Fällt das Laub zu bald, wird der Herbst nicht alt
Kurz gesagt
Werfen die Bäume ihre Blätter früh ab, soll der Herbst kurz sein und der Winter früh kommen.
- Monat
- September
Was bedeutet „Fällt das Laub zu bald, wird der Herbst nicht alt“?
„Fällt das Laub zu bald, wird der Herbst nicht alt“ heißt: Verlieren die Bäume schon früh ihre Blätter, ist der Herbst bald vorbei, und der Winter rückt früh heran. „Nicht alt werden“ ist ein Bild aus dem Menschenleben, der Herbst stirbt gewissermaßen jung. Gesagt wird die Regel, wenn im September schon Blätter auf Gehwegen und Schulhöfen liegen oder Kastanien früh braun werden, oft halb im Scherz und mit Blick auf die Winterjacke. Unter den Laubregeln ist sie eine der kürzesten. Andere drehen den Spieß um und deuten spätes Laub auf einen harten Winter.
Als Vorhersage trägt die Regel nicht. Der Deutsche Wetterdienst hält eine verwandte Regel, „Hängt das Laub bis November hinein, wird der Winter lange sein“, für nicht belegbar, die Bäume verraten den kommenden Winter nicht. Früher Laubfall hat oft andere Gründe: Stürme reißen Blätter ab, und nach Dürresommern werfen Bäume Laub ab, um Wasser zu sparen. Einen wahren Kern hat sie trotzdem, nur andersherum. In der Phänologie, der Lehre vom Jahreslauf der Pflanzen, beginnt der Winter mit dem Blattfall der Stieleiche, im Mittel Anfang November. Fällt das Laub früh, endet der Herbst nach dieser Rechnung also tatsächlich früh. Die Regel beschreibt dann, was schon geschieht.
Woher kommt „Fällt das Laub zu bald, wird der Herbst nicht alt“?
Wander verzeichnet die Regel in den Nachträgen zu seinem „Deutschen Sprichwörter-Lexikon“ (1867–1880) unter dem Stichwort „Laub“ und nennt als Quelle einen Marienkalender für das Jahr 1879, also einen volkstümlichen Jahreskalender. Wann und wo sie entstanden ist, ist nicht belegt.
Unter demselben Stichwort zeigt Wander, wie uneinig die Laubregeln sind. „Fällt das Laub zeitig im Garten, so ist ein schöner Herbst und Winter zu erwarten“ verspricht gutes Wetter, „Wenn das Laub im October noch sitzt fest am Baum, fehlt ein strenger Winter kaum“ deutet spätes Laub auf Kälte. Aus Oberösterreich überliefert er: Fällt das Laub früh, aber langsam ab, kommt ein früher, aber „langschwoafata“ Winter, also einer mit langem Schweif, der sich hinzieht.
Beispiele aus dem Alltag
Mitte September liegen auf dem Schulhof in Göttingen schon die ersten Kastanienblätter. Hausmeister Nowak fegt und brummt: „Fällt das Laub zu bald, wird der Herbst nicht alt.“
Nach dem Sturm ist die Birke vor Aylins Balkon fast kahl. Ihre Mitbewohnerin schreibt in den WG-Chat: „Fällt das Laub zu bald, wird der Herbst nicht alt. Holt die Winterjacken aus dem Keller.“
Revierförster Jansen zeigt einer Schulklasse braune Buchen nach einem trockenen Sommer. „Fällt das Laub zu bald, wird der Herbst nicht alt, sagen die Alten“, erklärt er. „Hier liegt es aber an der Dürre.“
Häufige Fragen
Stimmt die Bauernregel „Fällt das Laub zu bald, wird der Herbst nicht alt“?
Als Wettervorhersage nicht. Früher Laubfall hat oft Ursachen wie Sturm oder Trockenheit und sagt nichts über den Winter. Phänologisch stimmt sie aber in einem engen Sinn, denn dort endet der Herbst mit dem Blattfall der Stieleiche.
Wann fallen die Blätter normalerweise?
Nach den Beobachtungen des Deutschen Wetterdienstes verfärben sich die Blätter der Stieleiche im Mittel Mitte Oktober, abgeworfen werden sie etwa drei Wochen später, Anfang November. Dieser Blattfall markiert den Beginn des phänologischen Winters.
Warum werfen Bäume im Herbst ihr Laub ab?
Laubbäume werfen ihre Blätter ab, damit sie im Winter nicht über die Blätter Wasser verdunsten, das sie aus gefrorenem Boden nicht nachholen können. Vorher holen sie Nährstoffe aus den Blättern zurück, dabei entstehen die Herbstfarben.
Kurzer Test
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