Etwas an die große Glocke hängen
Kurz gesagt
Etwas überall herumerzählen und öffentlich machen, meist etwas Privates oder Vertrauliches, das besser unter wenigen Leuten geblieben wäre.
- Auf Englisch
- to shout something from the rooftops
- to broadcast something
- Auch gesagt
- Etwas an die große Glocke schlagen
Was bedeutet „Etwas an die große Glocke hängen“?
„Etwas an die große Glocke hängen“ heißt: etwas überall herumerzählen und allgemein bekannt machen. Gemeint sind meist Dinge, die eigentlich niemanden etwas angehen: eine frühe Schwangerschaft, eine Gehaltserhöhung, ein Streit in der Familie, eine Krankheit. Der Duden vermerkt, dass die Wendung meist verneint gebraucht wird, und so hört man sie am häufigsten: „Häng das bitte nicht an die große Glocke.“ Wer das sagt, bittet um Diskretion. Wer feststellt, jemand habe etwas an die große Glocke gehängt, wirft ihm Geschwätzigkeit vor.
Der Ton ist umgangssprachlich und leicht tadelnd. Oft schwingt mit, dass eine Sache aufgebauscht wird: Wer einen kleinen Erfolg an die große Glocke hängt, macht mehr Lärm darum, als sie verdient. Auf welchem Weg etwas bekannt wird, spielt keine Rolle. Ein Post in der Familiengruppe kann ebenso gemeint sein wie ein Interview. Verwandt ist „an die große Glocke kommen“, also allgemein bekannt werden.
Woher kommt „Etwas an die große Glocke hängen“?
Das Bild stammt aus einer Zeit, in der Wichtiges mit Glocken öffentlich gemacht wurde. Das Grimmsche Wörterbuch führt die Redensarten mit der großen Glocke auf ihren Gebrauch im Rechtsleben zurück. Der Duden nennt das Läuten der großen Kirchenglocke, mit dem man die Leute zur Gerichtsversammlung rief: Was dort verhandelt wurde, war damit öffentlich. Auch Erlasse, Gefahren und Neuigkeiten wurden mit Glocken angezeigt, vom Kirchturm oder mit der Handglocke des Ausrufers. Welcher Brauch den Ausschlag gab, lässt sich nicht sicher entscheiden.
Die Wendung war lange in mehreren Fassungen im Umlauf. Im 17. Jahrhundert „schrieb“ man etwas an die große Glocke: Christian Weise spricht 1675 von einem, der „seine liebeshistorien allezeit an die grosze glocke schriebe“. Daneben standen „an die große Glocke schlagen“ und „an die große Glocke kommen“. Wander verzeichnet aus Holstein „Etwas an de grôte Klock hangen (schlagen)“ mit der Erklärung „Etwas ausposaunen, es in aller Leute Mäuler bringen“ und verweist dafür unter anderem auf Michael Richeys Hamburger Idiotikon aus dem 18. Jahrhundert. Durchgesetzt hat sich „hängen“, das Grimm als die gängigste Form bezeichnet.
Beispiele aus dem Alltag
Jana ist in der zehnten Woche schwanger. „Wir sagen es erst mal nur euch“, erklärt sie ihren Eltern, „also bitte nicht gleich an die große Glocke hängen.“
Murat hat die Gehaltserhöhung bekommen und erzählt es in der Kaffeeküche. Seine Kollegin zieht die Augenbrauen hoch: „Musst du das so an die große Glocke hängen?“
Der Vereinsvorstand hat den Streit mit dem Platzwart intern geklärt. „Das hängen wir nicht an die große Glocke“, sagt Herr Nowak, „das bleibt im Vorstand.“
Häufige Fragen
Woher kommt „etwas an die große Glocke hängen“?
„Etwas an die große Glocke hängen“ erinnert an die Glocke als Mittel öffentlicher Bekanntmachung. Duden und das Grimmsche Wörterbuch verweisen auf das Rechtsleben: Mit der großen Kirchenglocke rief man früher zur Gerichtsversammlung, und was dort verhandelt wurde, erfuhren alle.
Heißt es „an die große Glocke hängen“ oder „an die große Glocke schlagen“?
Üblich ist heute „etwas an die große Glocke hängen“. Das Grimmsche Wörterbuch kennt daneben ältere Fassungen mit „schlagen“, „schreiben“ und „bringen“; erhalten hat sich außerdem „an die große Glocke kommen“, also allgemein bekannt werden.
Wie sagt man „etwas an die große Glocke hängen“ auf Englisch?
Am nächsten kommt „to shout something from the rooftops“. Im Niederländischen gibt es mit „iets aan de grote klok hangen“ sogar dasselbe Bild.
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