Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben
Kurz gesagt
Wer etwas vergisst, muss zusätzliche Wege gehen, um es zu holen oder nachzuholen.
- Auch gesagt
- Was man nicht im Kopf hat, hat man in den Beinen
- Was man nicht im Kopf hat, das muss man in den Beinen haben
Was bedeutet „Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben“?
„Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben“ heißt: Wer etwas vergisst, muss dafür zusätzliche Wege gehen. Der Duden erklärt es so: Wenn man etwas vergisst, muss man einen Weg zweimal machen. Typisch ist der Einkauf, bei dem die Milch fehlt, der Schlüssel, der noch auf dem Küchentisch liegt, oder das Ladekabel, für das man vom Parkplatz zurück ins Büro läuft. „Kopf“ steht für das Gedächtnis, „Beine“ für die Lauferei, die das Vergessen kostet.
Meist sagt man den Satz über sich selbst, halb seufzend, halb lachend, während man die Treppe zum dritten Mal hochsteigt. Zu anderen gesagt, ist er ein freundlicher Spott, gern von Eltern und Großeltern. Das DWDS nennt ihn sprichwörtlich und häufig scherzhaft. Gemeint ist Vergesslichkeit, kein mangelnder Verstand. Manche gewinnen ihm sogar etwas ab, wie ein Kabarettist, den der „Münchner Merkur“ 2020 zitierte: Die Vergesslichkeit halte einen immerhin in Bewegung.
Woher kommt „Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben“?
Das Sprichwort ist seit dem 17. Jahrhundert belegt. Wander verzeichnet unter „Kopf“ die Fassung „Was man nit im Kopf hat, muss man in Füssen (den Beinen) haben“ nach Gruter und Lehmann und vielen späteren Sammlungen bis Simrock, dazu Mundartbelege aus Düren, der Steiermark, Strelitz und Waldeck. Er bezieht es auf den Vergesslichen. Dieselbe Erfahrung fasst die Nachbarform „Was der Kopf vergisst, müssen die Füsse entgelten“.
Ältere Verwandte zielen auch auf Unverstand statt Vergesslichkeit, etwa „Ein toller (dummer) Kopf ist der Füsse Arbeit“. Ähnliche Sprichwörter führt Wander aus dem Dänischen und Englischen an, die englische Fassung lautet „Who has not understanding, let him have legs“. Heute ist fast nur noch die Vergesslichkeit gemeint, und neben „muss man in den Beinen haben“ sagt man auch kürzer „hat man in den Beinen“.
Quellen
- Duden: Kopf
- DWDS: was man nicht im Kopf hat, hat man in den Beinen
- Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Kopf‘
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Aylin steht an der Supermarktkasse und merkt, dass das Portemonnaie noch im Auto liegt. „Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben“, murmelt sie und läuft zurück.
Zum dritten Mal klingelt Opa Werner an der Haustür, weil er erst die Brille und dann den Hut vergessen hat. Oma ruft aus der Küche: „Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben!“
Kurz vor der Abfahrt fällt Jonas ein, dass der Reisepass noch in der Schreibtischschublade liegt. Seine Schwester grinst: „Tja, was man nicht im Kopf hat, hat man in den Beinen.“
Häufige Fragen
Woher kommt „Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben“?
Das Sprichwort ist seit dem 17. Jahrhundert in Sammlungen belegt, Wander nennt Gruter und Lehmann als frühe Quellen. Ein Urheber ist nicht bekannt, es beschreibt eine Alltagserfahrung: Vergessenes kostet zusätzliche Wege.
Heißt es „in den Beinen“ oder „in den Füßen“?
Heute sagt man „Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben“. Wander verzeichnet die ältere Form „in Füssen“ und setzt „den Beinen“ als Variante in Klammern.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
Hinterher ist man …