbaden müssen“?

„Etwas ausbaden müssen“ heißt: die Folgen von etwas tragen müssen, das meist ein anderer verschuldet hat. Typisch ist die Klage über eine Ungerechtigkeit: Die Chefin hat einen unmöglichen Termin zugesagt, und das Team zahlt mit Überstunden. Die Stadt hat jahrelang bei der Sanierung gespart, und nun sitzen die Schüler in Containern. Wer die Wendung benutzt, sieht sich als den, an dem alles hängen bleibt. Duden und DWDS nennen sie umgangssprachlich, im DWDS stehen als typische Begleiter Wörter wie „Fehler“, „Dummheit“, „Misswirtschaft“ und „Steuerzahler“.

Man kann auch eigene Fehler ausbaden. „Das musst du jetzt selbst ausbaden“ heißt, dass jemand mit den Folgen seiner Entscheidung allein fertigwerden soll, und klingt wenig mitfühlend. Neben „müssen“ hört man oft ein ironisches „dürfen“: „Das dürfen jetzt wieder wir ausbaden.“ Gemeint ist immer eine Last, die man nicht selbst gewählt hat. Wer freiwillig Verantwortung übernimmt, badet nichts aus.

Woher kommt „Etwas ausbaden müssen“?

„Ausbaden“ hieß zunächst wörtlich „zu Ende baden“. Pfeifers Etymologisches Wörterbuch belegt das Wort in diesem Sinn seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die übertragene Bedeutung „die Folgen tragen“ seit dem Ende des 16. Jahrhunderts. Grimms Wörterbuch (Band 1, 1854) bringt dafür Belege von Hans Sachs bis Goethe („wir andern müssen es ausbaden“) und aus Fischarts „Gargantua“ den Satz: „der musz das bad ausbaden oder doch zahlen.“

Welcher Brauch hinter dem Bild steht, ist nicht sicher geklärt. Duden erklärt es mit den öffentlichen Badestuben: Dort musste der letzte Badegast das Wasser ausgießen, in dem vor ihm mehrere andere gebadet hatten, und den Zuber reinigen. Die Brüder Grimm nannten die zugrunde liegende Geschichte schon 1854 „nicht mehr genau bekannt“ und vermuteten mehrere Fassungen, etwa dass von mehreren Badenden der letzte, der nicht mehr entkam, das Badewasser forttragen oder austrinken musste. Verwandte Wendungen, die Grimm daneben verzeichnet, wie „das Bad austragen“ und „das Bad aussaufen müssen“, zeigen dasselbe Bild.

Beispiele aus dem Alltag

  • Die Projektleitung hat dem Kunden den Termin zugesagt, ohne das Team zu fragen. „Und wir werden das am Wochenende ausbaden müssen“, schimpft Jonas in der Kaffeeküche.

  • Murat hat das Familienauto mit leerem Tank zurückgebracht, und seine Schwester steht morgens um sechs an der Zapfsäule. „Wieso soll ich immer deinen Mist ausbaden müssen?“

  • „Die Schulden von heute werden unsere Kinder ausbaden müssen“, ruft die Abgeordnete im Landtag.

Häufige Fragen

Woher kommt „etwas ausbaden müssen“?

Nach Duden stammt „etwas ausbaden müssen“ aus den öffentlichen Badestuben: Der letzte Badegast musste das Wasser ausgießen, in dem andere vor ihm gebadet hatten. Die übertragene Bedeutung ist seit dem Ende des 16. Jahrhunderts belegt.

Ist „ausbaden“ umgangssprachlich?

Ja. Duden und DWDS kennzeichnen „ausbaden“ in der Bedeutung „die Folgen tragen“ als umgangssprachlich. In Zeitungstexten ist es trotzdem sehr verbreitet, oft zusammen mit Wörtern wie „Fehler“ oder „Steuerzahler“.

Wie sagt man „etwas ausbaden müssen“ auf Englisch?

Im britischen Englisch sagt man „to carry the can“, wenn jemand für die Fehler anderer geradestehen muss. Muss einer die Schuld für einen anderen auf sich nehmen, heißt es „to take the fall for someone“.

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