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Sankt Gallen lässt den Schnee fallen

Kurz gesagt

Um den 16. Oktober, den Gallustag, soll der erste Schnee fallen.

Auch gesagt
Sankt Gallen lässt den Schnee fallen, treibt die Kuh in den Stall und die Äpfel in den Sack
Sankt Gall, der erste Schneefall
Sankt Hedwig und Sankt Gall’ machen das Schneewetter all’

Was bedeutet „Sankt Gallen lässt den Schnee fallen“?

Die Bauernregel sagt: Mit dem Gallustag am 16. Oktober kommt der erste Schnee. „Sankt Gallen“ meint hier nicht die Schweizer Stadt, sondern den heiligen Gallus und seinen Gedenktag. Der Tag markierte im Bauernjahr das Ende der Feldarbeit: Äpfel und Rüben mussten eingebracht sein, das Vieh kam in den Stall. Eine längere Fassung fasst das zusammen: „Sankt Gallen lässt den Schnee fallen, treibt die Kuh in den Stall und die Äpfel in den Sack.“ Heute zitiert man die Regel gern, wenn Mitte Oktober in den Bergen die ersten Flocken fallen.

Als Vorhersage taugt die Regel wenig. Im Flachland ist Schnee Mitte Oktober die Ausnahme, in den Alpen und in höheren Lagen der Mittelgebirge dagegen keine Seltenheit. Die Regel beschreibt also eher, was in Gebirgsgegenden um diese Zeit beginnen kann. Der Deutsche Wetterdienst hat sich 2018 andere Gallus-Regeln angesehen, die aus dem Wetter am 16. Oktober auf den nächsten Sommer schließen. Sie widersprechen sich teils, ihre Trefferquote liegt bei 50 bis 60 Prozent und damit kaum über dem Zufall. Ist die Regel älter als die Kalenderreform von 1582, entspricht der alte Gallustag nach heutigem Kalender etwa dem 26. Oktober.

Woher kommt „Sankt Gallen lässt den Schnee fallen“?

Gallus war ein Mönch aus dem Kreis des irischen Wandermönchs Columban. Er ließ sich um 612 an der Steinach nieder, wo später das Kloster und die Stadt St. Gallen entstanden, und starb um 640. Sein Gedenktag ist der 16. Oktober, den er sich mit der heiligen Hedwig teilt.

Die Regel ist alt und gut belegt. Wander führt sie in seinem „Deutschen Sprichwörter-Lexikon“ (1867–1880) als „Sanct-Gallen lässt den Schnee fallen“ und verweist auf ältere Sammlungen, darunter Karl Simrocks „Die deutschen Sprichwörter“ von 1846. Nach einem bairischen Hauskalender verzeichnet er außerdem „Sanct-Gall, der erste Schneefall“. Dazu kommen zahlreiche Gallus-Regeln zu Ernte und Vieh wie „Auf Sanct-Gall bleibt die Kuh im Stall“. Für Italien notiert Wander, dass man dort an Gallus statt Schnee Regen erwartet.

Beispiele aus dem Alltag

  • Am 16. Oktober liegt auf dem Feldberg die erste dünne Schneeschicht. Försterin Katrin schickt ihrem Team ein Foto: „Sankt Gallen lässt den Schnee fallen. Pünktlich wie immer.“

  • In Hamburg regnet es bei zwölf Grad. „Sankt Gallen lässt den Schnee fallen?“, fragt Moritz seinen Opa. „Hier im Norden nicht“, sagt der, „das ist eine Regel für die Berge.“

  • Im Hofladen in Oberschwaben stapeln sich die Apfelkisten. „Sankt Gallen lässt den Schnee fallen“, sagt Bäuerin Hilde, „bis dahin muss das Obst drin sein.“

Häufige Fragen

Stimmt die Bauernregel „Sankt Gallen lässt den Schnee fallen“?

Nur für höhere Lagen. In den Alpen und höheren Mittelgebirgen fällt Mitte Oktober nicht selten der erste Schnee, im Flachland ist Schnee zu dieser Zeit die Ausnahme.

Wann ist der Gallustag?

Der Gallustag ist am 16. Oktober, dem Gedenktag des heiligen Gallus. Den Tag teilt er sich mit der heiligen Hedwig.

Ist mit Sankt Gallen die Stadt gemeint?

Nein. Gemeint ist der heilige Gallus, nach dem die Schweizer Stadt St. Gallen benannt ist. „Sankt Gallen“ steht in der Bauernregel für seinen Gedenktag.

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