Mein lieber Scholli
Kurz gesagt
Umgangssprachlicher Ausruf des Staunens, der Bewunderung oder der Erleichterung, etwa wenn etwas beeindruckend oder knapp war.
- Auf Englisch
- Boy oh boy!
- My, my!
Was bedeutet „Mein lieber Scholli“?
„Mein lieber Scholli!“ entfährt einem, wenn etwas beeindruckt, verblüfft oder gerade noch gut gegangen ist. Der Duden nennt Erstaunen, Bewunderung und Erleichterung, sein Beispiel lautet: „mein lieber Scholli, das war aber knapp!“ Das DWDS beschreibt den Ausruf als Ausdruck von Staunen, Anerkennung und Verblüffung. Man sagt ihn beim Anblick eines alten Fotos, nach einem Beinahe-Unfall oder wenn jemand eine Leistung hinlegt, die man ihm nicht zugetraut hätte.
Der Ausruf ist gemütlich und ein wenig altmodisch, aber keineswegs vergessen: In Zeitungsberichten taucht er bis heute auf, das DWDS zitiert Belege bis ins Jahr 2020. Eine Person namens Scholli ist nicht gemeint, das Wort kommt außerhalb dieser Wendung praktisch nicht vor. Gerade das macht den Ausruf unverwechselbar. Mit „Mein lieber Herr Gesangsverein“ teilt er die Bedeutung des Staunens; der Gesangverein kann laut Duden und DWDS aber auch Verärgerung oder Kritik ausdrücken, der Scholli steht eher für Bewunderung und Erleichterung.
Woher kommt „Mein lieber Scholli“?
„Scholli“ stammt nach dem Duden vom französischen „joli“, das „hübsch, niedlich“ bedeutet und in Anreden so viel wie „mein Kleiner“ heißen konnte. Die deutsche Schreibung gibt die französische Aussprache wieder, denn das französische „j“ klingt ähnlich wie ein weiches „sch“. „Mein lieber Scholli“ wäre demnach ursprünglich eine scherzhafte, halb eingedeutschte Anrede gewesen, aus der ein bloßer Ausruf wurde. Ein Artikel der „Rhein-Zeitung“ von 2013, den das DWDS zitiert, nennt dieselbe Herkunft.
Wann und wo die Wendung aufkam, ist nicht belegt; Duden und DWDS nennen weder Erstbeleg noch Region. Gut erkennbar ist das Muster „mein lieber …“, das auch in „Mein lieber Herr Gesangsverein“ und „Mein lieber Schwan“ steckt. Für den Schwan vermutet der Duden eine Kürzung aus Richard Wagners „Lohengrin“.
Beispiele aus dem Alltag
Opa Werner zeigt ein Foto von 1972, auf dem Oma im Minikleid posiert. „Mein lieber Scholli, die sah aber flott aus!“
Der Radfahrer bremst Zentimeter vor dem Linienbus. Leonie atmet hörbar aus: „Mein lieber Scholli, das war knapp.“
Im Teamchat postet die Chefin das Quartalsergebnis, 20 Prozent über Plan. Kollege Arne schreibt darunter: „Mein lieber Scholli!“
Häufige Fragen
Wer ist Scholli?
„Scholli“ ist keine Person. Nach dem Duden geht das Wort auf das französische „joli“ (hübsch, niedlich) zurück, das in Anreden „mein Kleiner“ bedeuten konnte.
Was ist der Unterschied zu „Mein lieber Herr Gesangsverein“?
Beide Ausrufe drücken Staunen und Anerkennung aus. „Mein lieber Herr Gesangsverein“ kann laut Duden und DWDS zusätzlich Verärgerung oder Kritik ausdrücken, „Mein lieber Scholli“ steht eher für Bewunderung oder Erleichterung.
Wie schreibt man „Scholli“?
Der Duden schreibt „Scholli“ mit großem Anfangsbuchstaben und Doppel-l. Die französische Ausgangsform „joli“ ist im deutschen Ausruf nicht üblich.
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