Jemandem die Leviten lesen
Kurz gesagt
Jemandem eine ernste, ausführliche Strafpredigt halten und ihn nachdrücklich an seine Pflichten erinnern.
- Ursprung
- Aus der Bibel
- Auf Englisch
- to read someone the riot act
- to haul someone over the coals
- Auch gesagt
- Jemandem das Kapitel lesen
Was bedeutet „Jemandem die Leviten lesen“?
Wer jemandem die Leviten liest, hält ihm eine Strafpredigt: Er zählt auf, was falsch gelaufen ist, und erinnert ihn nachdrücklich an seine Pflichten. Die Wendung passt zu Situationen, in denen jemand mit erhobenem Zeigefinger spricht, etwa die Großmutter, die dem Enkel nach der verpatzten Prüfung die Leviten liest, der Vereinsvorsitzende vor einer schlampigen Jugendabteilung oder eine Ministerin, die Konzernchefs öffentlich ermahnt. Der Ton ist umgangssprachlich und oft leicht ironisch, weil das Bild an eine Predigt in der Kirche erinnert.
Anders als bei einem kurzen Anpfiff schwingen bei den Leviten Länge und Grundsätzlichkeit mit: Es wird nicht nur ein Fehler genannt, sondern das ganze Verhalten durchgenommen. Viele Sprecher wissen nicht mehr, wer die Leviten waren, und halten das Wort für ein beliebiges Fremdwort. Verwandt sind die ältere Wendung „jemandem das Kapitel lesen“ und das Verb „abkapiteln“, die ebenfalls aus dem kirchlichen Leben stammen.
Woher kommt „Jemandem die Leviten lesen“?
Die Leviten sind im Alten Testament die Nachkommen Levis, eines Sohnes Jakobs, die am Heiligtum Dienst taten. Das dritte Buch Mose heißt nach ihnen „Levitikus“ und enthält vor allem Vorschriften für Kult und Priester. Das Etymologische Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer, das im DWDS steht, datiert die Wendung ins 15. Jahrhundert und führt sie auf einen mittelalterlichen Brauch zurück: Geistlichen wurde regelmäßig aus der Bibel vorgelesen, vor allem aus dem Levitikus, und daran schlossen sich Ermahnungen und Rügen an.
Oft wird in diesem Zusammenhang die Regel genannt, mit der Bischof Chrodegang von Metz um 754 das gemeinsame Leben der Geistlichen ordnete. Ob dort gerade aus dem Levitikus gelesen wurde, geben die Wörterbücher allerdings nicht an. Sicher ist der Kern: Aus der Lesung mit anschließender Strafpredigt wurde ein Bild für jede scharfe Zurechtweisung.
Beispiele aus dem Alltag
Nach dem dritten Zuspätkommen bittet die Ausbilderin den Azubi Dominik ins Büro und liest ihm die Leviten: Pünktlichkeit, Absprachen, Verantwortung, alles auf einmal.
Als die Jugendmannschaft das Vereinsheim verwüstet zurücklässt, liest der Vorsitzende allen beim nächsten Training gründlich die Leviten.
„Hat Oma dir wegen der Fünf in Mathe die Leviten gelesen?“, fragt Lina ihren Bruder. „Eine halbe Stunde lang“, stöhnt er.
Häufige Fragen
Wer sind die Leviten?
Die Leviten sind im Alten Testament die Nachkommen Levis, die den Dienst am Heiligtum versahen. Nach ihnen ist das dritte Buch Mose, der Levitikus, benannt.
Steht „jemandem die Leviten lesen“ in der Bibel?
Nein, die Redewendung selbst steht nicht in der Bibel. Sie bezieht sich aber auf den biblischen Levitikus, aus dem Geistlichen im Mittelalter vorgelesen wurde, bevor man sie ermahnte.
Wie sagt man „jemandem die Leviten lesen“ auf Englisch?
Gängig sind „to read someone the riot act“ und „to haul someone over the coals“. Beide meinen eine scharfe Zurechtweisung.
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