Mein lieber Herr Gesangsverein
Kurz gesagt
Scherzhafter Ausruf der Bewunderung, Verblüffung oder Missbilligung, der je nach Tonfall anerkennend oder tadelnd klingt.
- Auf Englisch
- My goodness!
- Boy oh boy!
- Auch gesagt
- Mein lieber Herr Gesangverein
Was bedeutet „Mein lieber Herr Gesangsverein“?
„Mein lieber Herr Gesangsverein!“ ruft man, wenn einen etwas beeindruckt oder verblüfft, im Guten wie im Schlechten. Der Duden verzeichnet den saloppen Ausruf in der Schreibung „Gesangverein“ und schreibt ihm Bewunderung, Überraschung, Verärgerung oder Bekräftigung zu. Das DWDS betont, dass er Anerkennung ebenso ausdrücken kann wie Kritik. So kommentiert man einen Freistoß aus 25 Metern, eine riesige Hochzeitstorte oder eine Rechnung, die jeden Rahmen sprengt.
Der Reiz liegt in der feierlichen Anrede: Ein Verein wird angesprochen wie eine Respektsperson. Das klingt altmodisch, gemütlich und ein bisschen nach Vereinsheim. Deshalb passt der Ausruf gut in lockere Runden, in die Sportberichte der Lokalzeitung oder auf Familienfeiern. Als Tadel wirkt er milder als ein ernstes Wort, er kann aber durchaus spitz sein, etwa beim Blick auf einen Aufsatz voller Fehler. Verwandt sind „Mein lieber Scholli“ und „Mein lieber Schwan“, die nach demselben Muster gebaut sind und auf die das DWDS verweist.
Woher kommt „Mein lieber Herr Gesangsverein“?
Woher der Ausruf stammt, ist nicht belegt. Duden und DWDS verzeichnen ihn, nennen aber weder Herkunft noch Erstbeleg. Erklären lässt sich zumindest das Bild: Der Gesangverein, nach dem Duden ein Verein, in dem meist volkstümlicher Chorgesang gepflegt wird, war ein fester Bestandteil des deutschen Vereinslebens. Ihn als „Herrn“ anzureden, verbindet das Vertraute mit übertriebener Förmlichkeit, und darin liegt der Witz.
Die Formel „mein lieber …“ kennt man auch aus anderen Ausrufen. Für „Mein lieber Schwan“ vermutet der Duden eine Kürzung aus Richard Wagners „Lohengrin“ („Nun sei bedankt, mein lieber Schwan“), für „Mein lieber Scholli“ eine Herkunft aus dem französischen „joli“. Ob der Gesangverein einem dieser Vorbilder folgt oder unabhängig entstand, ist offen.
Beispiele aus dem Alltag
Beim Kreisliga-Derby zirkelt Lukas den Freistoß aus 25 Metern in den Winkel. Der Vereinsvorsitzende springt auf: „Mein lieber Herr Gesangsverein!“
Tante Gisela sieht die vierstöckige Hochzeitstorte und schlägt die Hände zusammen. „Mein lieber Herr Gesangsverein, wer soll das alles essen?“
Die Deutschlehrerin gibt Jonas den Aufsatz zurück, der vor roten Anstreichungen leuchtet. „Mein lieber Herr Gesangverein, darüber reden wir noch.“
Häufige Fragen
Heißt es „Gesangverein“ oder „Gesangsverein“?
Beides ist richtig. Der Duden führt den Ausruf unter „Gesangverein“ und nennt „Gesangsverein“ als gleichbedeutende Form, das DWDS verzeichnet beide Schreibungen.
Ist „Mein lieber Herr Gesangsverein“ Lob oder Tadel?
„Mein lieber Herr Gesangsverein“ kann beides sein. Der Ausruf drückt Bewunderung ebenso aus wie Verärgerung oder Kritik, welche Bedeutung gemeint ist, zeigt der Tonfall.
Wie sagt man das auf Englisch?
Eine wörtliche Übersetzung versteht im Englischen niemand. Ähnlich wirken „My goodness!“ oder „Boy oh boy!“.
Kurzer Test
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Der Ton macht …