Wie Sand am Meer
Kurz gesagt
In riesiger, kaum zählbarer Menge; oft mit dem Unterton, dass etwas gerade deshalb nichts Besonderes ist.
- Ursprung
- Aus der Bibel
- Auf Englisch
- a dime a dozen
- galore
- Gegenteil
- Die Nadel im Heuhaufen suchen
Was bedeutet „Wie Sand am Meer“?
„Wie Sand am Meer“ heißt: in riesiger, unübersehbarer Zahl. Die übliche Form ist „etwas gibt es wie Sand am Meer“: Cafés in der Innenstadt, Krimiserien bei den Streamingdiensten, Bewerber mit dem gleichen Abschluss. Das DWDS vermerkt, dass die Wendung vor allem für zählbare Dinge steht, also für Menschen, Gegenstände oder Angebote, kaum für Stoffe wie Wasser oder Mehl. Der Duden kennzeichnet sie als umgangssprachlich, in der Presse ist sie aber ebenso verbreitet.
Oft schwingt mit, dass das Massenhafte keinen Wert hat: Wer sagt, Ratgeberbücher gebe es wie Sand am Meer, meint auch, dass kaum eines etwas taugt. Häufig ist die Verneinung, die das Gegenteil betont: „Gute Handwerker gibt es nicht wie Sand am Meer“ heißt, dass sie selten und gefragt sind. Über Menschen gesagt, etwa über Bewerber oder Praktikanten, kann die Wendung deshalb herablassend klingen: Sie macht Einzelne zu austauschbarer Masse.
Woher kommt „Wie Sand am Meer“?
Die Wendung ist ein biblischer Vergleich. Gott verheißt Abraham, er werde seine Nachkommen „mehren wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Ufer des Meeres“ (1. Mose 22,17, Lutherbibel 2017). Jakob erinnert Gott an diese Zusage: „deine Nachkommen machen wie den Sand am Meer, den man der Menge wegen nicht zählen kann“ (1. Mose 32,13). Wörtlich steht die heutige Form in 1. Mose 41,49: Josef schüttet Getreide auf, „über die Maßen viel wie Sand am Meer“. Später misst die Bibel so auch feindliche Heere (Josua 11,4; Richter 7,12).
Gemeint war die Unzählbarkeit. Wander verzeichnet „Wie Sand am Meer“ mit der Erklärung „so zahlreich, so unzählig“ und daneben „Den Sand am Gestade (Meere) zählen“ für eine unmögliche Aufgabe, belegt mit einem mittelhochdeutschen Spruch Freidanks: „Swer sant und ouch der sternen schîn wil zeln, der muoz unmüezec sîn.“ Der Duden gibt als Quelle 1. Mose 22,17 und weitere Stellen an. Thomas Mann schreibt in den „Buddenbrooks“ (1901): „seine Schulden sind wie Sand am Meer“.
Beispiele aus dem Alltag
Leonie ist nach Leipzig gezogen und staunt: „Hier gibt es Altbauwohnungen wie Sand am Meer. In München hatte ich zwanzig Besichtigungen für nichts.“
Auf der Ausbildungsmesse winkt Herr Nowak ab: „Bewerber mit Bachelor gibt es wie Sand am Meer. Wer schweißen kann, ist bei uns Gold wert.“
Ben scrollt seit einer halben Stunde durch die Streamingdienste. „Krimiserien wie Sand am Meer, aber nichts, was ich sehen will“, schreibt er in die WG-Gruppe.
Häufige Fragen
Steht „wie Sand am Meer“ in der Bibel?
Ja. „Wie Sand am Meer“ ist ein biblischer Vergleich für eine unzählbare Menge. Wörtlich steht er in 1. Mose 32,13 und 41,49, ähnlich in der Verheißung an Abraham in 1. Mose 22,17.
Ist „wie Sand am Meer“ positiv oder negativ gemeint?
„Wie Sand am Meer“ beschreibt zunächst nur eine sehr große Menge. Oft schwingt aber mit, dass etwas so häufig ist, dass es keinen besonderen Wert mehr hat.
Wie sagt man „wie Sand am Meer“ auf Englisch?
Für etwas, das massenhaft vorkommt und darum nichts Besonderes ist, sagt man „a dime a dozen“. Für eine bloße Fülle passt nachgestellt „galore“, etwa „crime series galore“.
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