Ach du grüne Neune
Kurz gesagt
Umgangssprachlicher, etwas altmodischer Ausruf der Verwunderung oder des Erschreckens, vor allem in Berlin und Norddeutschland bekannt.
- Auf Englisch
- Good grief!
- Oh dear!
Was bedeutet „Ach du grüne Neune“?
„Ach du grüne Neune!“ sagt man, wenn man über etwas erschrickt oder sich sehr wundert: über den Stau auf der Autobahn, über den Berg Wäsche nach dem Urlaub, über eine Nachricht, mit der niemand gerechnet hat. Der Duden nennt die Wendung einen umgangssprachlichen Ausruf der Verwunderung oder des Erschreckens. Sie ist harmlos und klingt nach Großeltern und Kinderbuch, viele Jüngere benutzen sie heute eher mit einem Augenzwinkern.
Verbreitet war der Ausruf vor allem in Berlin und Norddeutschland, heute hört man ihn seltener und meist von Älteren. Oft steckt ein leichtes Entsetzen darin, etwa über etwas Lästiges, das man schon kommen sieht. Freude drückt man damit kaum aus. Wer „Ach du grüne Neune“ sagt, gibt zugleich zu verstehen, dass die Lage zwar ärgerlich, aber nicht wirklich schlimm ist. Für ein echtes Unglück wäre der Ton zu leicht.
Woher kommt „Ach du grüne Neune“?
Die Herkunft ist ungeklärt, so steht es auch im Duden. Lutz Röhrich nennt in seinem „Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten“ zwei Möglichkeiten. Die erste ist eine Spielkarte: Im deutschen Blatt mit Eichel, Grün, Herz und Schellen gibt es die Grün-Neun. Die zweite ist ein Berliner Vergnügungstheater in der Blumenstraße, das im Volksmund „Grüne Neune“ hieß, wohl nach seinem grünen Anstrich und der Hausnummer 9. Unter diesem Namen bestand es bis 1864, als es mit David Kalischs Abschiedsstück „Die letzte Stunde der Grünen Neune“ schloss.
Um 1900 ist außerdem die scherzhafte Verwünschung „Du kriegst die grüne Neun“ belegt, etwa 1893 in einer Sammlung hinterpommerscher Fluchwörter. Ein Zusammenhang mit dem Ausruf ist denkbar. Welche Erklärung zutrifft, lässt sich nicht entscheiden.
Quellen
- Duden: Neun
- Wikipedia: Ach du grüne Neune
- Wikipedia: Grüne Neune
- Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Stichwort ‚neun‘
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Herr Kowalski schaut aus dem Fenster auf den zugeschneiten Hof. „Ach du grüne Neune, und um acht muss ich in Kiel sein.“
Als Pia nach zwei Wochen Urlaub ihr Postfach öffnet, warten 412 ungelesene Mails. „Ach du grüne Neune“, seufzt sie und holt sich erst mal einen Kaffee.
Oma Hilde sieht die Matschhose ihres Enkels nach dem Kindergarten. „Ach du grüne Neune! Wo hast du denn gespielt, im Schweinestall?“
Häufige Fragen
Was ist die „grüne Neune“?
Gemeint ist wohl entweder die Grün-Neun aus dem deutschen Kartenblatt oder das Berliner Theater „Grüne Neune“ aus dem 19. Jahrhundert. Beide gelten als mögliche Quelle des Ausrufs, sicher belegt ist keine.
Sagt man „Ach du grüne Neune“ heute noch?
Ja, aber eher selten und oft mit einem Augenzwinkern. Der Ausruf gilt als altmodisch und wird vor allem von Älteren oder bewusst nostalgisch verwendet.
Wie sagt man „Ach du grüne Neune“ auf Englisch?
Eine feste Entsprechung mit Zahl oder Farbe gibt es nicht. Ähnlich harmlos sind „Good grief!“ und „Oh dear!“.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
Der Ton macht …