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Jeder Tag hat seine eigene Plage

Kurz gesagt

Man soll sich nicht heute schon um die Sorgen von morgen kümmern, denn jeder Tag bringt genug eigene Mühe mit sich.

Auf Englisch
Sufficient unto the day is the evil thereof
Auch gesagt
Jeder Tag hat seine Plage

Was bedeutet „Jeder Tag hat seine eigene Plage“?

„Jeder Tag hat seine eigene Plage“ heißt: Jeder Tag bringt genug eigene Mühe und Sorgen mit sich, man muss sich nicht auch noch die von morgen aufladen. Der Satz rät, die Dinge eins nach dem anderen anzugehen. Man sagt ihn, wenn jemand nachts wach liegt, weil er an die Prüfung in drei Wochen denkt, wenn Eltern schon über die Berufswahl ihres Kindergartenkinds grübeln oder wenn im Büro die Aufgabenliste ins Unendliche wächst. Der Ton ist tröstend und ein wenig seufzend.

Oft dient der Satz auch nur als Stoßseufzer, ohne den Rat dahinter: Er heißt dann bloß, dass es heute eben wieder anstrengend war. „Plage“ meint hier nicht Ungeziefer oder die biblischen Plagen Ägyptens, sondern Last und Mühsal. Ein Aufruf, jede Planung aufzugeben, ist der Satz nicht. Gemeint ist das Grübeln über Dinge, die man heute ohnehin nicht ändern kann.

Woher kommt „Jeder Tag hat seine eigene Plage“?

Der Satz stammt aus der Bergpredigt. Am Ende eines Abschnitts über die Sorge, in dem Jesus auf die Vögel unter dem Himmel und die Lilien auf dem Feld verweist, heißt es: „Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat“ (Matthäus 6,34, Lutherbibel 2017). Luther übersetzte 1545 „Es ist gnug / das ein jglicher tag sein eigen Plage habe“ und erklärte „Plage“ am Rand mit „tegliche erbeit“, also tägliche Arbeit.

Das Wort „Plage“ geht auf lateinisch „plaga“ (Schlag) zurück und bezeichnete laut DWDS bis ins 16. Jahrhundert vor allem von Gott gesandte Strafen, danach allgemeiner Last und Mühsal. Als Sprichwort ist der Gedanke früh belegt: Wander nennt Johannes Agricolas Sammlung, die ab 1529 erschien, mit „Ein yglicher tag hat sein eygen vbel“, und führt selbst „Jeder Tag hat sein eigen Uebel (seine Plage)“. Dazu zitiert er Goethe, der in „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ Philine singen lässt: „Jeder Tag hat seine Plage, / Und die Nacht hat ihre Lust.“

Beispiele aus dem Alltag

  • Jonas liegt um zwei Uhr nachts wach und rechnet aus, wie er im Frühjahr Abschlussarbeit, Umzug und Nebenjob schaffen soll. Seine Freundin murmelt: „Jeder Tag hat seine eigene Plage. Schlaf jetzt.“

  • Frau Albers hat einen Elternabend hinter sich, morgen kommt die Schulaufsicht. „Jeder Tag hat seine eigene Plage“, sagt sie und klappt den Laptop zu.

  • Murat schreibt in den Familienchat, dass das Auto schon wieder in der Werkstatt ist. Seine Mutter antwortet: „Jeder Tag hat seine Plage. Komm erst mal zum Essen.“

Häufige Fragen

Wo steht „Jeder Tag hat seine eigene Plage“ in der Bibel?

In der Bergpredigt, Matthäus 6,34. Die Lutherbibel 2017 übersetzt: „Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“

Was bedeutet „Plage“ in „Jeder Tag hat seine eigene Plage“?

„Plage“ heißt hier Last oder Mühsal, nicht Ungeziefer und nicht göttliche Strafe. Luther erklärte das Wort in seiner Bibel von 1545 am Rand schlicht als tägliche Arbeit.

Wie sagt man „Jeder Tag hat seine eigene Plage“ auf Englisch?

Die klassische Form aus der King-James-Bibel lautet „Sufficient unto the day is the evil thereof“. Sie ist im Englischen ebenso sprichwörtlich, klingt aber deutlich altertümlicher.

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