Grüß Gott
Kurz gesagt
Der übliche Gruß in Süddeutschland, Österreich und Südtirol, verkürzt aus „Grüß dich Gott“: ursprünglich der Wunsch, Gott möge den anderen segnen.
- Auch gesagt
- Grüß dich Gott
- Grüß euch Gott
- Grüß Sie Gott
Was bedeutet „Grüß Gott“?
„Grüß Gott!“ ist im Süden des deutschen Sprachraums der gewöhnliche Gruß und heißt dort einfach „Guten Tag“. Man sagt ihn beim Betreten eines Ladens, in der Arztpraxis, auf dem Amt, im Treppenhaus und auf dem Wanderweg, zu jeder Tageszeit und vor allem gegenüber Menschen, die man siezt. Unter Bekannten heißt es eher „Grüß dich“ oder, an mehrere gerichtet, „Grüß euch“, in der Mundart „Griaß di“ und „Griaß eich“. Zum Abschied ist der Gruß selten, dafür gibt es eigene Formeln wie „Servus“.
Der Herkunft nach ist „Grüß Gott“ ein Segenswunsch, im Alltag denkt dabei aber kaum jemand an Religion. Auch Menschen ohne Glauben grüßen so, weil es der ortsübliche Gruß ist, ähnlich wie man „Adieu“ sagt, ohne an Gott zu denken. Wer aus dem Norden zuzieht, wundert sich anfangs oft, dass auch die Kassiererin im Supermarkt und der Busfahrer so grüßen. Die Schweiz hat mit „Grüezi“ eine eigene, eng verwandte Form, die ebenfalls auf „Gott grüße Euch“ zurückgeht.
Woher kommt „Grüß Gott“?
„Grüß Gott“ ist eine Verkürzung von „Grüß dich Gott“ oder „Gott grüße dich“. Das Verb steht in der Wunschform: Gott möge dich grüßen, dir also freundlich begegnen und dich segnen. Das Grimmsche Wörterbuch stellt die Formel neben das lateinische „Dominus tecum“, „der Herr sei mit dir“, und umschreibt sie mit „gott sei dir wohl, helfe dir“. Nach demselben Muster gebaut sind „Behüt dich Gott“ und „Vergelt’s Gott“.
Die Belege reichen ins Mittelalter. Schon im spätmittelalterlichen Versroman „Friedrich von Schwaben“, entstanden nach 1314, heißt es „got grüsze dich“, und ein oberdeutsches Glossar des 15. Jahrhunderts übersetzt das lateinische „avete“ mit „got grüesz üch“. Luther erklärt „Dominus tecum“ mit dem Zusatz „sicut nos dicimus: got grust dich“, so wie wir sagen. Das Grimmsche Wörterbuch spricht 1935 von der „heute in Süddeutschland weit verbreiteten gruszformel“. Nach dem Atlas zur deutschen Alltagssprache ist „Grüß Gott“ der häufigste Gruß südlich der Mittelgebirge und östlich des Rheingrabens sowie in Österreich. Die Vermutung, irische Missionsmönche hätten den Gruß mitgebracht, lehnen die meisten Sprachwissenschaftler ab, weil die schriftlichen Belege erst Jahrhunderte später einsetzen.
Beispiele aus dem Alltag
Frau Albers betritt die Bäckerei in Rosenheim: „Grüß Gott, zwei Brezen und ein Bauernbrot, bitte.“
Murat ist neu in Stuttgart und grüßt im Treppenhaus noch mit „Hallo“. Die Nachbarin lächelt: „Grüß Gott! Sie sind bestimmt der Neue aus dem zweiten Stock.“
Auf dem Weg zur Alm kommt Familie Nowak eine Wandergruppe entgegen. „Grüß Gott!“, ruft der Älteste, und die Kinder rufen es zurück.
Häufige Fragen
Was bedeutet „Grüß Gott“ wörtlich?
„Grüß Gott“ ist verkürzt aus „Grüß dich Gott“ und bedeutet wörtlich: Gott möge dich grüßen. Gemeint ist ein Segenswunsch, ähnlich wie „Gott sei mit dir“; im Alltag heißt der Gruß einfach „Guten Tag“.
Wo sagt man „Grüß Gott“?
„Grüß Gott“ ist der übliche Gruß in Bayern, großen Teilen Baden-Württembergs, in Österreich und in Südtirol. In der deutschsprachigen Schweiz entspricht ihm das verwandte „Grüezi“.
Sagt man „Grüß Gott“ auch zum Abschied?
Nur selten: „Grüß Gott“ ist vor allem ein Begrüßungsgruß, und schon Hermann Fischers „Schwäbisches Wörterbuch“ hält fest, dass die Formel beim Abschied nicht gebraucht wird. Zum Abschied sagt man im Süden eher „Servus“ oder „Pfiati“.
Ist „Grüß Gott“ ein religiöser Gruß?
Der Herkunft nach ja, denn „Grüß Gott“ ist ein alter Segenswunsch. Heute ist er im Süden aber schlicht der ortsübliche Gruß und wird auch von Menschen ohne religiöse Bindung selbstverständlich gebraucht.
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