Spießruten laufen
Kurz gesagt
An vielen Menschen vorbeimüssen, die einen kritisch, spöttisch oder feindselig mustern, oder von mehreren Seiten Vorwürfe ertragen müssen.
- Auf Englisch
- To run the gauntlet
- Auch gesagt
- Spitzruten laufen
- Gassen laufen
Was bedeutet „Spießruten laufen“?
„Spießruten laufen“ heißt: an vielen Menschen vorbeimüssen, die einen kritisch, spöttisch oder feindselig mustern, oder nacheinander Vorwürfe und Anfeindungen über sich ergehen lassen. Man sagt es von einem Politiker, der nach einem Skandal durch die Reihen der Reporter zum Sitzungssaal geht, von einer Schülerin, über die die halbe Schule tuschelt, oder von jemandem, der nach einem peinlichen Auftritt am nächsten Morgen ins Büro muss. Oft gehört eine echte Bewegung dazu: ein Gang über den Flur, durchs Dorf oder an einer Menge vorbei.
Der Ausdruck ist bildhaft, aber nicht derb; er passt in die Zeitung ebenso wie ins Gespräch. Er sagt nichts darüber, ob die Kritik berechtigt ist, nur dass sie von vielen Seiten zugleich kommt. Für eine einzige unangenehme Begegnung ist er zu groß, die Wendung lebt von der Reihe der Beobachter. Häufig steht auch das Substantiv: „ein Spießrutenlauf“. Dass hinter dem Bild eine oft tödliche Körperstrafe steckt, ist vielen nicht mehr bewusst.
Woher kommt „Spießruten laufen“?
Die Wendung geht auf eine Militärstrafe zurück. Der Verurteilte musste mit entblößtem Rücken langsam durch eine Gasse aus Soldaten gehen, die mit Ruten auf ihn einschlugen. Eine Spießrute war nach dem DWDS eine spitze, lange, biegsame Gerte; das Wort ist seit dem 16. Jahrhundert belegt und bezeichnete auch die Reitgerte. Grimms Wörterbuch findet die Strafe zuerst im schwedischen Heer des Dreißigjährigen Kriegs (Olmütz 1642–1650), die Wendung „Spießruten laufen“ verzeichnet Eggers’ Kriegslexikon von 1757. Vorbild war nach Grimm eine ältere Todesstrafe, bei der man den Verurteilten durch die Spieße jagte, wie sie von den Landsknechten überliefert ist.
Ein mehrfacher Lauf durch Hunderte Männer konnte tödlich enden. In Preußen wurde die Strafe 1806 abgeschafft, in Österreich und Russland erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Übertragen gebraucht wurde die Wendung schon im 18. Jahrhundert, zunächst für „von anderen durchgehechelt werden“. Der heutige Sinn, neugierigen oder spöttischen Blicken ausgesetzt zu sein, ist nach dem DWDS seit dem 19. Jahrhundert belegt; Berthold Auerbach schreibt davon, „durch das ganze dorf spieszruten zu laufen“.
Beispiele aus dem Alltag
Nach dem verschossenen Elfmeter im Schulturnier musste Jonas am Montag auf dem Flur Spießruten laufen. Überall wurde getuschelt.
Vor der Ausschusssitzung muss die Ministerin Spießruten laufen: rechts die Kameras, links die Demonstranten mit ihren Plakaten.
Aylins Mail mit dem Lästerkommentar ging aus Versehen an den ganzen Verteiler. „Morgen werde ich im Büro Spießruten laufen“, schreibt sie in den Gruppenchat.
Häufige Fragen
Woher kommt „Spießruten laufen“?
„Spießruten laufen“ war eine Militärstrafe: Der Verurteilte ging mit nacktem Rücken durch eine Gasse von Soldaten, die ihn mit Ruten schlugen. Grimms Wörterbuch belegt sie zuerst im schwedischen Heer während des Dreißigjährigen Kriegs, in Preußen wurde sie 1806 abgeschafft.
Was ist eine Spießrute?
Eine Spießrute ist eine lange, spitze und biegsame Gerte, wie sie auch als Reitgerte diente. Mit dem Spieß als Waffe hat das Wort nur entfernt zu tun: „Spieß“ bezeichnete hier nach dem DWDS einen spitzen Holzstab.
Wie sagt man „Spießruten laufen“ auf Englisch?
Die genaue Entsprechung zu „Spießruten laufen“ ist „to run the gauntlet“. Das „gauntlet“ ist dabei kein Handschuh, sondern geht auf das ältere „gantlope“ zurück, das aus schwedisch „gatlopp“ (Gassenlauf) entlehnt ist.
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