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Ich glaub, ich spinne

Kurz gesagt

Umgangssprachlicher Ausruf der Empörung oder Fassungslosigkeit, wenn etwas so absurd ist, dass man am eigenen Verstand zweifelt.

Auf Englisch
Are you kidding me?
Am I seeing things?
Auch gesagt
Ich glaube, ich spinne

Was bedeutet „Ich glaub, ich spinne“?

„Ich glaub, ich spinne!“ sagt man, wenn etwas so unerhört oder unwahrscheinlich ist, dass man eher am eigenen Verstand zweifelt als an dem, was man sieht. „Spinnen“ heißt hier umgangssprachlich so viel wie „nicht recht bei Verstand sein“, so erklärt es der Duden. Meist ist der Ausruf empört: Jemand hat die Einfahrt zugestellt, der Mitbewohner hat den letzten Kaffee getrunken, die Bahn fällt zum dritten Mal aus. Man kann ihn aber auch ungläubig und freudig sagen, wenn plötzlich etwas klappt, womit niemand gerechnet hat.

Der Ausruf ist salopp und direkt. Er richtet sich der Form nach gegen den Sprecher selbst, nicht gegen andere, und ist deshalb weniger verletzend als „Du spinnst wohl!“. In einem Streit klingt er trotzdem scharf, weil er Fassungslosigkeit über das Verhalten eines anderen zeigt. Im Schriftlichen findet er sich in Chats, Leserbriefen und Kolumnen, selten in sachlichen Texten. OpenThesaurus stellt ihn neben „Ich glaub, ich steh im Wald!“ und „Ich werd verrückt!“.

Woher kommt „Ich glaub, ich spinne“?

Der Ausruf beruht auf einer übertragenen Bedeutung von „spinnen“. Ursprünglich heißt das Verb, Fasern zu einem Faden zu drehen. Schon lange spinnt man aber auch Gedanken, Ränke oder Intrigen, denkt sich also etwas aus. Wolfgang Pfeifers Etymologisches Wörterbuch belegt den „Spinner“ im 17. Jahrhundert bildlich als jemanden, der Böses ersinnt, und im 19. Jahrhundert umgangssprachlich als jemanden, der sich unrealistische, wunderliche Dinge ausdenkt. Der Duden erklärt die saloppe Bedeutung „nicht recht bei Verstand sein“ entsprechend mit „eigentlich = (eigenartige) Gedanken spinnen“.

Mit den Arbeitshäusern früherer Zeit, in denen gesponnen werden musste, verbindet der Duden nur eine andere saloppe Bedeutung des Verbs: „in einer Haftanstalt eine Strafe verbüßen“. Wann genau die feste Formel „Ich glaub, ich spinne“ aufkam, ist nicht belegt.

Beispiele aus dem Alltag

  • Herr Schäfer kommt vom Bäcker zurück, und vor seiner Garage parkt ein Lieferwagen. „Ich glaub, ich spinne! Der steht da jetzt seit einer Stunde.“

  • Mia schaut auf ihr Zeugnis: eine Eins in Mathe, zum ersten Mal überhaupt. „Ich glaub, ich spinne“, flüstert sie und macht ein Foto für Oma.

  • „Ich glaub, ich spinne, wer hat den ganzen Kuchen gegessen?“, ruft Vater Malik in die verdächtig stille Wohnung.

Häufige Fragen

Was bedeutet „spinnen“ in „Ich glaub, ich spinne“?

„Spinnen“ bedeutet hier umgangssprachlich „nicht recht bei Verstand sein“. Der Duden leitet das von der Vorstellung ab, dass jemand eigenartige Gedanken spinnt.

Ist „Ich glaub, ich spinne“ unhöflich?

Der Ausruf ist salopp, aber nicht beleidigend, weil der Sprecher sich selbst meint. Kränkend wird erst „Du spinnst wohl!“, das sich gegen das Gegenüber richtet.

Wie sagt man „Ich glaub, ich spinne“ auf Englisch?

Je nach Ton passt „Are you kidding me?“ für Empörung oder „Am I seeing things?“ für ungläubiges Staunen.

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