Kirschen rot, Spargel tot
Kurz gesagt
Sobald die Kirschen reif sind, ist die Spargelzeit vorbei: Ende Juni wird nicht mehr gestochen, damit sich die Pflanzen für das nächste Jahr erholen.
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- Juni
Was bedeutet „Kirschen rot, Spargel tot“?
„Kirschen rot, Spargel tot“ heißt: Wenn die Kirschen reif werden, endet die Spargelsaison. Der knappe Reim ist ein Merksatz aus dem Gemüseanbau und keine Wetterregel. Er verknüpft zwei Ereignisse, die ungefähr zusammenfallen: Die Kirschen werden reif, und traditionell am 24. Juni, dem Johannistag, stechen die Bauern zum letzten Mal Spargel. Der Tag heißt deshalb auch „Spargelsilvester“. „Tot“ ist nicht wörtlich gemeint, die Pflanze lebt weiter, nur die Ernte ist vorbei. Man sagt den Spruch im Juni an Spargelständen, in Restaurants mit Saisonkarte oder zu Hause, wenn es zum letzten Mal Spargel gibt.
Dahinter steht ein handfester Grund. Spargel ist eine mehrjährige Kultur, ein Feld wird bis zu zehn Jahre lang beerntet. Nach dem letzten Stechen lassen die Bauern die Triebe auswachsen, das grüne Kraut bildet Kohlenhydrate und lagert sie in den Wurzeln ein, wovon die Pflanze im nächsten Frühjahr zehrt. Zwischen dem letzten Erntetag und dem ersten Frost sollen etwa 100 Tage liegen, und Ende Juni geht diese Rechnung auf. Wer länger erntet, muss im Folgejahr mit weniger Ertrag rechnen. Beginnt die Saison wetterbedingt früh, beenden viele Anbauer die Ernte sogar ein bis zwei Wochen vor Johanni.
Woher kommt „Kirschen rot, Spargel tot“?
Wer den Reim geprägt hat, ist nicht bekannt. In Wanders „Deutschem Sprichwörter-Lexikon“ (1867–1880) fehlt er, unter den Stichwörtern „Spargel“ und „Kirsche“ steht keine Ernteregel. Heute ist er in Agrarmedien, Ratgebern und im Wikipedia-Artikel „Gemüsespargel“ verbreitet, dort neben der zweiten bekannten Regel „Stich den Spargel nie nach Johanni“. Im Spargelanbau gilt der Johannistag als traditionelles Ende der Ernte, ebenso beim Rhabarber.
Der Johannistag ist das Fest der Geburt Johannes des Täufers. Er liegt sechs Monate vor Weihnachten und nahe der Sommersonnenwende und war im Bauernjahr ein zentraler Lostag, an dem sich vieles entschied, bis hin zum spätesten Termin für die Heuernte. Dass er auch zum Stichtag für den Spargel wurde, passt in diese Rolle. Seit wann genau, ist nicht belegt.
Beispiele aus dem Alltag
Am Spargelstand bei Beelitz hängt ein Pappschild: „Kirschen rot, Spargel tot. Letzter Verkaufstag am 24. Juni.“ Leonie kauft schnell noch zwei Kilo.
Herr Nowak fragt im Restaurant nach Spargel. Die Kellnerin zeigt auf die Kirschen im Dessert: „Kirschen rot, Spargel tot. Seit gestern haben wir die Sommerkarte.“
Aylin will Anfang Juli für ihre Gäste Spargel kaufen und findet keinen mehr. Ihre Schwiegermutter schüttelt lachend den Kopf: „Kirschen rot, Spargel tot, das weiß doch jeder.“
Häufige Fragen
Warum wird Spargel nur bis zum 24. Juni gestochen?
Die Pflanze braucht nach der Ernte Zeit, um mit ihrem grünen Kraut Nährstoffe zu bilden und in den Wurzeln einzulagern. Zwischen letzter Ernte und erstem Frost sollen etwa 100 Tage liegen, sonst fällt die nächste Ernte schwächer aus.
Was ist Spargelsilvester?
Spargelsilvester ist ein Beiname des Johannistags am 24. Juni, des traditionellen letzten Tags der Spargelernte. Danach gilt „Kirschen rot, Spargel tot“: Die Saison ist vorbei.
Darf man nach Johanni noch Spargel stechen?
Der 24. Juni ist ein traditioneller Stichtag, kein gesetzlicher. Wer länger erntet, schwächt aber die Pflanzen und muss im Folgejahr mit weniger Ertrag rechnen. Deshalb endet die Saison in Deutschland traditionell um Johanni, ganz nach der Regel „Kirschen rot, Spargel tot“.
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