Wie die Faust aufs Auge passen
Kurz gesagt
Ursprünglich: überhaupt nicht zusammenpassen. Heute oft auch das Gegenteil: ganz genau passen, wie gemacht füreinander.
- Auf Englisch
- like chalk and cheese
- to fit like a glove
- Auch gesagt
- Passen wie die Faust aufs Auge
- Wie die Faust aufs Auge zusammenpassen
Was bedeutet „Wie die Faust aufs Auge passen“?
„Wie die Faust aufs Auge passen“ hat zwei entgegengesetzte Bedeutungen, die Duden und DWDS beide verzeichnen: überhaupt nicht zusammenpassen und ganz genau passen. Im ersten Sinn passt ein Glaskasten zwischen Fachwerkhäuser oder eine lachsfarbene Bluse zum knallroten Schal wie die Faust aufs Auge. Im zweiten Sinn passt ein kopfballstarker Stürmer zur Spielweise seines neuen Vereins oder ein Paar, das dieselben Hobbys teilt. Beide Lesarten sind umgangssprachlich.
Welche gemeint ist, verraten nur Zusammenhang und Tonfall. Manchmal liegt die Wendung genau dazwischen: Wenn am Tag des Sommerfests der erste Regen seit Wochen fällt, „passt das wie die Faust aufs Auge“. Das heißt dann, es passt perfekt, nur leider im schlechten Sinn, ähnlich wie „das hat gerade noch gefehlt“. Wer sicher verstanden werden will, setzt ein deutliches Wort dazu („passt überhaupt nicht“, „passt perfekt“) oder wählt eine andere Wendung. Derber sagt man für die genaue Passung auch „passen wie Arsch auf Eimer“.
Woher kommt „Wie die Faust aufs Auge passen“?
Das Bild ist drastisch: Eine Faust auf dem Auge ist ein Schlag, nichts, was zusammengehört. Lange hieß es „sich reimen wie die Faust aufs Auge“, also schlecht oder gar nicht. Sebastian Franck schreibt im 16. Jahrhundert in seiner „Chronica“, „ir kirch“ sehe der ganzen Bibel so ähnlich „als ein faust einem aug“. Christian Weise lässt 1672 Liebesgespräche sich „so vortreflich zu der sache“ reimen „wie eine faust auf ein auge“. Das Grimmsche Wörterbuch erklärt die Wendung entsprechend mit „schlecht, wenig“, und noch Wander verzeichnet 1867 „Wie die Faust aufs Auge passen“ mit der Erklärung „Sehr schlecht. Von allem Unpassenden, Unschicklichen“.
Schon Weise benutzt sie ironisch: „vortrefflich“ heißt bei ihm das Gegenteil. Aus solchem ironischen Gebrauch hat sich nach Duden „Redewendungen“ die positive Bedeutung entwickelt. Wie jung sie ist, zeigt das Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache, das in den 1960er Jahren nur „passt überhaupt nicht“ verzeichnet. Das DWDS führt heute beide Bedeutungen und nennt „sehr gut, perfekt passen“ an erster Stelle.
Beispiele aus dem Alltag
Zwischen die alten Fachwerkhäuser am Markt soll ein Bürowürfel aus Glas. Frau Hoffmann schüttelt den Kopf: „Der passt da hin wie die Faust aufs Auge.“
Mehmet liebt Bouldern, seine neue Freundin auch, und beide hassen Frühaufstehen. „Die zwei passen wie die Faust aufs Auge“, sagt Greta.
Ausgerechnet am Tag des Gartenfests regnet es zum ersten Mal seit Wochen. Oma Ilse seufzt: „Das passt ja wie die Faust aufs Auge.“
Häufige Fragen
Heißt „wie die Faust aufs Auge“ passend oder unpassend?
„Wie die Faust aufs Auge passen“ kann beides heißen. Ursprünglich bedeutete es „passt überhaupt nicht“, heute wird es auch oft für „passt genau“ gebraucht; Duden und DWDS verzeichnen beide Bedeutungen.
Warum hat „wie die Faust aufs Auge passen“ zwei Bedeutungen?
Die positive Bedeutung entstand aus ironischem Gebrauch. Wer sagte, etwas reime sich „vortrefflich wie die Faust aufs Auge“, meinte das Gegenteil; mit der Zeit wurde die ironische Lesart wörtlich genommen.
Wie sagt man „wie die Faust aufs Auge passen“ auf Englisch?
Für die negative Bedeutung passt „like chalk and cheese“, für die positive „to fit like a glove“. Ein englisches Bild mit beiden Lesarten gibt es nicht.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
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