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Lehrjahre sind keine Herrenjahre

Kurz gesagt

Wer noch lernt, muss sich unterordnen, viel arbeiten und auch unbeliebte Aufgaben übernehmen; Vorrechte kommen erst mit dem Können.

Auf Englisch
You have to pay your dues
Auch gesagt
Lehrjahre sind keine Meisterjahre

Was bedeutet „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“?

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ heißt: Wer etwas lernt, hat noch nichts zu bestimmen, muss sich unterordnen und auch die mühsamen und unbeliebten Arbeiten übernehmen. Das DWDS nennt als Beispiele, dass man Vorgesetzten gehorchen, früh aufstehen und viel lernen muss. Man hört den Satz in der Werkstatt, im Krankenhaus, in der Kanzlei oder im Referendariat, wenn jemand über Botengänge, Kaffeekochen, Wochenenddienste oder ein mageres Gehalt klagt. Oft sagen ihn Ältere, die es selbst so erlebt haben.

Der Ton ist belehrend, manchmal auch tröstend gemeint: Die harte Zeit geht vorbei. Heute stößt der Satz oft auf Widerspruch, weil er auch dazu dienen kann, unbezahlte Überstunden oder ausbildungsfremde Arbeit schönzureden. Zeitungen zitieren ihn deshalb häufig als „alten Spruch“, der junge Leute eher abschreckt. Das Wort „Herr“ meint hier keinen feinen Herrn, sondern den Meister oder Dienstherrn, der selbst bestimmen kann. Herrenjahre sind die Jahre, in denen man niemandem mehr gehorchen muss.

Woher kommt „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“?

Das Sprichwort stammt aus der Welt der Handwerkslehre. Wander verzeichnet 1873 „Lehrjahre sind keine Herren-(Meister-, Frauen-)jahre“ und belegt es mit älteren Sammlungen, darunter Körte und Simrock (1846). Die Fassung mit „Meisterjahre“ zeigt, wie „Herr“ zu verstehen ist. Daneben stehen bei Wander deutlich drastischere Formen: „Lehrjahre sind Marterjahre“, „Lehrjahre sind Scherjahre“ und plattdeutsch „Lärjâre sint Pärjâre“, also Pferdejahre, was Wander mit „Jahre der sauersten Arbeit“ erklärt.

Das Wort „Lehrjahr“ ist viel älter als diese Belege. Josua Maaler verzeichnet „leerjar“ schon 1561 für die ersten Jahre der Lehre und Übung. Das Grimmsche Wörterbuch nennt es ein Wort der Handwerker und Gewerbetreibenden, die von einem Lehrling eine feste Zahl von Lehrjahren verlangen. Wer das Sprichwort zuerst gesagt hat, ist nicht bekannt. Wander stellt ihm das französische „Apprenti n’est pas maître“ zur Seite: Ein Lehrling ist kein Meister.

Beispiele aus dem Alltag

  • Azubi Jonas lagert in der Kfz-Werkstatt seit einer Woche Winterreifen ein. Der Meister klopft ihm auf die Schulter: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Im Frühjahr darfst du an die Motoren.“

  • Assistenzärztin Selin hat den dritten Wochenenddienst in Folge. In der Gruppe ihrer Freundinnen schreibt sie: „Mein Oberarzt sagt nur ‚Lehrjahre sind keine Herrenjahre‘. Ich kann den Spruch nicht mehr hören.“

  • Bei einer Diskussion über den Fachkräftemangel sagt die Vertreterin der Handwerkskammer: „Mit ‚Lehrjahre sind keine Herrenjahre‘ gewinnen wir heute keinen Azubi mehr.“

Häufige Fragen

Was sind „Herrenjahre“?

In „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ meint „Herr“ den Meister oder Dienstherrn, der selbst bestimmen kann. Herrenjahre sind also die Jahre, in denen man niemandem mehr gehorchen muss. Wander verzeichnet auch die Fassung „Lehrjahre sind keine Meisterjahre“.

Woher kommt „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“?

Das Sprichwort kommt aus der Handwerkslehre und steht in Sammlungen des 19. Jahrhunderts, etwa bei Körte, Simrock (1846) und Wander (1873). Wer es zuerst gesagt hat, ist nicht bekannt.

Ist „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ noch zeitgemäß?

Das DWDS führt den Satz als gängiges Sprichwort mit Belegen bis 2024. Dort wird er allerdings oft kritisch zitiert, weil er auch schlechte Behandlung von Auszubildenden rechtfertigen kann. Gemeint ist im Kern nur, dass Lernende noch keine Vorrechte haben.

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