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Schwein haben

Kurz gesagt

Großes, oft unverdientes Glück haben, vor allem wenn etwas fast schiefgegangen wäre.

Auf Englisch
To strike it lucky
To luck out
Auch gesagt
Schwein gehabt!

Was bedeutet „Schwein haben“?

Wer Schwein hat, hat Glück gehabt, und zwar meist mehr, als er verdient oder erwartet hätte. Typisch ist der Blick zurück: Der Bus ist weg, aber der nächste kommt sofort. Die Prüfung war knapp, aber bestanden. Der Ast ist neben dem Auto aufgeschlagen statt darauf. Dann heißt es „Schwein gehabt!“ oder „Da hast du aber Schwein gehabt“. Die Wendung ist umgangssprachlich und locker, unter Kollegen ebenso üblich wie auf dem Schulhof, in einem förmlichen Schreiben dagegen fehl am Platz.

Anders als „Glück haben“ klingt „Schwein haben“ nach Zufall und knapper Rettung, nicht nach Leistung. Wer nach einem gewonnenen Spiel hört, er habe Schwein gehabt, kann das durchaus als Spitze verstehen: Gewonnen hast du, verdient war es nicht. Verstärkt wird die Wendung gern mit „echt“, „richtig“ oder „großes“. Das Glücksschwein aus Marzipan, das man zu Silvester verschenkt, greift dasselbe Bild auf.

Woher kommt „Schwein haben“?

Woher die Wendung stammt, ist nicht sicher geklärt. Das Etymologische Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer, das im DWDS steht, datiert „Schwein haben“ im Sinne von „Glück haben“ auf den Anfang des 19. Jahrhunderts und ordnet es der Studentensprache zu. Als Erklärung nennt es einen alten Brauch: Bei Schützenfesten bekam der Verlierer ein Schwein als Trostpreis.

Diese Deutung vertritt auch Lutz Röhrich. Er führt Belege aus dem 15. und 16. Jahrhundert an, in denen der Letzte eines Rennens oder Schießens eine Sau erhielt. Sebastian Brant spottet 1494 im „Narrenschiff“ über den Schützen, der sein Ziel verfehlt und „die suw im ermel heim“ trägt. Die Sau war also ein Preis, der etwas wert war, aber Spott einbrachte. Eine zweite Erklärung verweist auf das Kartenspiel: Im deutschen Blatt hieß das Ass, früher Daus genannt, auch „Sau“, weil auf alten Karten ein Schwein abgebildet war. Wer die Sau zog, hatte demnach Glück. Beide Deutungen sind verbreitet, abschließend belegen lässt sich keine.

Quellen

Stand:

Beispiele aus dem Alltag

  • Lena hat den Zug um 7.42 Uhr verpasst, doch wegen einer Stellwerksstörung steht er noch am Gleis. „Schwein gehabt“, schreibt sie in die WhatsApp-Gruppe ihrer Kollegen.

  • Beim Kreisliga-Derby springt der Ball in der Nachspielzeit vom Pfosten zurück ins Feld statt ins Tor. „Da haben wir richtig Schwein gehabt“, gibt der Trainer nach dem 1:0 zu.

  • Opa Werner findet beim Aufräumen die Garantiekarte für die kaputte Waschmaschine, zwei Wochen vor Ablauf. „Hast du ein Schwein“, sagt seine Enkelin.

Häufige Fragen

Ist „Schwein haben“ unhöflich?

„Schwein haben“ ist umgangssprachlich, aber nicht grob. Unter Freunden und Kollegen ist die Wendung völlig normal, in formellen Texten schreibt man besser „Glück haben“.

Was hat das Glücksschwein mit „Schwein haben“ zu tun?

Beide nutzen das Schwein als Sinnbild für Glück. Ob das Glücksschwein zu Silvester und die Redewendung denselben Ursprung haben, ist nicht belegt.

Wie sagt man „Schwein haben“ auf Englisch?

Eine wörtliche Entsprechung gibt es nicht. Üblich sind „to strike it lucky“ oder im amerikanischen Englisch „to luck out“.

Was ist das Gegenteil von „Schwein haben“?

Das Gegenteil von „Schwein haben“ ist „Pech haben“. Wer bei einer Entscheidung schlechter wegkommt als andere, „zieht den Kürzeren“.

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