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Was Sankt Medardus für Wetter hält, solch Wetter auch in die Ernte fällt

Kurz gesagt

Das Wetter am 8. Juni, dem Medardustag, soll sich bis in die Erntezeit halten: Regnet es an Medardus, droht eine nasse Ernte.

Auch gesagt
Was Sankt Medardus für Wetter hält, solch Wetter in die Ernte fällt
Was der Medardus für ein Wetter hält, solch Wetter auch in die Ernte fällt

Was bedeutet „Was Sankt Medardus für Wetter hält, solch Wetter auch in die Ernte fällt“?

Die Regel sagt: Wie das Wetter am Medardustag, dem 8. Juni, ist, so wird es auch in der Erntezeit sein. Ein sonniger Medardus verspricht trockenes Wetter für Heu und Korn, ein verregneter lässt eine nasse Ernte fürchten. Der Tag fiel in den Beginn der Heuernte, und kaum etwas fürchteten Bauern mehr als Regen auf gemähtem Gras, das dann auf der Wiese verdarb. Medardus ist deshalb einer der wichtigsten Lostage im Juni. Um ihn kreisen viele Regeln, am bekanntesten die vom langen Regen: „Sankt Medard keinen Regen trag, es regnet sonst wohl vierzig Tag.“

Einen einzelnen Tag als Vorhersage für Wochen hält die Meteorologie nicht für tragfähig, und eine veröffentlichte Prüfung genau dieser Regel ließ sich nicht finden. Das Wetterportal wetter.de nennt, ohne die Untersuchung zu benennen, eine Wahrscheinlichkeit von 64 Prozent, dass nach Regen am 8. Juni auch der Rest des Monats nasser ausfällt als üblich. Ein trockener Medardus sage dagegen nichts. Hinzu kommt der Kalender: Der Tag war schon vor der Reform von 1582 ein Lostag und lag damals nach heutiger Rechnung auf dem 18. Juni. In die Wochen um Medardus fällt außerdem oft die Schafskälte, ein Schwall kühler Luft aus Nordwesten, der den Frühsommer unterbricht, aber nichts über die Ernte verrät.

Woher kommt „Was Sankt Medardus für Wetter hält, solch Wetter auch in die Ernte fällt“?

Medardus war im 6. Jahrhundert Bischof von Noyon in Nordfrankreich, sein Gedenktag ist der 8. Juni. Eine Legende erzählt, ein Adler habe ihn bei einem Gewitter mit seinen Schwingen vor dem Regen geschützt. Er wurde zum Patron der Bauern und Winzer und wird nach dem Ökumenischen Heiligenlexikon für trockenes Heuwetter und eine gute Ernte angerufen.

Den Medardustag als Wetterzeichen kannte man schon im 16. Jahrhundert. Wander führt die Regel „Sanct Medard keinen Regen trag’, es regnet sonst wol vierzehn Tag’ und mehr, wer’s glauben mag“ unter anderem auf Johann Fischarts Kalendersatire „Aller Praktik Großmutter“ aus den 1570er-Jahren zurück. Der Zusatz „wer’s glauben mag“ zeigt, dass man über solche Prognosen schon damals spottete. Die Fassung „Was Sanct Medardus für Wetter hält, solch Wetter in die Ernte fällt“ verzeichnet Wander 1873 im Deutschen Sprichwörter-Lexikon. Auch Frankreich kennt den Lostag: „S’il pleut le jour de saint Médard, il pleut quarante jours plus tard.“

Beispiele aus dem Alltag

  • Am 8. Juni prasselt der Regen auf das frisch gemähte Gras. Landwirt Schmitt flucht leise: „Was Sankt Medardus für Wetter hält, solch Wetter auch in die Ernte fällt. Hoffentlich irrt er sich dieses Jahr.“

  • Im Lüdenscheider Heimatverein erzählt Frau Brenner vom Stadtpatron, der im Wappen steht. Zum Schluss zitiert sie: „Was Sankt Medardus für Wetter hält, solch Wetter auch in die Ernte fällt.“

  • Moritz prüft vor dem Festivalwochenende die Vorhersage. Sein Vater ruft aus dem Garten: „Heute ist Medardus, und die Sonne scheint. Was Sankt Medardus für Wetter hält, solch Wetter auch in die Ernte fällt.“

Häufige Fragen

Wann ist der Medardustag?

Der Medardustag ist der 8. Juni, der Gedenktag des heiligen Medardus, eines Bischofs von Noyon im 6. Jahrhundert. Bauern galt er als Lostag für das Wetter der Heuernte.

Stimmt die Bauernregel zu Medardus?

Für Wochen im Voraus nicht. Eine veröffentlichte Prüfung der Medardus-Regel ließ sich nicht finden. Das Wetterportal wetter.de nennt ohne Quellenangabe eine Trefferquote von 64 Prozent dafür, dass nach Regen am 8. Juni der restliche Juni nasser ausfällt.

Regnet es nach Medardus wirklich vierzig Tage?

Nein, die Regel „Sankt Medard keinen Regen trag, es regnet sonst wohl vierzig Tag“ übertreibt. Eine Fassung, die Wander auf Johann Fischart im 16. Jahrhundert zurückführt, endet schon spöttisch mit „wer’s glauben mag“.

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