Jemandem auf den Schlips treten
Kurz gesagt
Jemanden mit einer Bemerkung oder einem Verhalten kränken oder beleidigen, oft ohne es zu wollen.
- Auf Englisch
- To step on someone’s toes
- To tread on someone’s toes
- Auch gesagt
- Sich auf den Schlips getreten fühlen
Was bedeutet „Jemandem auf den Schlips treten“?
„Jemandem auf den Schlips treten“ heißt: jemanden kränken oder beleidigen, ihm zu nahe treten. Oft geschieht das unabsichtlich, mit einer flapsigen Bemerkung, einer Kritik vor anderen oder einer Entscheidung, bei der man jemanden übergangen hat. Darum steht die Wendung gern in Vorreden und Entschuldigungen: „Ich will dir nicht auf den Schlips treten, aber …“ Sehr häufig ist auch die Form „sich auf den Schlips getreten fühlen“, also gekränkt oder beleidigt sein.
Der Ton ist umgangssprachlich und eher leicht. Gemeint ist meist verletzter Stolz, keine schwere Beleidigung. Wer sich schnell auf den Schlips getreten fühlt, gilt als empfindlich, und so kann die Wendung auch spöttisch klingen. Mit Krawatten hat sie nur scheinbar zu tun. Heute denkt jeder an den Binder um den Hals, ursprünglich war aber ein anderes Kleidungsstück gemeint, auf das man tatsächlich treten konnte.
Woher kommt „Jemandem auf den Schlips treten“?
„Schlips“ kommt aus dem Niederdeutschen. Nach dem DWDS ist es ursprünglich die norddeutsche Pluralform zu „Slip(p)“, Zipfel: das Ende eines Halstuchs, der Zipfel eines Hemdes oder der Rockschoß. Erst seit etwa 1840 bezeichnet „Schlips“ in norddeutschen Texten die Krawatte, deren Mode aus England kam. Auch der Duden vermerkt, dass das Wort in den Redewendungen seine alte Bedeutung „Rockschoß, Rockzipfel“ bewahrt hat.
Wer jemandem auf den Schlips trat, trat ihm also ursprünglich auf den Rockschoß. Das DWDS belegt die Wendung in der Umgangssprache erst nach 1900, hält sie aber für älter. Wie aus dem Tritt auf den Rockschoß die Kränkung wurde, erklären die Wörterbücher nicht im Einzelnen. Aus derselben Wurzel stammt „jemanden beim Schlips nehmen“: Mittelniederdeutsch „bī der slippen nēmen“ hieß, jemanden am Rockschoß fassen, und war eine symbolische Rechtshandlung, mit der man ihn vor Gericht forderte.
Beispiele aus dem Alltag
„Ich will dir nicht auf den Schlips treten“, sagt Hanna zu ihrem Kollegen, „aber deine Folien kann man von hinten nicht lesen.“
Der Trainer hat Marco erst zur zweiten Halbzeit eingewechselt. Seitdem fühlt sich der Kapitän auf den Schlips getreten und redet kaum mit ihm.
In der Familiengruppe schreibt Onkel Jürgen, das Grillfleisch sei letztes Jahr zäh gewesen. Tante Gabi, die gegrillt hatte, fühlt sich gewaltig auf den Schlips getreten.
Häufige Fragen
Woher kommt „jemandem auf den Schlips treten“?
Der „Schlips“ in „jemandem auf den Schlips treten“ war ursprünglich keine Krawatte, sondern der Rockschoß. Das Wort kommt aus dem Niederdeutschen, wo „Slip“ einen Zipfel bezeichnet; als Name für die Krawatte ist „Schlips“ erst seit etwa 1840 belegt.
Was bedeutet „sich auf den Schlips getreten fühlen“?
Wer sich auf den Schlips getreten fühlt, ist gekränkt oder beleidigt, weil er eine Bemerkung oder ein Verhalten als Angriff auf sich empfindet. Oft schwingt mit, dass die Reaktion etwas empfindlich ist.
Wie sagt man „jemandem auf den Schlips treten“ auf Englisch?
Die übliche Entsprechung ist „to step on someone’s toes“ oder „to tread on someone’s toes“. Auch im Englischen tritt man dabei jemandem bildlich zu nahe.
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