O du lieber Augustin
Kurz gesagt
Halb klagender, halb humorvoller Ausruf, wenn etwas schiefgegangen oder verloren ist. Oft folgt die Liedzeile „alles ist hin“.
- Auch gesagt
- Ach du lieber Augustin!
- O mein lieber Augustin, alles ist hin
Was bedeutet „O du lieber Augustin“?
„O du lieber Augustin!“ ruft man, wenn etwas gründlich schiefgegangen ist oder verloren scheint, und meist folgt die Liedzeile „alles ist hin“. Der Ausruf verbindet Klage und Galgenhumor: Man nimmt den Verlust zur Kenntnis, ohne zu jammern. Er passt zur zerbrochenen Lieblingstasse, zum leeren Konto am Monatsende oder zum verregneten Urlaub. Daneben dient er, ähnlich wie „Ach du lieber Gott!“, als schlichter Ausruf des Erstaunens. Der Ton ist gemütlich und etwas altmodisch.
Wer den Ausruf benutzt, zitiert ein Volkslied, und viele hören dabei die Walzermelodie gleich mit. Oft genügt deshalb die halbe Zeile, den Rest ergänzt der Zuhörer im Kopf. Bei echtem Unglück, etwa einem Todesfall oder einer schweren Krankheit, wirkt der Ausruf unpassend, denn das Lied selbst handelt von einem Mann, der Geld und Liebste verloren hat und im Dreck liegt, und besingt das im Walzertakt. Die Figur des „lieben Augustin“ steht bis heute für jemanden, der mit Humor durch jede Lage kommt.
Woher kommt „O du lieber Augustin“?
Der Ausruf ist die Anfangszeile eines Volkslieds, dessen Refrain beklagt, dass „alles hin“ ist. Nachweisbar ist das Lied erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts: Als frühestes Zeugnis gilt ein 1788 in Leipzig gedrucktes Musikstück „Augustin, Favoritwalzer nach dem Böhmischen“. Wander nimmt 1880 die Form „O mein lieber Augustin, alles ist hin“ in sein „Deutsches Sprichwörter-Lexikon“ auf und nennt sie „das fröhliche Grablied leichter Gemüther für ihr lustig verzehrtes Vermögen“.
Erst nachträglich wurde das Lied mit einer Wiener Pestlegende verbunden. Danach soll der Dudelsackspieler Marx Augustin 1679 betrunken für tot gehalten, in eine Pestgrube geworfen und am nächsten Morgen lebend herausgezogen worden sein. Paul de Sorbait erzählt die Geschichte 1679 noch ohne Namen, 1694 heißt der Held erstmals Augustin, 1710 greift Abraham a Sancta Clara sie auf. Sie ist eine Wandersage mit älteren Fassungen etwa aus dem Elsass und aus Danzig. Populär machte die Verbindung von Lied und Legende Moritz Bermanns Buch „Alt-Wien in Geschichte und Sage“ (1865). Ob es den lieben Augustin je gab, ist zweifelhaft.
Beispiele aus dem Alltag
Beim Umzug rutscht Jonas der Karton mit dem guten Geschirr aus den Händen. Seine Mutter schaut auf die Scherben und seufzt: „O du lieber Augustin, alles ist hin.“
Nach dem Hagelsturm steht Herr Kaya vor seinem zerbeulten Auto. „O du lieber Augustin“, murmelt er und sucht im Handy die Nummer der Versicherung.
Die Festplatte mit allen Urlaubsfotos gibt keinen Mucks mehr von sich. Clara schreibt ihrer Schwester: „O du lieber Augustin, alles ist hin. Hast du noch Kopien?“
Häufige Fragen
Wie geht das Lied „O du lieber Augustin“ weiter?
Auf „O du lieber Augustin“ folgt die Zeile „alles ist hin“. Das Lied zählt dann auf, was verloren ist, etwa Geld und Liebste, und endet bei Augustin, der im Dreck liegt.
Hat es den lieben Augustin wirklich gegeben?
Das ist zweifelhaft. Der Dudelsackspieler Marx Augustin, der 1679 eine Nacht in einer Wiener Pestgrube überlebt haben soll, stammt aus einer Legende, die als Wandersage auch anderswo erzählt wurde. Der Wiener Kulturhistoriker Gustav Gugitz nannte ihn ein „Kind der Phantasie“.
Wie alt ist das Lied „O du lieber Augustin“?
Nachweisbar ist das Lied „O du lieber Augustin“ erst seit dem späten 18. Jahrhundert, das früheste bekannte Zeugnis stammt von 1788. Die oft genannte Entstehung im Pestjahr 1679 ist nicht belegt.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
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