Mariä Heimsuch wird’s bestellt, wie’s Wetter vierzig Tag sich hält
Kurz gesagt
Wie das Wetter am 2. Juli, dem Fest Mariä Heimsuchung, ist, so soll es die folgenden vierzig Tage bleiben, also bis Mitte August.
- Auf Englisch
- St Swithun’s day if thou dost rain, for forty days it will remain
- Auch gesagt
- Mariä Heimsuch wird’s bestellt, wie’s Wetter sich vierzig Tage hält
- Mariä Heimsuch wird’s bestellt, ob’s Wetter vierzig Tage hält
Was bedeutet „Mariä Heimsuch wird’s bestellt, wie’s Wetter vierzig Tag sich hält“?
Die Regel sagt: Am Tag Mariä Heimsuchung, dem 2. Juli, wird das Wetter für die nächsten vierzig Tage „bestellt“, also festgelegt. Scheint die Sonne, folgt ein schöner Hochsommer, regnet es, droht ein verregneter. „Heimsuch“ ist eine Kurzform von Heimsuchung, die der Reim braucht. Viele Belege stammen aus Österreich, und in verwandten Regeln heißt es, Maria gehe an diesem Tag „übers Gebirge“, nach ihrem Weg zu ihrer Verwandten Elisabeth. Die Regel steht im Schatten der bekannteren Siebenschläferregel fünf Tage zuvor, mit der sie bis ins Wort „bestellt“ verwandt ist.
Für einen einzelnen Tag hält die Regel nicht. Sie zielt aber auf genau die Zeit, in der der Deutsche Wetterdienst einen wahren Kern der Siebenschläferregel sieht. Die Wetterlage, die sich Anfang Juli einstellt, bleibt nach Angaben des DWD häufig für mehrere Wochen im Wesentlichen stabil. Bezogen auf einen längeren Zeitraum um die erste Juliwoche trifft die Siebenschläferregel in 60 bis 70 Prozent der Fälle zu, in Süddeutschland besser als im Norden. Wer die Heimsuchungsregel als Hinweis auf die Wetterlage Anfang Juli liest und nicht auf das Wetter eines Tages, liegt also nicht ganz falsch. Vierzig Tage Regen oder Sonne am Stück verspricht sie trotzdem zu viel.
Woher kommt „Mariä Heimsuch wird’s bestellt, wie’s Wetter vierzig Tag sich hält“?
Das Fest Mariä Heimsuchung erinnert an den Besuch Marias bei Elisabeth, der Mutter Johannes des Täufers. Das Lukasevangelium erzählt, Maria sei „eilends in das Gebirge“ gegangen (Lukas 1,39, Lutherbibel 2017). Bonaventura führte das Fest 1263 im Franziskanerorden am 2. Juli ein, dem Tag nach der Oktav des Johannistags. Nach dem römischen Kalender wird es seit 1969 am 31. Mai gefeiert, im deutschen Sprachraum blieb mit Rücksicht auf die Volksfrömmigkeit der 2. Juli.
Wander verzeichnet 1873 im Deutschen Sprichwörter-Lexikon mehrere Wetterregeln zu dem Tag, etwa „Wenn’s an Maria Heimsuchung regnet, regnet es vierzig Tage nacheinander“ aus Oberösterreich, und in einem Nachtrag von 1880 „Mariä Heimsuch wird’s bestellt, ob’s Wetter vierzig Tage hält“. Wie alt die Regel ist, ist nicht belegt. Galt sie schon vor der Kalenderreform von 1582, entsprach der alte 2. Juli nach heutigem Kalender dem 12. Juli.
Beispiele aus dem Alltag
Am 2. Juli ziehen über dem Chiemgau Gewitter um Gewitter. Die Wirtin der Almhütte seufzt: „Mariä Heimsuch wird’s bestellt, wie’s Wetter vierzig Tag sich hält. Dann wird das wohl nichts mit der Hochsaison.“
Familie Gruber plant zwei Wochen Zelten im August. Der Opa schaut am 2. Juli in den wolkenlosen Himmel: „Mariä Heimsuch wird’s bestellt, wie’s Wetter vierzig Tag sich hält. Packt ruhig die Badesachen ein.“
Im Lokalradio fragt der Moderator die Meteorologin nach der Regel „Mariä Heimsuch wird’s bestellt, wie’s Wetter vierzig Tag sich hält“. Sie lacht: „Für einen einzelnen Tag nein, für die Wetterlage Anfang Juli ein bisschen.“
Häufige Fragen
Wann ist Mariä Heimsuchung?
Im deutschen Sprachraum feiert die katholische Kirche Mariä Heimsuchung am 2. Juli. Nach dem römischen Kalender liegt das Fest seit 1969 am 31. Mai, die Bauernregel bezieht sich aber auf den 2. Juli.
Stimmt die Bauernregel zu Mariä Heimsuchung?
Für den 2. Juli allein stimmt die Regel nicht. Sie meint aber dieselbe Zeit wie die Siebenschläferregel: Die Wetterlage, die sich Anfang Juli einstellt, hält sich laut Deutschem Wetterdienst oft mehrere Wochen.
Was hat Mariä Heimsuchung mit dem Siebenschläfer zu tun?
Beide Lostage liegen nur fünf Tage auseinander und versprechen, dass sich das Wetter danach wochenlang hält. Rechnet man die Kalenderreform von 1582 ein, fällt der alte Siebenschläfertag auf den 7. Juli, also sogar nach Mariä Heimsuchung.
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