Wer Sorgen hat, hat auch Likör
Kurz gesagt
Wer Kummer hat, greift gern zum Alkohol; meist scherzhaft gesagt, wenn jemand seine Sorgen mit einem Gläschen vertreibt.
- Auf Englisch
- To drown one’s sorrows
- Auch gesagt
- Es ist ein Brauch von alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör
Was bedeutet „Wer Sorgen hat, hat auch Likör“?
„Wer Sorgen hat, hat auch Likör“ heißt: Wer Kummer hat, greift gern zur Flasche, um ihn für eine Weile zu vergessen. Der Satz ist meist scherzhaft gemeint. Man sagt ihn, wenn nach einem anstrengenden Tag der Kräuterlikör aus dem Schrank kommt, wenn jemand nach der Steuererklärung einen Eierlikör braucht oder wenn beim Leichenschmaus ein Schnaps die Runde macht. Oft dient er als augenzwinkernde Rechtfertigung für das eigene Gläschen.
Darunter liegt ein ernster Kern, und auch so wird der Satz gebraucht: als Überschrift für Artikel und Veranstaltungen über Alkoholsucht und Depression, die zeigen, wie leicht aus dem Trostschluck eine Gewohnheit wird. Wer ihn zu jemandem sagt, der offensichtlich zu viel trinkt, sollte den Ton bedenken. Häufig wird die Zeile davor mitzitiert: „Es ist ein Brauch von alters her“. Dieser erste Vers dient laut Duden auch ohne jeden Bezug zum Alkohol als Spruch, wenn eine alte Sitte fortgeführt werden soll.
Woher kommt „Wer Sorgen hat, hat auch Likör“?
Die Verse stammen von Wilhelm Busch (1832–1908) aus der Bildergeschichte „Die fromme Helene“, die 1872 erschien. Das vorletzte, sechzehnte Kapitel beginnt mit dem Reimpaar: „Es ist ein Brauch von alters her: / Wer Sorgen hat, hat auch Likör!“ Was folgt, ist bitter. Helene hat eben bereut und will ein frommes Leben führen. Sie beteuert, nie wieder zu trinken, doch die Flasche steht auf dem Tisch, und bei Busch heißt es: „Die Flasche wartet mit Geduld.“ Helene trinkt, die Petroleumlampe fällt um, und sie verbrennt. Der gemütlich klingende Spruch leitet also den Untergang einer Trinkerin ein.
Aus diesem Zusammenhang gelöst, wurde der zweite Vers sprichwörtlich, wie das DWDS festhält. Oft wird heute ein weiteres Reimpaar angehängt: „Doch wer zufrieden und vergnügt, / sieht zu, dass er auch welchen kriegt.“ In Buschs Text steht es nicht.
Beispiele aus dem Alltag
Nach dem dritten Elternabend in einer Woche holt Frau Albers den Eierlikör aus dem Schrank. Ihr Mann hebt eine Augenbraue, sie lacht: „Wer Sorgen hat, hat auch Likör.“
Die Steuererklärung ist endlich abgeschickt. Murat stellt zwei Gläser Kräuterlikör auf den Küchentisch: „Es ist ein Brauch von alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör!“
Auf der Weihnachtsfeier der Station schenkt Oberärztin Dr. Kaya eine Runde aus. „Wer Sorgen hat, hat auch Likör“, sagt sie, „aber nur einen, ihr habt morgen Frühdienst.“
Häufige Fragen
Von wem stammt „Wer Sorgen hat, hat auch Likör“?
„Wer Sorgen hat, hat auch Likör“ stammt von Wilhelm Busch. Mit dem Reimpaar „Es ist ein Brauch von alters her: / Wer Sorgen hat, hat auch Likör!“ beginnt das sechzehnte Kapitel seiner Bildergeschichte „Die fromme Helene“ von 1872.
Wie geht „Wer Sorgen hat, hat auch Likör“ bei Busch weiter?
Bei Busch schwört Helene nach dem Vers, nie wieder zu trinken, greift dann aber doch zur Flasche. Die Lampe fällt um, und sie verbrennt. Das oft angehängte Reimpaar „Doch wer zufrieden und vergnügt, sieht zu, dass er auch welchen kriegt“ stammt nicht von Busch.
Wie sagt man „Wer Sorgen hat, hat auch Likör“ auf Englisch?
Ein englischer Reim mit dieser Bedeutung ist nicht verbreitet. Die passende Redewendung ist „to drown one’s sorrows“, also seine Sorgen ertränken.
Kurzer Test
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