Jung gefreit hat nie gereut
Kurz gesagt
Wer jung heiratet, wird es nicht bereuen; der Spruch ermuntert dazu, früh eine Ehe einzugehen, und wird heute meist augenzwinkernd gebraucht.
- Auch gesagt
- Jung gefreit hat niemand gereut
- Jung gefreit, nie gereut
Was bedeutet „Jung gefreit hat nie gereut“?
„Jung gefreit hat nie gereut“ heißt: Wer jung heiratet, wird es nicht bereuen. „Freien“ ist ein altes Wort für heiraten oder um jemanden werben, „gereut“ kommt von „reuen“ wie in „es reut mich“. Man hört den Spruch, wenn ein junges Paar seine Verlobung verkündet und die Großeltern ihm Mut machen, in Hochzeitsreden und auf Glückwunschkarten, oder bei der goldenen Hochzeit von Leuten, die mit zwanzig geheiratet haben.
Der Ton ist gemütlich und meist halb scherzhaft, die altertümlichen Wörter geben dem Satz etwas Großelternhaftes. Als ernste Lebensregel nimmt ihn heute kaum jemand, eher als freundliche Ermunterung gegen Bedenkenträger, die meinen, man solle doch erst Ausbildung, Reisen und Karriere hinter sich bringen. Ironisch klingt er, wenn eine früh geschlossene Ehe gerade gescheitert ist. Dass die Sache umstritten ist, wussten schon die Sammler: Wander setzt die Gegenrede „Jung gefreit hat gar oft gereut“ direkt daneben.
Woher kommt „Jung gefreit hat nie gereut“?
Wander verzeichnet 1867 unter dem Stichwort ‚Freien‘ „Jung gefreit hat nie(mand) gereut“ nach Simrock (1846) und weiteren Sammlungen, dazu Mundartformen wie göttingisch „Jung efriet het niemals gerüet“ und waldeckisch „Jung gefrigget hät neemesen gerügget“. Er nennt den Satz einen „Wahlspruch junger Heirathslustiger“: Er rate, in der Jugend zu heiraten und den Partner aus dem Kreis der Bekannten zu wählen. Unter ‚Jung‘ führt Wander eine erweiterte Fassung an: „Jung zum Dienst und jung gefreit hat niemand gereut.“ Wer den Spruch geprägt hat, ist nicht bekannt.
„Freien“ stammt aus dem Nieder- und Mitteldeutschen. Nach dem etymologischen Wörterbuch von Pfeifer, das das DWDS wiedergibt, gelangte es über Luthers Bibelübersetzung ins Hochdeutsche. Duden und DWDS kennzeichnen das Verb heute als veraltet oder veraltend. Lebendig sind noch der „Freier“ und die Wendung „auf Freiersfüßen gehen“.
Beispiele aus dem Alltag
Lena und Emil sind beide 23 und haben sich gerade verlobt. Opa Heinz hebt beim Sonntagsessen das Glas: „Jung gefreit hat nie gereut. Eure Oma und ich waren zwanzig.“
Auf der goldenen Hochzeit ihrer Großeltern liest Aylin aus dem alten Gästebuch vor. Auf die erste Seite hat ihre Urgroßmutter geschrieben: „Jung gefreit hat nie gereut.“
Als Murat erzählt, dass er mit 24 heiraten will, fragt sein Kollege, ob das nicht etwas früh sei. Murat grinst: „Jung gefreit hat nie gereut, sagt meine Mutter.“
Häufige Fragen
Was bedeutet „freien“?
„Freien“ ist ein altes Wort für heiraten oder um jemanden werben. Der Duden kennzeichnet es als veraltet, erhalten ist es in „Freier“ und „auf Freiersfüßen gehen“. In „Jung gefreit hat nie gereut“ heißt „gefreit“ also „geheiratet“.
Gibt es ein Gegenstück zu „Jung gefreit hat nie gereut“?
Ja. Wander verzeichnet direkt daneben „Jung gefreit hat gar oft gereut“, außerdem „Schnell gefreit hat oft gereut“ und „Heute gefreit, morgen gereut“. Die Sprichwörter widersprechen sich, je nachdem, ob jemand ermutigen oder warnen will.
Woher kommt „Jung gefreit hat nie gereut“?
Wer den Spruch geprägt hat, ist nicht bekannt. Belegt ist er in Sprichwortsammlungen des 19. Jahrhunderts, etwa bei Simrock (1846) und Wander (1867), dort auch in plattdeutschen Fassungen aus Göttingen und Waldeck.
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