Zum Inhalt springen

Reisende soll man nicht aufhalten

Kurz gesagt

Wer gehen will, etwa aus einem Verein, einer Firma oder einer Beziehung, den soll man nicht zurückhalten, sondern ziehen lassen.

Auch gesagt
Reisende muss man nicht aufhalten

Was bedeutet „Reisende soll man nicht aufhalten“?

„Reisende soll man nicht aufhalten“ heißt: Wer gehen will, den soll man ziehen lassen. Man sagt es, wenn jemand einen Verein, eine Firma, eine Partei oder eine Beziehung verlassen möchte und man gar nicht erst versucht, ihn umzustimmen. Das DWDS umschreibt es so: Wenn jemand einen Ort oder eine Organisation verlassen möchte, sollte man ihn nicht daran hindern. Typisch ist der Trainer, dessen Spieler mit einem Wechsel liebäugelt, oder die Chefin, die eine Kündigung gelassen zur Kenntnis nimmt.

Der Ton reicht von gelassen bis spitz. Oft schwingt mit: Wenn er unbedingt will, bitte, er wird schon sehen, was er davon hat. Gesagt wird der Satz meist über Dritte, seltener zu dem, der geht, denn ins Gesicht gesagt klingt er schnell so, als sei man froh, ihn loszuwerden. In der Politik fällt er seit Jahrzehnten, wenn Abgeordnete oder Koalitionspartner mit dem Abschied drohen. Mit Reisen im wörtlichen Sinn hat die heutige Verwendung nichts mehr zu tun.

Woher kommt „Reisende soll man nicht aufhalten“?

Wander verzeichnet im dritten Band seines „Deutschen Sprichwörter-Lexikons“ (1873) unter „Reisender“ die Form „Reisende muss man nicht aufhalten“, ohne Quelle und ohne Erklärung, und stellt ihr ein spanisches Sprichwort aus dem „Don Quijote“ zur Seite. In der heutigen Form mit „soll“ steht der Satz 1907 in Johannes Richard zur Megedes Roman „Modeste“: Ein Baron sagt ihn zu seinem Gast, der schon nach der Uhr sieht. Wer die Redensart zuerst gebraucht hat, ist nicht bekannt.

Berühmt wurde der Satz durch Bundeskanzler Helmut Schmidt. Im „Bericht zur Lage der Nation“ am 9. September 1982, als sich die FDP auf den Ausstieg aus der sozialliberalen Koalition vorbereitete, sagte er im Bundestag: „Und der Bundeskanzler weiß, daß man reisende Leute nicht aufhalten soll.“ Schon am nächsten Tag rief ein CDU-Abgeordneter einem FDP-Redner zu: „Reisende soll man nicht aufhalten, sagt Schmidt!“ Am 1. Oktober 1982 wurde Schmidt durch ein konstruktives Misstrauensvotum von CDU/CSU und FDP abgelöst.

Beispiele aus dem Alltag

  • Der Kapitän will zum Lokalrivalen wechseln, obwohl sein Vertrag noch ein Jahr läuft. Trainer Kowalski zuckt mit den Schultern: „Reisende soll man nicht aufhalten.“

  • Nach einem Streit verlassen drei Mitglieder die Chatgruppe des Kleingartenvereins. Die Vorsitzende Frau Albers schreibt: „Reisende soll man nicht aufhalten. Das Sommerfest findet trotzdem statt.“

  • Murat erzählt beim Abendessen, dass seine neue Kollegin nach zwei Monaten schon wieder kündigt. Seine Frau meint: „Wenn es ihr bei euch nicht gefällt: Reisende soll man nicht aufhalten.“

Häufige Fragen

Woher kommt „Reisende soll man nicht aufhalten“?

„Reisende soll man nicht aufhalten“ ist seit dem 19. Jahrhundert belegt: Wander verzeichnet 1873 die Form „Reisende muss man nicht aufhalten“. Mit „soll“ erscheint der Satz 1907 im Roman „Modeste“ von Johannes Richard zur Megede, ein Urheber ist nicht bekannt.

Hat Helmut Schmidt „Reisende soll man nicht aufhalten“ erfunden?

Nein, aber er hat den Satz bekannt gemacht. Laut Bundestagsprotokoll sagte Schmidt am 9. September 1982 mit Blick auf die FDP: „Und der Bundeskanzler weiß, daß man reisende Leute nicht aufhalten soll.“ Das gelegentlich genannte Datum 17. September 1982 stimmt nicht.

Ist „Reisende soll man nicht aufhalten“ unfreundlich?

Das hängt vom Ton ab. Über Dritte gesagt, klingt „Reisende soll man nicht aufhalten“ meist gelassen oder leicht spöttisch, direkt zu dem gesagt, der geht, kann es wirken, als sei man froh, ihn loszuwerden.

Kurzer Test

Ganzes Quiz

Wie geht das Sprichwort weiter?

Angriff ist …

Ähnliche Sprichwörter

Alle zu Streit und Konflikt
↑↓auswählen↵öffnen