Scheibenkleister
Kurz gesagt
Ein verhüllender Ausruf des Ärgers, der für „Scheiße!“ steht: Er beginnt genauso, biegt aber rechtzeitig ins Harmlose ab.
- Auf Englisch
- Shoot!
- Sugar!
- Auch gesagt
- Scheibenhonig
Was bedeutet „Scheibenkleister“?
„Scheibenkleister!“ sagt, wer sich ärgert und dabei nicht ordinär werden will. Man setzt zu „Schei…“ an und biegt in letzter Sekunde ab. Das Ergebnis ist ein Ausruf, den jeder versteht, der aber niemanden schockiert. Duden kennzeichnet das Wort als umgangssprachlich verhüllend für „Scheiße“. Typisch ist es dort, wo man sich zusammenreißt: vor Kindern, im Büro, am Kaffeetisch bei der Schwiegermutter, wenn die Tasse umkippt oder die Datei nicht gespeichert wurde.
Wie das gleichbedeutende „Scheibenhonig“ wirkt der Ausruf etwas brav und altmodisch, und manche sagen ihn gerade deshalb mit Absicht. Er macht aus dem Ärger einen kleinen Witz. Daneben kann „Scheibenkleister“ auch etwas Wertloses oder Unsinniges bezeichnen: Wer einen Vorschlag „Scheibenkleister“ nennt, hält nichts davon. Das DWDS führt beide Gebrauchsweisen, den Ausruf und das abwertende Urteil, mit zahlreichen Belegen aus Zeitungen.
Woher kommt „Scheibenkleister“?
„Scheibenkleister“ war ursprünglich etwas Handfestes. Das Wörterbuch der deutschen Umgangssprache verzeichnet das Wort seit etwa 1870 in der Soldaten- und Landstreichersprache für eine zähe Milchspeise oder Mehlsuppe, so dick, dass man damit die Einschusslöcher in der Zielscheibe hätte verkleben können. Als verhüllendes Wort für „Scheiße“ ist es dort für Soldaten in beiden Weltkriegen belegt, außerdem im zivilen Leben.
Der Trick ist der gleiche Wortanfang. Statt des Kraftausdrucks kommt ein harmloses zusammengesetztes Wort, das genauso beginnt. Bei Walter Kempowski heißt es in „Tadellöser & Wolff“ (1971): „Scheibenkleister, jetzt würde sie wegen der Angriffe nicht nach Krefeld können“.
Beispiele aus dem Alltag
Jonas merkt im Zug, dass das Ladekabel noch zu Hause in der Steckdose steckt. „Scheibenkleister“, murmelt er mit Blick auf den Akku.
Beim Kindergeburtstag fällt Papa die Schüssel mit dem Wackelpudding herunter. „Scheibenkleister!“, ruft er, und die Kinder kringeln sich vor Lachen.
„Das neue Abrechnungsprogramm ist doch Scheibenkleister“, sagt Frau Petersen in der Teamrunde, „vorher ging alles schneller.“
Häufige Fragen
Wofür steht „Scheibenkleister“?
Für „Scheiße“. Das Wort beginnt mit derselben Silbe und ersetzt den Kraftausdruck durch etwas Harmloses. Duden nennt es umgangssprachlich verhüllend.
Was ist der Unterschied zwischen „Scheibenkleister“ und „Scheibenhonig“?
Kaum einer. Beide Wörter ersetzen „Scheiße“ auf dieselbe Weise und dienen als Ausruf des Ärgers. Das DWDS erklärt „Scheibenkleister“ ausdrücklich als Synonym zu „Scheibenhonig“.
Wie sagt man „Scheibenkleister“ auf Englisch?
Das Englische kennt dasselbe Prinzip: „Shoot!“ oder britisch „Sugar!“ stehen für „Shit!“ und beginnen genauso. Eine wörtliche Übersetzung gibt es nicht.
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