Etwas geht über die Hutschnur
Kurz gesagt
Etwas geht zu weit, überschreitet das erträgliche Maß und ärgert einen gewaltig.
- Auf Englisch
- That’s going too far
- That’s beyond the pale
- Auch gesagt
- Jemandem über die Hutschnur gehen
- Das geht über die Hutschnur
Was bedeutet „Etwas geht über die Hutschnur“?
„Etwas geht über die Hutschnur“ heißt: Es geht zu weit, es überschreitet das Maß dessen, was man hinnehmen will. Meist steht ein Dativ dabei: „Das geht mir über die Hutschnur.“ Man sagt es über eine Nebenkostenabrechnung, die sich verdoppelt hat, über einen Nachbarn, der zum dritten Mal nachts die Musik aufdreht, oder über eine Frechheit im Elternchat. Die Wendung ist umgangssprachlich und drückt Ärger und Empörung aus, klingt durch das altmodische Bild aber weniger grob als „Jetzt reicht’s“.
Das DWDS verzeichnet daneben eine zweite Nuance: Etwas ist so groß oder umfangreich, dass es jemandem zu viel wird, etwa eine Planung mit Dutzenden Windrädern. Verwandt ist „jemandem platzt die Hutschnur“, also: Jemandem reißt die Geduld. Die Hutschnur steht hier für die Grenze der Geduld, ähnlich wie der Geduldsfaden. Dass kaum noch jemand Hut trägt, stört das Verständnis nicht: Gemeint ist etwas, das einem über den Kopf hinausgeht.
Woher kommt „Etwas geht über die Hutschnur“?
Woher die Wendung stammt, ist umstritten. Grimms Wörterbuch verzeichnet 1877 das sächsische „das geht über die hutschnur“ und das thüringische „bis über die hutschnur in schulden stecken“. Duden und Kluge deuten das Bild als scherzhafte Steigerung von „bis an den Hals“ oder „bis über die Ohren“: Was über die Hutschnur geht, reicht über den ganzen Kopf hinaus. So haben es nach Röhrich schon ältere Erklärer verstanden.
Oft erzählt wird eine andere Erklärung aus dem Wasserrecht. Röhrich zitiert eine Urkunde aus Eger, dem heutigen Cheb in Tschechien, von 1356 über eine gemeinsam genutzte Wasserleitung: Aus den Röhren solle „niht mer noch dicker“ Wasser fließen „danne ein hutsnur“. Die Hutschnur war hier ein Maß für die Dicke des Wasserstrahls, und wer mehr nahm, verstieß gegen den Vertrag.
Bewiesen ist damit wenig. Röhrich nennt den Beleg selbst vereinzelt, und zwischen der Urkunde und den Belegen der Redensart in den Wörterbüchern des 19. Jahrhunderts liegt ein halbes Jahrtausend. Der Duden bezweifelt den Zusammenhang, Kluges Etymologisches Wörterbuch meint, das Wassermaß habe auf die Wendung „kaum einen Einfluß gehabt“.
Beispiele aus dem Alltag
Die Hausverwaltung erhöht die Nebenkosten zum zweiten Mal in einem Jahr. „Das geht mir jetzt wirklich über die Hutschnur“, sagt Frau Albers und schreibt an den Mieterverein.
Der Nachbar lässt seinen Laubbläser am Sonntag um sieben Uhr laufen. Murat schreibt in die Hausgruppe: „Sorry, aber das geht über die Hutschnur.“
Jonas soll neben der Abschlussarbeit noch Präsentation, Protokoll und Website übernehmen. „Das geht mir über die Hutschnur, das schaffe ich nicht“, sagt er im Teammeeting.
Häufige Fragen
Woher kommt „über die Hutschnur gehen“?
Die Herkunft ist umstritten. Die meisten Wörterbücher, darunter Duden und Kluge, sehen in „über die Hutschnur gehen“ eine scherzhafte Steigerung von „bis an den Hals“ oder „bis über die Ohren“: Was über die Hutschnur geht, reicht über den ganzen Kopf.
Stimmt die Geschichte mit der Wasserleitung in Eger?
Belegt ist eine Urkunde aus Eger von 1356, nach der Wasser aus einer gemeinsamen Leitung nicht dicker als eine Hutschnur fließen durfte. Dass „über die Hutschnur gehen“ darauf zurückgeht, ist aber nicht bewiesen: Der Beleg steht allein, und Duden wie Kluge bezweifeln den Zusammenhang.
Was bedeutet „jemandem platzt die Hutschnur“?
„Jemandem platzt die Hutschnur“ heißt, dass jemandem die Geduld reißt und er wütend wird. Die Wendung ist eng verwandt mit „etwas geht über die Hutschnur“; in beiden steht die Hutschnur für die Grenze dessen, was man erträgt.
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