Da brat mir einer einen Storch
Kurz gesagt
Umgangssprachlicher Ausruf großer Verwunderung: Das ist unerhört, das hätte man nie für möglich gehalten.
- Auf Englisch
- Well, I never!
- I’ll be a monkey’s uncle!
- Auch gesagt
- Jetzt brat mir einer einen Storch
- Brat mir ’nen Storch
- Da brat mir einer einen Storch, aber die Beine recht knusprig
Was bedeutet „Da brat mir einer einen Storch“?
„Da brat mir einer einen Storch!“ ruft man, wenn etwas so überraschend ist, dass man es kaum glauben kann. Der Duden nennt die Wendung einen umgangssprachlichen Ausdruck der Verwunderung. Gemeint ist: Das ist unerhört, das ist eigentlich unmöglich. Anlass kann eine erfreuliche Überraschung sein, etwa wenn der notorisch unpünktliche Kollege als Erster im Meeting sitzt, ebenso aber eine ärgerliche, denn Wiktionary verzeichnet den Ausruf auch für Verärgerung.
Die Wendung hat einen humorvollen, leicht altertümlichen Klang und wird heute oft bewusst augenzwinkernd eingesetzt. Häufig beginnt sie mit „Jetzt“ statt „Da“, und gelegentlich hängt man noch „aber die Beine recht knusprig“ an, um die Übertreibung zu steigern. Kürzer und salopper ist „Brat mir ’nen Storch!“. Wer den Ausruf benutzt, muss nicht an Störche denken: Das Bild ist längst verblasst, geblieben ist die komische Wirkung einer völlig absurden Bitte.
Woher kommt „Da brat mir einer einen Storch“?
Lutz Röhrich erklärt den Ausruf damit, dass Störche tatsächlich nicht gebraten und gegessen werden. Wer einen Storch auf den Tisch bringt, tut etwas, das es nicht gibt. Der gebratene Storch steht also für das Unerhörte, und wer sich einen braten lassen will, erklärt damit das eben Gehörte für ebenso unglaublich.
Für das Tabu werden zwei Gründe genannt. Die Bibel zählt den Storch zu den Vögeln, die man nicht essen soll. In der Lutherbibel heißt es in der Liste der verbotenen Vögel: „den Storch, alle Arten des Reihers, den Wiedehopf und die Fledermaus“ (3. Mose 11,19). Hinzu kommt der Volksglaube, der den Storch als Glücksbringer und Sinnbild der Fruchtbarkeit schätzte. Einen Storch zu schlachten, war demnach undenkbar. Seit wann die Redensart im Umlauf ist, lässt sich nicht genau sagen.
Quellen
- Duden: Storch
- Lutherbibel 2017: 3. Mose 11,19
- Wiktionary: da brat mir einer einen Storch
- Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Stichwort ‚Storch‘
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Kevin, der sonst jede Hausaufgabe vergisst, gibt als Erster sein Referat ab. Die Lehrerin schaut auf den Ordner: „Da brat mir einer einen Storch. Und sogar mit Quellenangaben!“
Im Vereinsheim verkündet der Kassenwart, dass die Kasse zum ersten Mal seit Jahren im Plus ist. „Jetzt brat mir einer einen Storch“, ruft Trainer Heinz.
Paula zeigt ihrem Vater die Nachricht: Ihr Bruder hat freiwillig sein Zimmer aufgeräumt. „Da brat mir doch einer einen Storch“, sagt er.
Häufige Fragen
Warum ausgerechnet ein Storch?
Weil Störche nicht gegessen werden. Die Bibel zählt sie zu den verbotenen Vögeln, und im Volksglauben galten sie als Glücksbringer. Einen Storch zu braten, steht deshalb für etwas Unerhörtes.
Steht der Storch in der Bibel?
Ja. In 3. Mose 11,19 wird der Storch unter den Vögeln genannt, die man nicht essen soll. Die Redensart „Da brat mir einer einen Storch“ selbst steht aber nicht in der Bibel.
Was bedeutet der Zusatz „aber die Beine recht knusprig“?
Er steigert die Übertreibung ins Komische: Wenn schon ein Storch gebraten wird, dann bitte mit knusprigen Beinen. Röhrich verzeichnet diesen Zusatz als gelegentliche Erweiterung.
Kurzer Test
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