Aus dem Stegreif
Kurz gesagt
Ohne Vorbereitung, spontan und improvisiert, etwa eine Rede halten oder ein Gedicht vortragen.
- Auf Englisch
- Off the cuff
- Impromptu
- Ad lib
- Auch gesagt
- Im Stegreif
Was bedeutet „Aus dem Stegreif“?
„Aus dem Stegreif“ heißt: ohne Vorbereitung, spontan, improvisiert. Man hält eine Rede aus dem Stegreif, übersetzt einen Brief aus dem Stegreif oder reimt aus dem Stegreif ein paar Verse zum Geburtstag. Als typische Verben nennt das DWDS „antworten“, „dichten“, „erzählen“, „improvisieren“, „reden“ und „vortragen“. Die Wendung ist stilistisch neutral und begegnet einem im Beruf ebenso wie im Theater, wo es Stegreiftheater und Stegreifkomödie gibt, oder in Bayerns Schulen, wo die „Stegreifaufgabe“ eine unangekündigte kurze Prüfung ist.
Meist klingt sie anerkennend: Wer aus dem Stegreif eine gute Rede hält, zeigt, dass er sein Thema beherrscht. Sie kann aber auch entschuldigen („Ich sage das jetzt mal aus dem Stegreif“) oder tadeln, wenn etwas sichtbar unvorbereitet ist. Ein häufiger Fehler ist die Schreibung „Stehgreif“, als hätte das Wort mit „stehen“ und „greifen“ zu tun; das DWDS nennt sie ausdrücklich als Falschschreibung. Im alten Sinn „Steigbügel“ ist das Wort veraltet, es lebt in dieser Wendung und in Zusammensetzungen fort.
Woher kommt „Aus dem Stegreif“?
„Stegreif“ ist ein altes Wort für den Steigbügel: althochdeutsch „stegareif“ (11. Jahrhundert), mittelhochdeutsch „stegereif“. Nach Pfeifers Etymologischem Wörterbuch ist es aus „stegōn“ (gehen, steigen) und „reif“ (Seil, Strick, Band) gebildet; ursprünglich war der Stegreif wohl eine Seil- oder Riemenschlinge am Sattel. Das englische „stirrup“ ist verwandt. Seit dem 17. Jahrhundert wurde das Wort von „Steigbügel“ verdrängt.
„Aus dem Stegreif“ bedeutet nach Duden und Pfeifer eigentlich „ohne vom Pferd abzusteigen“: Was ein Reiter aus dem Stegreif erledigte, tat er sofort, noch im Sattel. Daneben gab es seit etwa 1500 „sich aus dem Stegreif nähren“, also als berittener Wegelagerer vom Straßenraub leben; Sebastian Brant schreibt im „Narrenschiff“ (1494) „man vsz dem stägenreiff sich nert“, und daher kommt der „Ritter vom Stegreif“. Grimms Wörterbuch sieht in dieser Wendung „die stärkste wurzel“ der heutigen Bedeutung, denn wer so lebte, lebte ohne große Überlegung. Im Sinn von „ohne Vorbereitung“ ist „aus dem Stegreif“ seit dem 17. Jahrhundert belegt, etwa bei Harsdörffer, und wurde im 18. Jahrhundert geläufig.
Beispiele aus dem Alltag
Der Festredner steckt im Stau. Kurzerhand übernimmt Frau Albers die Begrüßung aus dem Stegreif, und niemand merkt, dass sie keinen Zettel in der Hand hat.
„Kannst du mir das mal aus dem Stegreif übersetzen?“, fragt der Chef und schiebt Aylin eine türkische E-Mail über den Tisch.
Beim Polterabend dichtet Onkel Bernd aus dem Stegreif ein Gedicht auf das Brautpaar. Es reimt sich nur halb, aber der ganze Saal lacht.
Häufige Fragen
Was ist ein Stegreif?
Ein Stegreif ist ein alter Name für den Steigbügel, ursprünglich wohl eine Seil- oder Riemenschlinge am Sattel. In diesem Sinn kommt das Wort heute nur noch in „aus dem Stegreif“ und in Zusammensetzungen wie „Stegreiftheater“ vor.
Schreibt man „Stegreif“ oder „Stehgreif“?
Richtig ist nur „Stegreif“. Das Wort hat nichts mit „stehen“ oder „greifen“ zu tun, es kommt vom althochdeutschen „stegareif“, dem Steigbügel. „Stehgreif“ ist ein verbreiteter Rechtschreibfehler.
Woher kommt „aus dem Stegreif“?
„Aus dem Stegreif“ bedeutet eigentlich „ohne vom Pferd abzusteigen“: Was ein Reiter aus dem Stegreif tat, erledigte er sofort, noch im Sattel. Mitgeprägt hat die Wendung das ältere „sich aus dem Stegreif nähren“, das Leben berittener Wegelagerer.
Wie sagt man „aus dem Stegreif“ auf Englisch?
Üblich sind „off the cuff“ und „impromptu“. Wer im Theater oder bei einer Rede improvisiert, „ad-libs“.
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Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
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