Jemandem den Rang ablaufen
Kurz gesagt
Jemanden überflügeln: ihn in einem Wettbewerb übertreffen und von seinem Platz an der Spitze verdrängen.
- Auf Englisch
- To steal a march on someone
- To outstrip someone
- Auch gesagt
- Jemandem den Rank ablaufen (veraltet)
- Gegenteil
- Den Kürzeren ziehen
Was bedeutet „Jemandem den Rang ablaufen“?
Wer einem anderen den Rang abläuft, überholt ihn und verdrängt ihn von seinem Platz an der Spitze, oft ohne dass der andere es rechtzeitig merkt. Gemeint sind Konkurrenzlagen aller Art: Ein neues Produkt läuft dem Marktführer den Rang ab, eine junge Kollegin dem altgedienten Vertriebsleiter, das Smartphone der Digitalkamera. Die Wendung ist allgemeinsprachlich, weder derb noch besonders gehoben, und passt in den Zeitungsbericht genauso wie ins Gespräch.
Sie beschreibt einen Vorgang, keinen Zustand: Jemand hatte eine führende Stellung und verliert sie an einen anderen. Darin liegt oft ein Hauch von Überraschung oder Kränkung, denn wer überholt wird, hatte sich meist sicher gefühlt. Mit Rang im Sinn von Dienstgrad oder gesellschaftlicher Stellung hat die Wendung ursprünglich nichts zu tun, auch wenn sie sich heute so anhört. Das Bild dahinter ist sportlich: Zwei laufen um die Wette, und plötzlich liegt der andere vorn.
Woher kommt „Jemandem den Rang ablaufen“?
Das „Rang“ in dieser Wendung ist ein umgedeutetes älteres Wort. Pfeifers Etymologisches Wörterbuch erklärt, dass man vom 16. bis zum 18. Jahrhundert „jemandem den Rank ablaufen“ sagte. Rank, mittelhochdeutsch ranc, „schnelle drehende Bewegung“, bedeutete im Oberdeutschen auch Wegkrümmung oder Kurve, in der Schweiz bis heute. Wer einem anderen den Rank ablief, schnitt beim Wettlauf die Kurve ab: Er lief geradeaus, während der andere den Bogen nahm, und kam so zuerst ans Ziel. Der Duden beschreibt es genauso, ursprünglich heiße die Wendung „beim Laufen eine Kurve auf geradem Wege abschneiden“.
Als die alte Bedeutung verblasste, verstanden die Sprecher das Wort als „Rang“, ein Lehnwort aus dem Französischen, das im 17. Jahrhundert ins Deutsche gekommen war. Nach dem Wahrig-Herkunftswörterbuch wurde die alte Bedeutung bereits im 18. Jahrhundert nicht mehr verstanden. Verwandt mit Rank sind die „Ränke“, die man schmiedet: Auch sie meinen ursprünglich Drehungen und Kniffe.
Beispiele aus dem Alltag
Jahrelang war die Bäckerei Krüger die erste Adresse im Viertel. „Seit der Laden mit dem Sauerteigbrot aufgemacht hat, läuft er uns den Rang ab“, klagt der Chef.
Im Tennisverein galt Moritz als bester Spieler. Dann trat seine zwölfjährige Cousine ein und lief ihm innerhalb einer Saison den Rang ab.
„Früher hat jeder eine Kompaktkamera mit in den Urlaub genommen“, sagt der Fotohändler. „Dann hat ihr das Handy den Rang abgelaufen.“
Häufige Fragen
Hat „den Rang ablaufen“ etwas mit dem Dienstrang zu tun?
Nein. Ursprünglich hieß es „den Rank ablaufen“, und ein Rank war eine Wegbiegung. Erst als dieses Wort unverständlich wurde, glichen die Sprecher es an das französische Lehnwort „Rang“ an.
Was hat „den Rang ablaufen“ mit „Ränke schmieden“ zu tun?
„Ränke“ ist die Mehrzahl des alten Wortes „Rank“, das Drehung, Wendung und auch List bedeutete. Mit dem Rank in „den Rang ablaufen“, der Wegkrümmung, ist es also verwandt, mit dem heutigen „Rang“ nicht.
Ist „jemandem den Rang ablaufen“ positiv oder negativ?
Die Wendung selbst ist neutral und beschreibt nur, dass einer den anderen überholt. Aus der Sicht dessen, der überholt wird, klingt sie aber oft wie eine Klage.
Wie sagt man „jemandem den Rang ablaufen“ auf Englisch?
„To steal a march on someone“ trifft es, wenn man jemandem durch schnelleres Handeln zuvorkommt. Allgemeiner sagt man „to outstrip someone“.
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