Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage
Kurz gesagt
Steht für eine Entscheidung, bei der es ums Ganze geht. Oft scherzhaft, wenn eine Kleinigkeit zur Schicksalsfrage aufgebauscht wird.
- Auf Englisch
- To be, or not to be, that is the question
- Auch gesagt
- Sein oder Nichtsein
Was bedeutet „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“?
„Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ beschreibt eine Lage, in der alles auf dem Spiel steht: weitermachen oder aufgeben, bestehen oder untergehen. Ernst gebraucht, passt der Satz zu Situationen, die für jemanden tatsächlich existenziell sind, etwa wenn ein Verein am letzten Spieltag gegen den Abstieg kämpft oder ein Familienbetrieb über die Schließung entscheiden muss. Häufiger ist er ironisch: Man zitiert ihn mit theatralischer Geste vor dem offenen Kühlschrank, bei der Wahl zwischen Pizza und Salat oder vor dem Klick auf „Abo kündigen“.
Die Komik lebt vom Abstand zwischen dem berühmten Pathos und der kleinen Sache. Oft genügt die erste Hälfte, „Sein oder Nichtsein“, und auch „Das ist hier die Frage“ wird für sich zitiert, wenn jemand eine Frage für die entscheidende hält. Viele verbinden den Satz mit dem Bild Hamlets, der einen Totenschädel in der Hand hält. Das ist eine andere Szene: Den Schädel des Hofnarren Yorick betrachtet Hamlet erst auf dem Friedhof im fünften Akt. Für den Monolog über Sein und Nichtsein sieht Shakespeares Text kein Requisit vor.
Woher kommt „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“?
Der Satz eröffnet den berühmtesten Monolog aus William Shakespeares Tragödie „Hamlet“, entstanden um 1600 (3. Aufzug, 1. Szene). Der König und Polonius haben sich versteckt, um Hamlet bei einer Begegnung mit Ophelia zu belauschen. Hamlet tritt auf und denkt laut nach: „To be, or not to be, that is the question“. In August Wilhelm Schlegels Übersetzung von 1798 lautet der Anfang: „Sein oder Nichtsein; das ist hier die Frage: / Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern / Des wütenden Geschicks erdulden oder, / Sich waffnend gegen eine See von Plagen, / Durch Widerstand sie enden?“ Das „hier“ ist ein Zusatz Schlegels, im Englischen steht es nicht.
Hamlet wägt ab, ob man das Unrecht der Welt ertragen oder sich ihm entziehen soll, bis hin zum Tod, den er mit dem Schlaf vergleicht. Ihn hält die Furcht vor dem zurück, was danach kommen könnte, „das unentdeckte Land, von des Bezirk / Kein Wandrer wiederkehrt“. Sein Schluss: „So macht Bewußtsein Feige aus uns allen“. Georg Büchmann verzeichnet den ersten Vers 1898 unter den geflügelten Worten aus Shakespeare.
Beispiele aus dem Alltag
Der VfL braucht am letzten Spieltag einen Sieg, sonst steigt er ab. Der Stadionsprecher begrüßt die Fans mit: „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.“
Lukas steht seit fünf Minuten vor dem offenen Kühlschrank und hält den letzten Schokopudding in der Hand. „Sein oder Nichtsein“, murmelt er, „das ist hier die Frage.“
Im Stadtrat geht es um das Hallenbad, das seit Jahren rote Zahlen schreibt. Ratsfrau Yilmaz sagt: „Für unseren Schwimmverein heißt das: Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.“
Häufige Fragen
Aus welchem Stück stammt „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“?
„Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ ist der Anfang von Hamlets Monolog in Shakespeares „Hamlet“, 3. Aufzug, 1. Szene. Die deutsche Fassung stammt aus der Übersetzung von August Wilhelm Schlegel (1798).
Hält Hamlet bei „Sein oder Nichtsein“ einen Totenschädel?
Nein. Für den Monolog „Sein oder Nichtsein“ sieht Shakespeares Text keinen Schädel vor. Den Schädel des Narren Yorick nimmt er erst in der Friedhofsszene im 5. Aufzug, 1. Szene.
Wie lautet „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ im Original?
Bei Shakespeare heißt es „To be, or not to be, that is the question“. Das Wort „hier“ hat erst August Wilhelm Schlegel in seiner Übersetzung hinzugefügt.
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