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Wenn kalt und nass der Juni war, verdirbt er meist das ganze Jahr

Kurz gesagt

Ein kühler, verregneter Juni gilt als schlechtes Zeichen für das ganze Erntejahr, weil er Heu, Getreide und Wein in einer entscheidenden Zeit schadet.

Monat
Juni
Auch gesagt
Wenn kalt und nass der Juni war, verdirbt er das ganze Jahr
Juni verdirbt das ganze Jahr, wenn er kalt und regnig war

Was bedeutet „Wenn kalt und nass der Juni war, verdirbt er meist das ganze Jahr“?

Die Regel sagt: War der Juni kalt und nass, verdirbt er meist das ganze Jahr. Gemeint ist das Bauernjahr mit seinen Ernten. Der Juni gilt in vielen alten Regeln als der Monat, in dem sich die Ernte entscheidet. Wander verzeichnet sogar den Satz „Auf den Juni kommt es an, ob die Ernte soll bestahn“. In diesem Monat wird das erste Heu gemacht, das Getreide blüht und beginnt seine Körner zu füllen, die Reben blühen. Heute fällt der Satz meist, wenn nach einem grauen Juni Freibad und Grillabende ausfallen, dann eher als Klage über den Sommer als über die Ernte.

Zum Teil stimmt die Regel. Kälte und Regen während der Rebblüte stören die Befruchtung, Blüten und junge Beeren fallen ab, die Winzer sprechen vom Verrieseln. Nasses Heu verdirbt auf der Wiese, und feuchte Witterung begünstigt Pilzkrankheiten an Getreide, Kartoffeln und Reben. Das „ganze Jahr“ ist aber übertrieben: Ein warmer, sonniger Juli und August können viel ausgleichen, und Obst oder Kartoffeln reifen erst später. Eine statistische Prüfung der Regel ist nicht bekannt. Dass Nässe allein nicht das Problem ist, zeigt eine Gegenregel bei Wander: „Ist der Juni warm und nass, gibt’s viel Korn und noch mehr Gras.“

Woher kommt „Wenn kalt und nass der Juni war, verdirbt er meist das ganze Jahr“?

Wander verzeichnet die Regel 1870 im Deutschen Sprichwörter-Lexikon unter dem Stichwort „Juni“ und verweist auf den Bairischen Hauskalender und weitere Sammlungen des 19. Jahrhunderts. Daneben steht eine zweite Fassung: „Juni verdirbt das ganze Jahr, wenn er kalt und regnig war.“ Auch unter dem alten deutschen Monatsnamen Brachmonat oder Brachmond sind ähnliche Regeln überliefert, etwa „Brachmond nass, leert Scheuer und Fass“. Der Name kommt laut DWDS daher, dass in diesem Monat das Brachfeld bearbeitet wurde.

Wann die Regel entstanden ist, ist nicht belegt. Sie gehört zu den Monatsregeln, die sich nicht auf einen einzelnen Lostag beziehen, sondern auf das Wetter von mehreren Wochen. Für sie spielt die Kalenderreform von 1582 kaum eine Rolle, weil sich ein ganzer Monat durch zehn Tage Verschiebung nur am Rand verändert.

Beispiele aus dem Alltag

  • Der dritte Regentag in Folge, das Freibad bleibt zu. Bademeister Jens lehnt am Kassenhäuschen: „Wenn kalt und nass der Juni war, verdirbt er meist das ganze Jahr. Hoffentlich gilt das nur für mich.“

  • Winzer Hofmann zeigt auf Trauben, an denen kaum Beeren hängen. „Zur Blüte zwölf Grad und Dauerregen. Wenn kalt und nass der Juni war, verdirbt er meist das ganze Jahr.“

  • Beim Kaffee im Seniorentreff klagt Frau Lindqvist über den grauen Monat. Ihre Nachbarin nickt: „Wenn kalt und nass der Juni war, verdirbt er meist das ganze Jahr, hat mein Vater immer gesagt.“

Häufige Fragen

Stimmt die Bauernregel zum kalten, nassen Juni?

Die Regel zum kalten, nassen Juni stimmt zum Teil. Kälte und Regen schaden der Rebblüte und dem Heu und fördern Pilzkrankheiten. Dass ein schlechter Juni das ganze Jahr verdirbt, ist übertrieben, ein guter Hochsommer kann viel ausgleichen.

Was ist der Brachmonat?

Brachmonat oder Brachmond ist ein alter deutscher Name für den Juni. Er kommt daher, dass man in diesem Monat das Brachfeld bearbeitete, also den ruhenden Acker umpflügte.

Welche Bauernregeln gibt es für den Juni?

Bekannt sind die Lostagsregeln zu Medardus am 8. Juni, Johanni am 24. Juni und dem Siebenschläfer am 27. Juni, dazu Monatsregeln wie „Juni trocken mehr als nass, füllt mit gutem Wein das Fass“.

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