Hoffen und Harren macht manchen zum Narren
Kurz gesagt
Wer sich nur auf Hoffnung verlässt und abwartet, statt selbst etwas zu tun, wird am Ende oft enttäuscht und steht töricht da.
- Auch gesagt
- Hoffen und Harren hält manchen zum Narren
- Hoffen und Harren macht große Narren
Was bedeutet „Hoffen und Harren macht manchen zum Narren“?
„Hoffen und Harren macht manchen zum Narren“ heißt: Wer nur hofft und wartet, statt selbst etwas zu unternehmen, wird oft enttäuscht und steht am Ende töricht da. „Harren“ ist ein gehobenes, heute seltenes Wort für sehnsüchtiges, geduldiges Warten. Man sagt den Satz zu jemandem, der seit Wochen auf die Reparatur durch den Vermieter, auf eine Beförderung oder auf das Liebesgeständnis eines anderen wartet, ohne selbst nachzuhaken. In der Politik dient er als Spitze gegen eine Regierung, die Probleme aussitzt und auf bessere Zeiten setzt.
Der Ton ist mahnend und leicht spöttisch. Das DWDS stuft das Sprichwort als veraltend ein, im Alltag hört man es eher von Älteren oder als bewusst altmodisches Zitat. Viel Wirkung bezieht es aus dem Reim, der Hoffen und Harren mit dem Narren verbindet. Daneben gibt es die Form „Hoffen und Harren hält manchen zum Narren“, die an „jemanden zum Narren halten“ anklingt: Die Hoffnung selbst foppt den Wartenden. Gegen Hoffnung an sich richtet sich der Satz nicht, nur gegen das untätige Abwarten.
Woher kommt „Hoffen und Harren macht manchen zum Narren“?
Belegt ist das Sprichwort seit der Mitte des 16. Jahrhunderts. Burkard Waldis schreibt 1548 in seiner Fabelsammlung „Esopus“: „Man sagt, das hoffen vnd das harren / macht manchen weisen mann zum narren.“ Mit „Man sagt“ führt er es als bekannte Redensart ein. Bei Hans Sachs heißt es: „hoffen vnd harren das macht manchen grossen Narren.“ Wander (Stichwort ‚Hoffen‘, Nr. 20) nennt außerdem Sammlungen um 1600 und Christoph Lehmann im 17. Jahrhundert, Lessing gebraucht die Form „Hoffen und Harren macht grosse Narren“.
Gelegentlich wird der Satz Ovid zugeschrieben, so 1998 in einem Zeitungsbeleg, den das DWDS anführt. Das trifft nicht zu. Wander stellt lediglich einen ähnlichen lateinischen Vers daneben, „Fallitur augurio spes bona saepe suo“: Die gute Hoffnung täuscht sich oft in ihrer Ahnung. Er steht in Ovids „Heroides“ im Brief der Helena an Paris. Mit dem deutschen Reim teilt er den Gedanken, nicht die Worte.
Beispiele aus dem Alltag
Aylin wartet seit drei Wochen darauf, dass der Vermieter die Heizung reparieren lässt. Ihre Oma ruft an: „Kind, Hoffen und Harren macht manchen zum Narren. Schreib dem Mann einen Brief mit Frist.“
Im Gemeinderat verteidigt der Kämmerer seinen Haushalt mit der Hoffnung auf höhere Steuereinnahmen. Ein Stadtrat kontert: „Hoffen und Harren macht manchen zum Narren.“
Leon schwärmt seit dem Abiball von Mia, traut sich aber nicht, sie anzusprechen. Sein Kumpel stöhnt: „Hoffen und Harren hält manchen zum Narren. Frag sie einfach.“
Häufige Fragen
Was bedeutet „harren“?
„Harren“ heißt sehnsüchtig, geduldig warten. Das Wort ist gehoben und selten geworden, lebt aber in „ausharren“ und „beharren“ fort. Woher es stammt, ist laut DWDS und Duden nicht geklärt.
Woher kommt „Hoffen und Harren macht manchen zum Narren“?
„Hoffen und Harren macht manchen zum Narren“ ist seit dem 16. Jahrhundert belegt. Burkard Waldis zitiert es 1548 in seinem „Esopus“ schon als bekannte Redensart, damals in der Form „macht manchen weisen mann zum narren“.
Stammt „Hoffen und Harren macht manchen zum Narren“ von Ovid?
Nein, der deutsche Reim ist ein Volkssprichwort. In Ovids „Heroides“ steht nur ein ähnlicher Gedanke, „Fallitur augurio spes bona saepe suo“, die gute Hoffnung täuscht sich oft. Wander stellt den Vers als Parallele daneben.
Heißt es „macht“ oder „hält manchen zum Narren“?
Beides ist im Umlauf, das DWDS führt beide Fassungen. „Macht manchen zum Narren“ ist schon im 16. Jahrhundert belegt, „hält manchen zum Narren“ spielt auf „jemanden zum Narren halten“ an, also foppen.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
Der Weg …