Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen
Kurz gesagt
Wer arbeiten könnte, sich aber davor drückt, soll nicht auf Kosten anderer leben.
- Ursprung
- Aus der Bibel
- Auf Englisch
- He who does not work, neither shall he eat
- If any would not work, neither should he eat
- Auch gesagt
- Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen
- Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen
- Gegenteil
- Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf
Was bedeutet „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“?
„Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ heißt: Wer sich vor der Arbeit drückt, hat keinen Anspruch darauf, von anderen versorgt zu werden. Im Alltag fällt der Satz oft scherzhaft, etwa wenn ein Familienmitglied beim Kochen und Abwaschen verschwindet und erst zum Essen wieder auftaucht, oder in der WG, wenn jemand nie einkauft, aber immer mitisst. Ernst gemeint taucht er in politischen Debatten über Sozialleistungen auf und ist dort sehr umstritten.
Das Sprichwort verkürzt seine Vorlage. In der Bibel heißt es „Wer nicht arbeiten will“, gemeint sind also Menschen, die arbeiten könnten und es verweigern, nicht Kranke, Alte, Kinder oder Menschen ohne Stelle. Wander kommentierte schon im 19. Jahrhundert trocken, der Satz sei nicht wörtlich zu verstehen, sonst wäre es um das Leben von tausend reichen Müßiggängern geschehen. Weil er im 20. Jahrhundert auch als Parole des Sowjetstaats diente, klingt er für viele hart und abwertend, sobald er nicht als Scherz gemeint ist.
Woher kommt „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“?
Der Satz stammt aus dem Neuen Testament. Im zweiten Brief an die Thessalonicher, der Paulus zugeschrieben wird, heißt es: „Denn schon als wir bei euch waren, geboten wir euch: Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen“ (2. Thessalonicher 3,10, Lutherbibel 2017). Gemeint sind Gemeindemitglieder, die „arbeiten nichts, sondern treiben unnütze Dinge“, wie der folgende Vers sagt.
Als deutsches Sprichwort ist die verkürzte Form früh verbreitet, Wander nennt Belege seit dem 16. Jahrhundert. Später wurde sie politisch. Lenin nannte „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ 1917 in „Staat und Revolution“ einen sozialistischen Grundsatz, und die Verfassung Sowjetrusslands von 1918 nahm ihn auf. Schon 1609 soll John Smith in der englischen Kolonie Jamestown die Siedler mit diesem Satz zur Arbeit angehalten haben.
Quellen
- Lutherbibel 2017: 2. Thessalonicher 3,10
- Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Arbeiten‘
- Wikipedia (englisch): He who does not work, neither shall he eat
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Nach dem Sonntagsessen verschwindet Tim jedes Mal vor dem Abwasch. Heute bekommt er den Nachtisch erst, als er das Geschirrtuch in der Hand hat: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“, sagt seine Schwester grinsend.
Beim Sommerfest haben fünf Leute aufgebaut, zwanzig kommen nur zum Grillen. „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“, ruft der Kassenwart lachend und drückt einem Nachzügler die Grillzange in die Hand.
In der Talkshow fällt der Satz „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“. Eine Sozialarbeiterin widerspricht sofort: „In der Bibel steht ‚wer nicht arbeiten will‘. Das ist ein großer Unterschied.“
Häufige Fragen
Steht „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ in der Bibel?
Fast wörtlich. In 2. Thessalonicher 3,10 heißt es „Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen“. Das Sprichwort lässt das „will“ weg und verschiebt damit den Sinn.
Ist „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ von Lenin?
Nein. Lenin hat den Satz 1917 in „Staat und Revolution“ als sozialistischen Grundsatz verwendet, die Quelle ist aber die Bibel. Durch die Sowjetverfassung von 1918 wurde er zur politischen Parole.
Wie sagt man das auf Englisch?
Üblich ist „He who does not work, neither shall he eat“. Die King-James-Bibel formuliert „if any would not work, neither should he eat“.
Kurzer Test
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