An Fabian und Sebastian soll der Saft in die Bäume gahn
Kurz gesagt
Um den 20. Januar, den Tag der Heiligen Fabian und Sebastian, sollen die Bäume aus der Winterruhe erwachen und der Saft wieder steigen.
- Auch gesagt
- Um Fabian und Sebastian, da fängt der Baum zu saften an
- An Fabian und Sebastian fängt Baum und Tag zu wachsen an
- Fabian Sebastian lest den Safft ins Holz gahn
Was bedeutet „An Fabian und Sebastian soll der Saft in die Bäume gahn“?
Die Regel „An Fabian und Sebastian soll der Saft in die Bäume gahn“ nennt den 20. Januar als Wendepunkt im Pflanzenjahr: Von nun an sollen die Bäume wieder Saft ziehen, die Natur beginnt sich unmerklich zu regen. „Gahn“ ist eine alte, mundartlich gefärbte Form von „gehen“ und steht da, weil es sich auf „Sebastian“ reimt. Heute liest man den Spruch Ende Januar in Abreißkalendern und Wetterkolumnen, oft zusammen mit einer zweiten Regel zum selben Tag, die eher das Gegenteil ankündigt: „An Fabian und Sebastian fängt der rechte Winter an.“
Beide Regeln lassen sich an der Wirklichkeit messen, und sie schneiden verschieden ab. Die Winterregel trifft das Klima gut. Nach Daten des Deutschen Wetterdienstes liegen die im Mittel kältesten Tage in Deutschland zwischen dem 17. Januar und dem 1. Februar. Die Saftregel kommt dagegen zu früh: Laubbäume ruhen Ende Januar noch, und den Saftstrom, den man beim Anzapfen von Birken nutzt, gibt es erst kurz vor dem Austrieb im März und April. Auch die Kalenderreform von 1582 ändert daran wenig, der alte 20. Januar entspricht dem heutigen 30. Januar. Gemeint war wohl eher, dass mit den wieder länger werdenden Tagen das neue Pflanzenjahr beginnt.
Woher kommt „An Fabian und Sebastian soll der Saft in die Bäume gahn“?
Fabian und Sebastian teilen sich den 20. Januar als Gedenktag. Fabian war Bischof von Rom und starb 250 als Märtyrer unter Kaiser Decius, Sebastian soll der Legende nach unter Diokletian an einen Baum gebunden und mit Pfeilen beschossen worden sein. Mit dem Saft der Bäume hat keiner von beiden etwas zu tun, ihr Tag war schlicht ein fester Punkt im Bauernkalender.
Die Regel ist früh belegt. Wander führt 1867 unter dem Stichwort „Fabian“ die Form „Fabian Sebastian lest den Safft ins Holz gahn“ an und nennt als ältesten Beleg die Sprichwortsammlung von Friedrich Petri aus dem frühen 17. Jahrhundert. Dazu kommen Mundartfassungen aus Straßburg, Tecklenburg, Hannover und der Grafschaft Mark. Wander erklärt, um diese Zeit beginne nach dem Sprichwort die Natur, sich allmählich wieder zu beleben. Die Gegenregel „Fabian Sebastian fängt der rechte Winter an“ verzeichnet er mit der Ortsangabe Koblenz.
Beispiele aus dem Alltag
Ende Januar schneidet Gärtner Brandt die Apfelbäume im Schulgarten. Eine Schülerin fragt, ob die Bäume schon wach sind. „An Fabian und Sebastian soll der Saft in die Bäume gahn“, sagt er, „aber so schnell sind sie nicht.“
Am 20. Januar liegt in Erfurt Raureif auf den Linden. „An Fabian und Sebastian soll der Saft in die Bäume gahn“, liest Moritz aus dem Abreißkalender vor. Seine Mutter zieht die Mütze tiefer: „Davon merke ich nichts.“
Im Heimatverein erzählt der alte Ewald von seinem Vater: „An Fabian und Sebastian soll der Saft in die Bäume gahn, hat er jedes Jahr gesagt. Dann wusste er, dass es zum Frühling nicht mehr weit ist.“
Häufige Fragen
Stimmt die Bauernregel zu Fabian und Sebastian?
Für den Saft in den Bäumen nicht: Laubbäume ruhen Ende Januar noch, der Saftstrom setzt erst kurz vor dem Austrieb im Frühjahr ein. Die zweite Regel zum Tag, „An Fabian und Sebastian fängt der rechte Winter an“, passt dagegen gut zur Klimastatistik, denn die kältesten Tage liegen im Mittel zwischen dem 17. Januar und dem 1. Februar.
Was bedeutet „gahn“?
„Gahn“ ist eine alte, mundartliche Form von „gehen“. Sie steht in der Regel, weil sie sich auf „Sebastian“ reimt.
Wann ist der Tag von Fabian und Sebastian?
Der Gedenktag der Heiligen Fabian und Sebastian ist der 20. Januar. Nach dem alten Kalender, der bis 1582 galt, entsprach dieser Tag dem heutigen 30. Januar.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
Aller Anfang …