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Viel Eicheln im September, viel Schnee im Dezember

Kurz gesagt

Tragen die Eichen im Spätsommer besonders viele Früchte, soll der folgende Winter schneereich werden.

Auch gesagt
Viel Eicheln um Michaelis, viel Schnee um Weihnacht

Was bedeutet „Viel Eicheln im September, viel Schnee im Dezember“?

„Viel Eicheln im September, viel Schnee im Dezember“ heißt: Hängen die Eichen im Herbst voller Früchte, wird der Winter schneereich. Dahinter steht die Vorstellung, die Natur sorge vor: Wo viel Futter wächst, steht ein harter Winter bevor, für den die Tiere Vorräte brauchen. Ähnliche Regeln gibt es für Bucheckern und Nüsse. Gesagt wird der Spruch, wenn die Waldwege voller Eicheln liegen, Eichhörnchen und Eichelhäher eifrig Vorräte anlegen und Kinder Eicheln für Bastelarbeiten sammeln. Er wird meist halb ernst zitiert und gehört zu den bekanntesten Naturzeichen für den Winter.

Als Vorhersage hält die Regel nicht. Eichen und Buchen bilden nur alle paar Jahre große Mengen Samen, in sogenannten Mastjahren, die je nach Region im Abstand von sechs bis zehn Jahren kommen. Ob ein Mastjahr eintritt, hängt von den Reserven des Baumes und vom Wetter der vergangenen Monate ab, etwa von der Frühjahrstemperatur, von Spätfrost in der Blüte und von Sommertrockenheit. Die Eicheln spiegeln also das vergangene Frühjahr und den Sommer, über den kommenden Winter wissen die Bäume nichts. Die Mast gilt als Strategie gegen Fraßfeinde: In mageren Jahren bleiben Mäuse und Eichhörnchen wenige, im Mastjahr bleibt genug Saat übrig.

Woher kommt „Viel Eicheln im September, viel Schnee im Dezember“?

Wander verzeichnet die Regel in seinem „Deutschen Sprichwörter-Lexikon“ (1867–1880) unter dem Stichwort „Eichel“ als „Viel Eicheln im September, viel Schnee im December“ und beruft sich auf Theodor Boebels Sammlung landwirtschaftlicher Sprüche von 1854. Unter demselben Stichwort stehen verwandte Fassungen, etwa „Viel Eicheln um Michaelis, viel Schnee um Weihnacht“ aus einem bairischen Hauskalender und aus Euskirchen „Wenn Eicheln und Bucheckern wohlgedeihen, so ist der Winter kalt und wird viel schneien“.

Eicheln waren für die Landwirtschaft früher wichtig. Bauern trieben ihr Vieh, vor allem Schweine, zur Mast in die Wälder, und ein Jahr mit vielen Eicheln war ein gutes Jahr. Wer die Regel zuerst aufgeschrieben hat und seit wann sie umläuft, ist nicht bekannt.

Beispiele aus dem Alltag

  • Im Stadtwald von Paderborn knirscht es bei jedem Schritt. Jonas sammelt mit seiner Tochter Eicheln für die Bastelkiste und sagt: „Viel Eicheln im September, viel Schnee im Dezember. Vielleicht brauchen wir dieses Jahr den Schlitten.“

  • Försterin Aksoy erklärt beim Waldspaziergang das Mastjahr. Eine Teilnehmerin wirft ein: „Viel Eicheln im September, viel Schnee im Dezember, sagt man doch.“ Die Försterin lacht: „Die Eiche erinnert sich an den Frühling, vom Winter weiß sie nichts.“

  • Im Nachbarschaftschat postet Herr Brandt ein Foto seiner verstopften Regenrinne: „Viel Eicheln im September, viel Schnee im Dezember. Und viel Arbeit im Oktober.“

Häufige Fragen

Stimmt die Bauernregel „Viel Eicheln im September, viel Schnee im Dezember“?

Nein. Wie viele Eicheln eine Eiche trägt, hängt von ihren Reserven und vom Wetter im vergangenen Frühjahr und Sommer ab. Über den kommenden Winter sagt die Menge der Eicheln nichts.

Was ist ein Mastjahr?

Ein Mastjahr ist ein Jahr, in dem Bäume wie Eiche und Buche besonders viele Früchte tragen. Solche Jahre kommen je nach Region alle sechs bis zehn Jahre. Der Name stammt von der Waldweide, bei der Schweine mit Eicheln und Bucheckern gemästet wurden.

Warum tragen Eichen in manchen Jahren besonders viele Eicheln?

Bäume sparen in mageren Jahren Reserven und setzen sie dann in einem Mastjahr auf einmal ein. Eine Rolle spielt außerdem das Wetter im Frühjahr, etwa Spätfrost während der Blüte. So bilden sie mehr Samen, als Mäuse und Eichhörnchen fressen können.

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