Olle Kamellen
Kurz gesagt
Altbekannte Geschichten und Neuigkeiten, die längst niemanden mehr interessieren.
- Auf Englisch
- Old hat
- Old news
- Ancient history
- Auch gesagt
- Alte Kamellen
- Olle Kamellen aufwärmen
Was bedeutet „Olle Kamellen“?
Olle Kamellen sind alte, längst bekannte Geschichten, Witze oder Nachrichten, die nichts Neues mehr bieten. Wer sagt „Das sind doch olle Kamellen“, winkt ab: Darüber wurde genug geredet, das weiß jeder, das ist erledigt. Die Wendung ist umgangssprachlich und norddeutsch gefärbt, „olle“ ist die niederdeutsche Form von „alte“. Daneben steht die Form „alte Kamellen“.
Typisch sind die Verben: Man wärmt olle Kamellen auf oder gräbt sie aus, wenn man einen alten Streit oder eine abgedroschene Anekdote wieder hervorholt. Der Ausdruck ist leicht abschätzig, aber selten verletzend, und mit ihm lässt sich auch die eigene Geschichte charmant kleinreden („Ach, das sind olle Kamellen“). Im Rheinland schwingt oft ein Missverständnis mit, denn dort sind Kamellen die Bonbons, die beim Karnevalszug geworfen werden. Mit denen hat die Redensart ursprünglich nichts zu tun.
Woher kommt „Olle Kamellen“?
„Kamelle“ ist das niederdeutsche Wort für Kamille. Getrocknete Kamillenblüten verlieren beim langen Lagern ihren Duft und ihre Heilkraft, und genau das ist das Bild: Was zu alt ist, wirkt nicht mehr. So erklärt es der Duden, und so erklärte es schon Fritz Reuter, der seine plattdeutschen Erzählungen unter dem Titel „Olle Kamellen“ herausbrachte. In einem Brief von 1863 schreibt er, der Ausdruck stamme „von de Kamellenbleumen her, dei ock nich recht mihr för bukweihdag helpen will, wenn sei äwerjährig worden sünd“, also von Kamillenblüten, die gegen Bauchweh nicht mehr helfen, wenn sie überjährig sind.
Nach Lutz Röhrich ist die Wendung seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Pommern nachgewiesen, oft mit dem Zusatz „de rükt nich mehr“, die riechen nicht mehr. Die niederdeutsche Form hat sich gegen das hochdeutsche „alte Kamillen“ durchgesetzt. Im Rheinland lehnte man die Redensart an das mundartliche „Karmelle“ für Karamellbonbons an, weil die beiden Wörter dort fast gleich klingen.
Quellen
- Duden: Kamellen
- Wiktionary: Kamelle
- Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Beim Klassentreffen erzählt Torsten zum zehnten Mal, wie er 1998 den Rektor ausgesperrt hat. „Olle Kamellen“, ruft jemand, „erzähl lieber, was du heute machst.“
In der Ratssitzung holt ein Abgeordneter den Streit um das alte Hallenbad wieder hervor. Die Bürgermeisterin seufzt: „Lassen Sie doch die ollen Kamellen ruhen.“
„Hast du gehört, dass Jana und Kai sich getrennt haben?“, fragt Paula. Ihre Freundin winkt ab: „Olle Kamellen, die sind längst wieder zusammen.“
Häufige Fragen
Was sind Kamellen?
In der Redensart ist „Kamelle“ das niederdeutsche Wort für Kamille. Im Rheinland heißen dagegen die Bonbons Kamellen, die beim Karneval von den Wagen geworfen werden, das ist ein anderes Wort.
Heißt es „olle Kamellen“ oder „alte Kamellen“?
Beides ist richtig. „Olle“ ist die niederdeutsche und umgangssprachliche Form von „alte“ und in der Redensart die bekanntere. Der Duden führt beide Formen.
Wie sagt man „olle Kamellen“ auf Englisch?
Gebräuchlich sind „old hat“, „old news“ und für längst Vergangenes „ancient history“.
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