Vor Johanni bitt um Regen, nachher kommt er ungelegen
Kurz gesagt
Bis zum 24. Juni, dem Johannistag, ist Regen für die Felder erwünscht, danach stört er Heuernte und reifendes Getreide.
- Lostag
- 24. Juni (Johanni)
- Auch gesagt
- Vor Johanni bitt um Regen, hernach kommt er ungelegen
Was bedeutet „Vor Johanni bitt um Regen, nachher kommt er ungelegen“?
Die Regel teilt den Sommer am Johannistag, dem 24. Juni: Vorher soll man um Regen bitten, weil Wiesen und Felder ihn zum Wachsen brauchen. Danach kommt er ungelegen, denn dann wird Heu gemacht, und das Getreide beginnt zu reifen. Sie ist keine Vorhersage, sondern ein Merksatz darüber, wann Regen nützt und wann er schadet. „Bitt“ steht für „bitte“ und meint das Gebet um Regen, das in trockenen Frühsommern in der Kirche gesprochen wurde. Heute zitieren die Regel vor allem Gärtner, Landwirte und Wetterkolumnen, wenn es Ende Juni zu trocken oder zu nass ist.
Der Kern ist landwirtschaftlich richtig. Getreide braucht bis in den Juni hinein Wasser, damit sich die Körner füllen. Sobald Heu auf der Wiese liegt oder die Gerste reif wird, schadet Regen: Das Heu verdirbt, und reife Körner können auf dem Halm auskeimen. Der Stichtag 24. Juni ist allerdings grob, je nach Region, Höhenlage und Jahr verschiebt sich die Ernte um Wochen. Wenn die Regel älter ist als die Kalenderreform von 1582, lag ihr Stichtag nach heutigem Kalender sogar erst um den 4. Juli.
Woher kommt „Vor Johanni bitt um Regen, nachher kommt er ungelegen“?
Der Johannistag ist das Fest der Geburt Johannes des Täufers. Er liegt sechs Monate vor Weihnachten und nahe der Sommersonnenwende, deshalb galt er im Bauernjahr als Wendepunkt, an dem sich auch das Wetter ändern sollte. Wander verzeichnet die Regel 1870 im Deutschen Sprichwörter-Lexikon als „Vor Johanni bitt’ um Regen, nachher kommt er ungelegen“ und gibt Tirol als Herkunft an.
Gleich daneben steht eine Fassung mit Witz, die Wander unter anderem aus Joachim Christian Blums Deutschem Sprichwörterbuch vom Ende des 18. Jahrhunderts kennt: „Vor Johanni muss Gemeinde und Pastor um Regen bitten, nach Johanni kann’s der Pastor allein.“ Vor dem Stichtag braucht es also das Gebet aller, danach genügt der Pfarrer, weil Regen kaum noch erwünscht ist. Wann die gereimte Form entstand, ist nicht belegt.
Beispiele aus dem Alltag
Anfang Juni ist der Boden auf dem Acker rissig. Landwirtin Kerstin Vogt schaut in den blauen Himmel: „Vor Johanni bitt um Regen, nachher kommt er ungelegen. Jetzt wäre er Gold wert.“
Ende Juni liegt das Heu frisch gemäht auf der Wiese, und für morgen sind Gewitter gemeldet. Opa Anton schimpft: „Vor Johanni bitt um Regen, nachher kommt er ungelegen.“
Im Biologie-Leistungskurs geht es um Bauernregeln. Selin liest vor: „Vor Johanni bitt um Regen, nachher kommt er ungelegen.“ Der Lehrer fragt, was das mit der Kornreife zu tun hat.
Häufige Fragen
Wann ist Johanni?
Johanni ist der 24. Juni, das Fest der Geburt Johannes des Täufers. Der Tag liegt nahe der Sommersonnenwende und war im Bauernjahr ein wichtiger Lostag.
Stimmt die Bauernregel „Vor Johanni bitt um Regen“?
Im Kern ja: Bis in den Juni brauchen Getreide und Wiesen Wasser, später stört Regen die Heu- und Getreideernte. Der genaue Stichtag 24. Juni ist aber nur eine grobe Faustregel.
Was bedeutet „bitt um Regen“?
„Bitt“ ist die verkürzte Form von „bitte“. Gemeint ist das Gebet um Regen, mit dem Gemeinden früher in trockenen Zeiten um Wasser für die Felder baten.
Kurzer Test
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