Allmächd
Kurz gesagt
Fränkischer, besonders Nürnberger Ausruf des Erstaunens oder Erschreckens, verkürzt aus „Allmächtiger!“, ungefähr „Ach du lieber Gott!“.
- Auf Englisch
- Good Lord!
- Auch gesagt
- Allmächt
Was bedeutet „Allmächd“?
„Allmächd!“ ist der fränkische Ausruf schlechthin und entspricht ungefähr „Oh Gott!“ oder „Ach du meine Güte!“. Man ruft ihn, wenn man erschrickt, staunt oder etwas bedauert: beim Blick auf das Preisschild, wenn ein Glas vom Tisch fällt oder wenn die Enkelin plötzlich so groß geworden ist. Je nach Tonfall klingt er entsetzt, bewundernd oder mitfühlend. Die Stadt Nürnberg nennt ihn einen „häufig gebrauchten Ausruf des Erstaunens und Erschreckens“, an dem jeder Einheimische auch fern der Heimat als Nürnberger zu erkennen sei.
Mit Frömmigkeit hat der Ausruf im Alltag nichts zu tun, Gott wird nur noch der Form nach angerufen, wie bei „Um Gottes willen“ oder „Herrjemine“. Auffällig ist die Aussprache: das schwere fränkische „l“ und das weiche „d“ am Ende, denn das Nürnbergische unterscheidet kaum zwischen „t“ und „d“. Deshalb schwankt auch die Schreibung zwischen „Allmächd“ und „Allmächt“; eine verbindliche Rechtschreibung gibt es für die Mundart nicht.
Woher kommt „Allmächd“?
„Allmächd“ ist eine mundartliche Verkürzung von „Allmächtiger!“, dem Anruf Gottes als des Allmächtigen. Das hochdeutsche Vorbild ist gut belegt: Der Duden verzeichnet „Allmächtiger!“ und „allmächtiger Gott!“ als Ausrufe des erschreckten Erstaunens. Das Adjektiv „allmächtig“ ist eine alte Lehnübersetzung des lateinischen „omnipotens“ und schon althochdeutsch als „alamahtîc“ bezeugt.
In Franken wurde aus der Anrufung ein einziges kurzes Wort: Die Endung fiel weg, das „t“ wurde weich gesprochen. Wann sich diese Kurzform herausgebildet hat, ist nicht belegt; die Wörterbücher der Standardsprache führen sie nicht. Heute gilt „Allmächd“ als Erkennungszeichen der Region, so wie „Heiligs Blechle“ für Schwaben oder „Da legst di nieder“ für Altbayern.
Beispiele aus dem Alltag
Oma Hilde sieht auf dem Nürnberger Wochenmarkt das Preisschild und schlägt die Hände zusammen: „Allmächd, zwölf Euro für das bisschen Spargel!“
Beim Familienfest in Fürth steht Enkel Jonas in der Tür, zwei Köpfe größer als im Sommer. „Allmächd, bist du gewachsen!“, ruft seine Tante.
Im Büro in Erlangen kippt Selin ihren Kaffee über die Tastatur. Herr Nowak springt auf: „Allmächd! Schnell, ein Tuch!“
Häufige Fragen
Was heißt „Allmächd“ auf Hochdeutsch?
„Allmächd“ ist fränkisch für „Allmächtiger!“ und entspricht ungefähr „Oh Gott!“ oder „Ach du meine Güte!“. Man ruft es aus Erstaunen, Schreck oder Mitleid.
Schreibt man „Allmächd“ oder „Allmächt“?
Beide Schreibungen kommen vor, weil es für die Mundart keine verbindliche Rechtschreibung gibt. „Allmächd“ mit d gibt die weiche fränkische Aussprache wieder und ist etwa in Veröffentlichungen der Stadt Nürnberg üblich.
Ist „Allmächd“ ein Fluch?
Nein. „Allmächd“ ruft zwar Gott an, ist aber ein harmloser Ausruf des Staunens oder Erschreckens, vergleichbar mit „Um Gottes willen“ oder „Herrjemine“.
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