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Papier ist geduldig

Kurz gesagt

Aufschreiben lässt sich alles, doch damit ist noch lange nicht gesagt, dass es stimmt oder umgesetzt wird.

Auch gesagt
Das Papier ist geduldig

Was bedeutet „Papier ist geduldig“?

„Papier ist geduldig“ bedeutet, dass man alles aufschreiben oder drucken kann, ohne dass es dadurch wahr wird. Der Duden fasst es so: Schreiben oder drucken kann man alles, dass es stimmt, ist damit noch lange nicht garantiert. Man sagt das Sprichwort skeptisch über Wahlprogramme, Leitbilder, Hochglanzbroschüren und Lernpläne, oder wenn ein schön formulierter Vertrag in der Praxis nichts taugt.

Die Spitze richtet sich meist gegen die Kluft zwischen Ankündigung und Wirklichkeit: Die Klimaziele stehen im Koalitionsvertrag, aber Papier ist geduldig. Ein zweiter, älterer Sinn klingt heute seltener an. Was man nicht auszusprechen wagt, kann man aufschreiben, weil das Papier nicht widerspricht und nicht rot wird. Wanders Sprichwörter-Lexikon verzeichnet beide Lesarten, etwa „Das Papier duldet alles und erröthet über nichts“. Wer das Sprichwort benutzt, meint heute fast immer die skeptische Lesart und deutet an, dass er erst den Taten glaubt.

Woher kommt „Papier ist geduldig“?

Der Gedanke ist antik. Cicero schreibt im Jahr 56 v. Chr. an den Geschichtsschreiber Lucius Lucceius, er bringe im Brief vor, was er ihm von Angesicht zu Angesicht aus Scham nicht zu sagen gewagt habe, denn „epistula enim non erubescit“: Ein Brief errötet nicht. Es folgt die Bitte, Lucceius möge Ciceros Konsulat in einem eigenen Werk rühmen (Ad familiares 5,12). Wander führt diese Stelle als lateinische Entsprechung an.

Im Deutschen verzeichnet Karl Simrock „Das Papier ist geduldig“ in seiner Sprichwörtersammlung, und Wanders „Deutsches Sprichwörter-Lexikon“ nennt 1880 eine Reihe von Fassungen, etwa „Das Papier lässt auf sich malen und drucken, was man will“ und mundartlich „Et Papier es jedôldig“. Auch das Französische kennt das Bild: „Le papier souffre tout“.

Beispiele aus dem Alltag

  • Im neuen Leitbild der Firma steht „Wertschätzung auf Augenhöhe“. Kollegin Merve verdreht die Augen: „Papier ist geduldig. Mal sehen, ob der Chef das auch gelesen hat.“

  • Vor der Bürgermeisterwahl versprechen alle Kandidaten ein neues Hallenbad. Opa Gerd faltet die Wahlzeitung zusammen: „Papier ist geduldig.“

  • Tim hat für die Prüfungsphase einen Lernplan mit Farbcodes erstellt. Seine Schwester grinst: „Sieht toll aus. Aber Papier ist geduldig, fang lieber heute an.“

Häufige Fragen

Wer hat „Papier ist geduldig“ gesagt?

Ein Urheber ist nicht bekannt. Der Gedanke geht auf Cicero zurück, der 56 v. Chr. schrieb „epistula enim non erubescit“, ein Brief errötet nicht. Die deutsche Form verzeichnen Sprichwortsammlungen des 19. Jahrhunderts.

Gibt es „Papier ist geduldig“ auf Englisch?

Eine feste englische Entsprechung ist nicht verbreitet. Am nächsten kommt die Wendung „on paper“, etwa „It looks good on paper“, wenn etwas nur in der Theorie überzeugt.

Was bedeutet „epistula non erubescit“?

Der lateinische Satz heißt übersetzt „Ein Brief errötet nicht“. Cicero meinte damit, dass man schriftlich wagt, was man mündlich aus Scham nicht sagen würde.

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