Das Zeitliche segnen
Kurz gesagt
Altmodische, verhüllende Umschreibung für sterben; scherzhaft auch von Geräten und Dingen, die endgültig kaputtgehen.
- Auf Englisch
- To depart this life
- To shuffle off this mortal coil
- To give up the ghost
Was bedeutet „Das Zeitliche segnen“?
„Das Zeitliche segnen“ heißt: sterben. Die Wendung umschreibt den Tod in feierlich altmodischem Ton, der Duden nennt sie veraltet verhüllend, das DWDS verhüllend. Heute schwingt oft ein Augenzwinkern mit. Man liest sie in Lokalzeitungen über den Bauern, der mit 95 Jahren gestorben ist, hört sie in Familiengeschichten über die Urgroßeltern oder augenzwinkernd über sich selbst: „Bevor ich das Zeitliche segne, will ich noch …“. Gegenüber Trauernden ist sie meist fehl am Platz, weil der gehobene Ton leicht ironisch wirkt.
Mindestens so oft geht es um Dinge. Der Duden führt die Wendung scherzhaft für „entzweigehen“ an, mit dem Beispiel „die Tasche hat das Zeitliche gesegnet“, das DWDS für Geräte, die nach langem Gebrauch oder großer Belastung ausgedient haben. So segnen Waschmaschinen, Handys und Fahrradschläuche das Zeitliche, seltener auch Regeln, Bündnisse oder Ideen, die ihre Geltung verlieren. Ein häufiges Missverständnis: „Das Zeitliche“ hat nichts mit Uhrzeit oder Pünktlichkeit zu tun. Gemeint ist das Irdische und Vergängliche im Gegensatz zum Ewigen. Und gesegnet wird nicht der Tote: Der Sterbende ist es, der „segnet“.
Woher kommt „Das Zeitliche segnen“?
„Das Zeitliche“ ist das substantivierte Adjektiv „zeitlich“ in seiner religiösen Bedeutung „vergänglich, irdisch“, die der Duden noch führt. „Segnen“ hatte früher einen Sinn, der heute verschwunden ist: Abschied nehmen. Man segnete jemanden beim Weggehen, wünschte ihm also Gottes Segen, und daraus wurde allgemein „sich verabschieden, verlassen“. Das Grimmsche Wörterbuch zitiert dafür die Lutherbibel, Apostelgeschichte 21,6: „als wir einander gesegneten, tratten wir ins schiff“. Adelung schreibt 1801, „segnen und gesegnen“ sei „ehedem so viel“ gewesen „wie Abschied von etwas nehmen, dasselbe verlassen. Die Welt segnen oder gesegnen, sterben.“
Wer das Zeitliche segnet, nimmt also Abschied von der irdischen Welt. Der Duden erklärt die Wendung ähnlich mit der alten Sitte, dass ein Sterbender für alles, was er zurücklässt, Gottes Segen erbittet. Grimm belegt „diese welt gesegnen“ für sterben schon in den Aufzeichnungen Hans von Schweinichens (1552–1616), „das Zeitliche segnen“ bei Sigmund von Birken (1684) und in Christian Reuters Komödie „Die ehrliche Frau zu Plißine“ (1695). Die Formel nennt Grimm allgemein üblich, daneben findet sich noch bei Schleiermacher „das Zeitliche gesegnen“. Die Abschiedsbedeutung von „segnen“ selbst nennt Adelung im Hochdeutschen schon veraltet. Im heutigen Deutsch lebt sie nur in dieser festen Wendung fort.
Beispiele aus dem Alltag
„Bevor ich das Zeitliche segne, will ich einmal Nordlichter sehen“, sagt Opa Heinz und bucht die Reise nach Tromsø.
Mitten im Videocall wird Murats Bildschirm schwarz. In den Teamchat schreibt er vom Handy: „Mein Laptop hat gerade das Zeitliche gesegnet.“
Im Bürgeramt hat das letzte Faxgerät das Zeitliche gesegnet. „Ersatz bestellen wir nicht“, sagt Herr Yilmaz von der IT und klingt erleichtert.
Häufige Fragen
Woher kommt „das Zeitliche segnen“?
„Das Zeitliche segnen“ hieß ursprünglich: vom Irdischen Abschied nehmen. „Segnen“ bedeutete früher auch „sich verabschieden“, weil man Weggehenden Gottes Segen wünschte, und „das Zeitliche“ ist das Vergängliche im Gegensatz zum Ewigen. Das Grimmsche Wörterbuch belegt die Formel seit dem späten 17. Jahrhundert.
Was bedeutet „das Zeitliche“?
In „das Zeitliche segnen“ meint „das Zeitliche“ alles Irdische und Vergängliche, also das diesseitige Leben im Gegensatz zum Ewigen. Mit der Uhrzeit hat das Wort hier nichts zu tun.
Kann man „das Zeitliche segnen“ auch für Gegenstände sagen?
Ja, Duden und DWDS führen diesen Gebrauch: Ein Handy oder eine Waschmaschine, die endgültig kaputt ist, „hat das Zeitliche gesegnet“. Das klingt scherzhaft und ist im Alltag ganz unverfänglich, anders als die Rede vom Sterben.
Wie sagt man „das Zeitliche segnen“ auf Englisch?
Dem gehobenen Ton von „das Zeitliche segnen“ entspricht „to depart this life“. Scherzhaft literarisch ist „to shuffle off this mortal coil“ aus Shakespeares „Hamlet“, für kaputte Geräte sagt man „to give up the ghost“.
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