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Regnet’s am Michaelistag, folgt milder Winter nach

Kurz gesagt

Regnet es am 29. September, dem Michaelistag, soll der folgende Winter mild ausfallen.

Auch gesagt
Regen an Michaelstag, einen milden Winter bringen mag
Regnet’s sanft am Michaelstag, sanft auch der Winter werden mag
Wenn Michael durch Pfützen geht, ein milder Winter vor uns steht
Regnet’s an Michaelis ohne Gewitter, folgt meist ein milder Winter

Was bedeutet „Regnet’s am Michaelistag, folgt milder Winter nach“?

Die Bauernregel verbindet den Regen am Michaelistag mit dem kommenden Winter: Ist der 29. September nass, bleibt der Winter mild. Michaeli, das Fest des Erzengels Michael, war im Bauernjahr ein wichtiger Termin. Die Ernte war weitgehend eingebracht, Pacht und Zins wurden angemahnt, und das Wintergetreide sollte in den Boden. Entsprechend viele Wetterregeln ranken sich um den Tag. Man zitiert die Regel heute gern, wenn Ende September ein verregneter Tag die Laune drückt: Wenigstens der Winter soll dann freundlich werden.

Genau hier liegt das Problem. Neben dieser Regel steht „Bringt St. Michael Regen, kannst du gleich den Pelz anlegen“, die aus demselben Regen einen kalten Winter liest. Auch für Sonnenschein am Michaelistag gibt es gegensätzliche Fassungen. Der Deutsche Wetterdienst weist 2021 darauf hin, dass sich die Michaeli-Regeln widersprechen und eine Vorhersage aus ihnen deshalb kaum möglich ist. Eine statistische Prüfung der Regel ist nicht bekannt, und meteorologisch spricht wenig dafür, dass ein einzelner Regentag Ende September den Winter bestimmt. Ist die Regel älter als die Kalenderreform von 1582, meinte sie nach heutigem Kalender etwa den 9. Oktober.

Woher kommt „Regnet’s am Michaelistag, folgt milder Winter nach“?

Der Michaelistag am 29. September ist das Fest des Erzengels Michael, heute zusammen mit den Erzengeln Gabriel und Raphael. Er war ein alter Termin für Zinsen und Pacht: „Michael mahnt und Martin zahlt“, heißt es bei Wander. Zu Michaeli wurde an die Zahlung erinnert, spätestens zu Martini am 11. November musste sie geleistet sein.

Wander verzeichnet in seinem „Deutschen Sprichwörter-Lexikon“ (1867–1880) unter dem Stichwort „Michael“ über vierzig Sprichwörter und Wetterregeln. Den Regen am Michaelistag deutet er nach einer älteren Sammlung so, dass er ohne Gewitter auf einen milden Winter hinweise, mit Gewitter aber auf viel Wind. Die gereimte Form „Regnet’s am Michaelistag, folgt milder Winter nach“ ist in heutigen Sammlungen verbreitet, ebenso Fassungen wie „Regnet’s sanft am Michaelstag, sanft auch der Winter werden mag“. Wann sie entstanden sind, ist nicht belegt.

Beispiele aus dem Alltag

  • Am 29. September regnet es in Bielefeld ohne Pause. Hausmeister Kurt zuckt mit den Schultern: „Regnet’s am Michaelistag, folgt milder Winter nach. Dann brauch ich wenigstens weniger Streusalz.“

  • In der Kantine diskutiert das Team über Heizkosten. „Regnet’s am Michaelistag, folgt milder Winter nach“, sagt Petra. Kollege Anil grinst: „Und welche Regel gilt, wenn die Sonne scheint?“

  • Pfarrer Albrecht schaut nach dem Gottesdienst zum Michaelisfest in den Regen: „Regnet’s am Michaelistag, folgt milder Winter nach. Dann hat das Wetter heute ja etwas Gutes.“

Häufige Fragen

Stimmt die Bauernregel „Regnet’s am Michaelistag, folgt milder Winter nach“?

Belegt ist sie nicht. Andere Michaeli-Regeln lesen aus Regen am 29. September sogar einen kalten Winter, und der Deutsche Wetterdienst hält eine Vorhersage aus diesen widersprüchlichen Regeln für kaum möglich.

Wann ist Michaeli?

Michaeli, auch Michaelistag, ist am 29. September. An diesem Tag feiert die Kirche den Erzengel Michael.

Was bedeutet „Michael mahnt, Martin zahlt“?

Der Spruch stammt aus dem bäuerlichen Pachtwesen: Zu Michaeli am 29. September wurde an fällige Zinsen erinnert, spätestens zu Martini am 11. November musste gezahlt werden.

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