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Jemandem nicht das Wasser reichen können

Kurz gesagt

Jemandem an Können, Leistung oder Qualität weit unterlegen sein.

Auf Englisch
can’t hold a candle to someone
not to be in the same league as someone
Auch gesagt
Jemandem das Wasser reichen können

Was bedeutet „Jemandem nicht das Wasser reichen können“?

Wer jemandem nicht das Wasser reichen kann, kommt an dessen Fähigkeiten nicht annähernd heran. Die Wendung vergleicht fast immer: Der Ersatztorwart kann der Nummer eins nicht das Wasser reichen, das Remake nicht dem Original, der Automatenkaffee nicht dem Espresso aus der Bar um die Ecke. Sie ist umgangssprachlich bis neutral und steht auch in Zeitungsberichten und Rezensionen. Meist wird sie verneint gebraucht; die bejahte Form „Sie kann ihm durchaus das Wasser reichen“ gibt es ebenfalls und bescheinigt Ebenbürtigkeit.

Über Menschen gesagt, ist sie ein deutliches Urteil und kann kränken, besonders wenn der Vergleich vor anderen fällt. Über Dinge klingt sie sachlicher. Auf knappe Unterschiede passt sie nicht: Sie behauptet ein Gefälle, das so groß ist, dass der Schwächere dem Stärkeren nicht einmal einen Handlangerdienst leisten dürfte. Wer sie über sich selbst sagt („Da kann ich ihr nicht das Wasser reichen“), drückt neidlose Bewunderung aus.

Woher kommt „Jemandem nicht das Wasser reichen können“?

Die Wendung erinnert an die Tischsitten früherer Jahrhunderte. Weil man mit den Fingern aß, reichte man vor dem Essen Wasser und ein Becken zum Händewaschen herum. Das übernahmen Bedienstete oder Jüngere. Wer jemandem nicht einmal das Wasser reichen durfte, stand nach dieser Deutung so weit unter ihm, dass er selbst für diesen Handgriff nicht in Frage kam. So erklären es der Duden und Wiktionary.

Wander verzeichnet „Einem nicht das (kalte) Wasser reichen“ und stellt klar, dass es nicht um einen verweigerten Trunk geht, sondern um den großen Abstand an Geschick und Kenntnis. Er gibt auch eine Erklärung von Eiselein wieder: Jüngere Brüder hoher Familien hätten dem Erstgeborenen das Waschwasser reichen müssen, so wie Erzherzog Ferdinand seinem Bruder Karl V. in Innsbruck das Becken vorgehalten habe. Goethe lässt in „Faust I“ (1808) Valentin fragen, ob es im Land eine gebe, „Die meiner Schwester das Wasser reicht“.

Quellen

Stand:

Beispiele aus dem Alltag

  • Nach dem Probetraining ist allen klar, dass der Neue Kapitän Yusuf nicht das Wasser reichen kann. „Da liegen Welten dazwischen“, sagt der Co-Trainer.

  • „Die Pizza hier ist okay, aber sie kann der von Luigi nicht das Wasser reichen“, schreibt Hannah in die Familiengruppe.

  • Opa Heinz schaut seiner Enkelin beim Schach gegen den Computer zu. „In deinem Alter hätte ich dir nicht das Wasser reichen können“, sagt er anerkennend.

Häufige Fragen

Kann man auch „jemandem das Wasser reichen können“ sagen?

Die bejahte Form gibt es: „Sie kann ihm durchaus das Wasser reichen“ heißt, dass sie ihm ebenbürtig ist. Bekannter ist aber die verneinte Form.

Warum ausgerechnet Wasser?

Weil man früher mit den Fingern aß und sich vor dem Essen die Hände wusch. Das Wasser dafür reichten Bedienstete, und wer nicht einmal das durfte, galt als weit unterlegen.

Wie sagt man „jemandem nicht das Wasser reichen können“ auf Englisch?

Die gängige Entsprechung ist „can’t hold a candle to someone“. Auch dahinter steht ein Dienst: Wer nicht einmal die Kerze halten darf, ist dem anderen weit unterlegen.

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