Einen Zahn zulegen
Kurz gesagt
Schneller werden: das Tempo erhöhen oder sich bei einer Aufgabe mehr anstrengen.
- Auf Englisch
- To step on it
- To pick up the pace
- To get a move on
Was bedeutet „Einen Zahn zulegen“?
Wer einen Zahn zulegt, wird schneller oder strengt sich stärker an. Das kann wörtlich ums Tempo gehen, beim Joggen, im Auto, auf dem Weg zum Bahnhof, oder übertragen um Arbeit und Einsatz: Ein Team, das hinter dem Zeitplan liegt, muss einen Zahn zulegen. Die Wendung ist umgangssprachlich und steht oft als Aufforderung, freundlich antreibend („Komm, leg mal einen Zahn zu“) oder ungeduldig.
Auch Entwicklungen können einen Zahn zulegen: Zeitungen schreiben, der Aufschwung oder das Impftempo habe einen Zahn zugelegt. Verwandt sind „einen Gang zulegen“ und „eine Schippe drauflegen“. „Einen Zahn draufhaben“ heißt dagegen, schon sehr schnell unterwegs zu sein. Gegenüber jemandem, der ohnehin am Limit arbeitet, kann die Aufforderung ruppig wirken.
Woher kommt „Einen Zahn zulegen“?
Der Zahn ist hier ein Teil einer Maschine, kein Zahn im Mund. Der Duden erklärt die Wendung „wohl nach dem mit Zähnen versehenen Teil, an dem früher der Handgashebel entlanggeführt wurde“. In frühen Autos rastete der Hebel für das Gas in einer gezahnten Führung ein, und wer ihn einen Zahn weiterschob, fuhr schneller. Lutz Röhrich nennt neben dem Zahnradgetriebe des Motors eine verwandte Deutung: die stufenweise Regelung der Drehzahl von Maschinen, bei der ein Reglerhebel in ein gezähntes Bauteil einrastete. Beide Erklärungen führen in die Welt der Motoren und Maschinen.
Weit verbreitet ist eine andere Geschichte: In alten Küchen hing der Kochtopf an einem gezahnten Kesselhaken über dem Herdfeuer, und wer ihn einen Zahn tiefer hängte, brachte das Essen schneller zum Kochen. Das klingt anschaulich, wird von den Wörterbüchern aber nicht gestützt. Die Rhein-Zeitung bezeichnete diese Herleitung 2017 ausdrücklich als falsch, wie ein Beleg im DWDS zeigt.
Quellen
- Duden: Zahn
- DWDS: einen Zahn zulegen
- Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Der Bus fährt in sechs Minuten, und Clara sucht im Flur noch ihren Schal. „Leg mal einen Zahn zu“, ruft ihr Vater, „sonst läufst du zur Schule.“
Zwei Wochen vor der Abgabe ist die Bachelorarbeit erst halb fertig. Ole schreibt in die Lerngruppe: „Ich muss jetzt echt einen Zahn zulegen, ab heute keine Serien mehr.“
Beim Halbmarathon läuft Sabine lange im Mittelfeld. Ab Kilometer 15 legt sie einen Zahn zu und überholt noch zwanzig Leute.
Häufige Fragen
Welcher Zahn ist bei „einen Zahn zulegen“ gemeint?
Kein Zahn im Mund, sondern ein Zahn an einem Maschinenteil. Nach dem Duden geht die Wendung auf eine gezahnte Führung zurück, in der früher der Handgashebel einrastete.
Stimmt die Erklärung mit dem Kochtopf über dem Feuer?
Wahrscheinlich nicht. Die Geschichte vom gezahnten Kesselhaken, an dem man den Topf tiefer hängte, ist beliebt, aber Duden und Röhrich erklären die Wendung mit Motoren und Maschinen.
Wie sagt man „einen Zahn zulegen“ auf Englisch?
Üblich sind „to step on it“, „to pick up the pace“ oder „to get a move on“.
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